Monsieur Croche

31. Januar 2010

15 Comments

Eine typische Zürcher Wohnungsbesichtigung

Seit einer Weile plagt mich ja der dilemmatische Zustand, nicht zu wissen, ob ich hier in Wald wohnhaft bleiben oder nach Zürich übersiedeln soll. Kompromisshalber habe ich mit mir selbst vereinbart, während einiger Monate in #Zürich auf Wohnungssuche zu gehen. Sollte es bis dahin nicht klappen, würde ich weiterhin hier bleiben. So könnte ich mir immerhin sagen, dass ich es versucht habe.

Nun war ich diesen Samstag mit zwei guten Freunden an einer Wohnungsbesichtigung im trendigen Escher-Wyss-Quartier. 114 Quadratmeter, erst wenige Jahre alt und mehr oder weniger direkt hinter dem Abaton gelegen. Da meine Freunde und ich bereits einige Mietwohnungen angesehen und gewisse Erfahrungen gemacht haben, kamen wir extra eine Viertelstunde vor Beginn der Führung. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, welche sich für besonders klug hielten. Im zweiten Stock versammelten sich bereits gut 10 andere Interessenten vor der Wohnung. Wir warteten auf den Makler.

Zu unserer Verwunderung kamen keine weiteren Interessenten mehr dazu. Bis sich unten im Eingangsbereich des Wohnblocks etwas tat. Unten öffnete jemand die Türe und ein bunt gemischter Pulk strömte herein. Studis, Szenis, Expats, junge Familien, ältere Ehepaare, alles war mit dabei. Von unten her stiegen sie das Treppenhaus hinauf und stellten sich hinter uns an. Aus Jux begannen wir zu zählen; 1.2.3…52.53.54 – zwangsläufig hörten wir auf zu zählen, als sich die Schlange bis auf die Strasse hinaus zu erstrecken begann und sich somit unserem Sichtfeld entzog.

An uns huschte derweil der Makler vorbei und schloss das Objekt der Begierde auf. Ungeduldig strömte die Masse ins Innere. Dort fühlte man sich schon bald wie in einem prallvollen Club. Nur war hier keiner am Anderen interessiert, sondern es herrschte vielmehr eine latent aggressive Konkurrenzsituation, in der keiner dem Anderen etwas gönnen wollte. Die einen packten sofort ihr Verhandlungsgeschick aus und sprachen mit dem Makler über dies und das, machten schlechte Witze und mischten vorsichtige Bestechungsversuche unter.

Auch uns gefiel die #Wohnung. Doch da wir nicht auf Rosen gebettet sind und Gefälligkeitsgeschenke à la “6 Monatsmieten im Voraus” nicht machen können, taten wir das Einzige, was wir in einer solchen Situation eben tun konnten; wir ergriffen uns ein Anmeldeformular. Wie uns bald klar wurde, war dies ein kluger Zug. Denn der Mann hatte innert kürzester Zeit 40 solcher Formulare verteilt.

Unter den neidischen Blicken jener, die kein Formular mehr bekamen, füllten wir dieses gleich in der Küche aus und legten unsere Betreibungsregisterauszüge bei. Daraufhin fuhren wir quer durch die Stadt und schmissen die Anmeldung gleich direkt in den Briefkasten der Immobilienfirma, der die Wohnung gehörte. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das gilt hier umso mehr. Nach dem Einwerfen waren wir fast schon euphorisch und ich wollte mich auch gleich mal auf die Suche nach passendem Spiegel &Co für die Wohnung machen. Aber nach wie vor spielt das Geld wohl trotzdem eine grosse Rolle. Und da zieh'n wir dann halt eben den Kürzeren. Zwangsläufig.

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15 Responses to Eine typische Zürcher Wohnungsbesichtigung

  1. Monsieur Croche says:

    Danke dir, aber ich habe meine Erwartungen wirklich seeeehr tief runtergeschraubt ;)

  2. sarah says:

    Biel isch au schön, grösser als Wald und ich chönt der grad sofort e Wohnig vermittle – na?!

  3. Monsieur Croche says:

    Haha nei isch scho guet – es gitt glaubs nieneds so tolli Chnelle und Alkis wie da in Wald und das isch mer ebe scho wichtig ;) Ziehsch demfall weg vo Biel?

  4. sarah says:

    Ok, Chnelle – aber Alkis und suschtigi Abstürz häts z Biel au!
    Mal luege, wett eigentli für es Ziitli uf Norwege… Wird sich alles zeige i de nächste Wuchene.

  5. Monsieur Croche says:

    Ollright. Na denn viel Vergnüege. Muess ganz schön si det obe. Wobi mir Norwege glaubs zu nördlich wäri. Eher Südschwede oder so. Aber egal.

  6. Titus says:

    Biel hat auch Chnellene. Es ist ein metropolitanisches Dorf :-)

    Ich hatte mir Biel vor rund drei Jahren als Kompromis zwischen den beiden Landesteilen ausgesucht. Steuermässig ist es etwas teurer (wenn Du kein Einkommen hast, umso besser ;-) ), die Krankenkassenprämien tiefer und die Mieten erst recht – verglichen zum früheren Wohnort in der Agglo Lausanne (wohnungsmässig gleich knapp wie Zürich oder Genf).

    Du bist schnell überall, profitierst von zwei Kulturen (für jemand, der sich Monsieur Croche nennt ist franz. ja kein Problem), hast einen See, Berge, Flachland. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen und sozial eingestellt und die halbe Stadt ist im Umbruch/Aufbruch. Bald soll sogar ein Tram kommen, das gibt uns dann ein bischen ein «Züri-Gefühl» :-)

    Hey, was willst Du mehr?

  7. Monsieur Croche says:

    Ja es klingt tatsächlich noch sympathisch (hab mir den Wikipedia-Eintrag von Biel angesehen ;) ) Aber ja, die Bürden des Studiums und meines Freundeskreises tragen schwer. Aber in ein paar Jahren – pourquoi pas? Ich glaube, die Mentalität der Romands würde mir noch ganz gut gefallen. Hat es in Biel denn viele leerstehende Wohnungen? Offenbar hatte es ja mal 64’000 Einwohner und jetzt nur noch 50’000…ist noch krass.

  8. sarah says:

    in biel ist ALLES teurer ausser die miete. dafür eben see, seeland und jura vor der haustüre. die leute cool drauf und sehr aufgeschlossen – im gegensatz zu den stadtbernern…
    die zweisprachigkeit lässt das feriengefühl nie mehr gehen.
    leere wohnungen hats auch: meine. eine sollte dir ja reichen… ;-)
    zu nördlich kanns für mich nicht sein. südschweden ist nach zwei wochen langweilig

  9. Claudio says:

    Also, die 2000 Anfragen, die ich dir mal angegeben habe, kannst du wieder streichen. Das waren anscheinend “nur” die Views auf Homegate. Aber auch das ist schon sehr viel. ;)

  10. Monsieur Croche says:

    haha eben; dacht mir schon, dass das fast nich sein könnte, obschon ich ja vieles glaube ;)

  11. Der Bebilderer says:

    dann komm nach bern. oberläder fühlen sich hier wohl. und aus wald kenne ich auch schon jemd. in Bern. wärst also nicht allein!

  12. Monsieur Croche says:

    Echt? Wie alt ist die Person aus Wald? Evtl. kenn ich sie ja auch. Nein also grosse Wohnortwechsel sind echt ein wenig problematisch, Biel wurde mir ja auch schon ans Herz gelegt :) Im Moment bindet mich einfach zu vieles an den Kanton Zürich. Später könnt ich mir es aber gut vorstellen – in die Berner Altstadt oder halt einfach in die Stadt. Gefiel mir nämlich bisher immer sehr gut, wenn ich mal dort war :)

  13. Der Bebilderer says:

    Weiblich, Skivernarrt, reist viel rum und heisst Salome.

  14. Pingback: Monsieur Croche: «Rückblick 2010 / Prognosen 2011»

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