Monsieur Croche

13. Juli 2011

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Wie ich mein Zwischenjahr verschlief

Ich hatte damals vieles vor. Damals war vor rund 5 Jahren, als ich frisch gebackener Maturand war. Wie die meisten meiner Klasse, beschloss ich, erst einmal ein Jahr zu pausieren, bevor ich irgendwas zu studieren beginnen würde. Ich frohlockte ob der Vorstellung, morgens einfach nicht mehr früh aufstehen zu müssen und stattdessen bloss nur noch das zu tun, wonach mir gerade war.

Die ersten Tage der neu gewonnen Freiheit waren tatsächlich selten aufregend und ungewohnt, doch rasch begannen andere Dinge mein Gemüt zu trüben. War es, weil mein damaliger Teilzeitarbeitgeber mir immer öfters Schichten zuteilte? War es, weil ich mich unglücklich verliebte oder war es, weil mich die Stimmung im Elternhaus zunehmend bedrückte?

Vermutlich war alles ein bisschen dafür mitverantwortlich, dass ich irgendwann im Winter den Job hinschmiss und mich in einen Elfenbeinturm flüchtete. Alle Dinge, die ich in dieser Zeit tat, tat ich in einem ungesunden und schon fast krankhaften Masse.

Ich begann damit, wie ein wilder zu bloggen und schwadronierte derart über Gesellschaft und Politik, wie es bloss alte und verbitterte Männer zu tun pflegen. Der Blogging-Wahn wurde zudem durch die Tatsache verstärkt, dass ich von zu Hause ausziehen wollte und damals in allen Köpfen der Irrglaube herrschte, dass sich mit Blogs und Links verkaufen viel Geld verdienen liesse; ich glaubte zu jener Zeit also felsenfest daran, dass ich trotz der hohen Mietpreise meine eigene Wohnung bloggend finanzieren könnte.

Häufig blieb ich bis 4 Uhr morgens auf und programmierte wie ein besessener an irgendwelchen «Web 2.0»-Projekten herum, ohne dass ich auch nur eines über ein rudimentäres Grundgerüst herausgebracht hätte. Für gewöhnlich schlief ich dann bis Mittags und verlor völlig das Zeitgefühl.

Es blieb aber nicht nur bei dem. Ich gewöhnte mir noch andere ungesunde Gepflogenheiten an. Obschon andere das Gegenteil behaupten, war mein Rencontre mit der Philosophie keine Wohltat für meinen seelischen Zustand; obschon ich mir damals das Gegenteil davon versprach. Während Monaten ackerte ich die kleine Weltgeschichte der Philosophie durch – mit dem Resultat, dass ich mich geistig nur noch weiter von Gleichaltrigen entfernte und eine niederschlagende Einsamkeit in mir zu brennen begann.

Zu jener Zeit suchte ich selbige mit allwochenendlichen Alkoholeskapaden sondergleichen zu löschen. Der Alkohol half wenig. Die Partys in unzähligen Clubs halfen wenig. Und auch die bis zu 6 Kaffees, die ich täglich trank, halfen dabei wenig.

Während ich so vor mich hinlebte und wie ein Besessener Dinge tat, ohne dabei jedoch wirklich etwas zu tun – zu leben – zogen so die Tage ins Land und irgendwann war schon fast wieder ein Jahr vergangen, seitdem ich meine Maturität erhielt. Plötzlich kam mir wieder in den Sinn, was ich eigentlich in meinem Zwischenjahr machen wollte: Die Reisetasche packen und einen Sprachaufenthalt einlegen.

Zwar informierte ich mich bei Boa Lingua über Sprachaufenthalte, fand aber schliesslich nicht den Mut, es zu tun; ich schob die Sache hinaus; wie sooft in meinem Leben. Nun ja, so verpennte ich mein Zwischenjahr. Aber immerhin erfuhr ich mehr über mich selbst und meinen Hang zur Trägheit. Mir wurde klar, dass ich mein Leben wirklich selbst in die Hand nehmen muss und Dinge angehen muss, wenn ich Resultate sehen will.

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