Zeitreise
D. setzte sich an diesem verregneten und kalten Winterabend in irgendeinen Bus der Zürcher Verkehrsbetriebe und fuhr ziellos durch die Stadt. Er machte es sich in der hintersten Sitzreihe bequem; normalerweise waren diese von Pennern, Alkis und pöbelnden Pubertierenden belegt, doch an diesem Donnerstagabend waren sie verwaist. D. liess sich in den Sitz unmittelbar neben dem Fenster fallen und drückte sich an selbiges. Derweil prasselte heftiger, von einer Windböe getriebener Regen an die Scheiben des Busses, sodass sich die Konturen der nassen Stadt da draussen nur noch schwer erkennen liessen. Stattdessen verschwamm sie zu einem expressionistischen Kunstwerk, wobei die die Strassen säumenden Signallampen und Leuchtreklamen das Gemälde in verschieden kontrastierende Stimmungen tünchte.
D. mochte dieses Wetter und er mochte die Reklamleuchten. Nein, er war kein Schönwettertyp; zu schwerfällig war sein Gemüt an vielen Tagen und in Regentagen fand er seine Entsprechung. Und die Leuchtreklamen mochte er, weil sie ihn an die Dreissigerjahre des vergangenen Jahrhunderts erinnerten. Er redete sich jeweils ein, dass er besser in diese rauhe Zeit gepasst hätte, als in die Heutige mit all ihrer gespielten Fröhlichkeit. Tja natürlich wusste er, dass er diese Zeit idealisieren würde, doch dies verdrängte er galant. Stattdessen stöpselte er sich die Hörer seines iPods in die Ohren und schmiss Helen Humes ein. Genüsslich schloss er die Augen und träumte sich fort, in eine andere Zeit.
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Nostalgie, ein schönes Gefühl. Sich einfach wegträumen. Sollte man öfters machen.