Monsieur Croche

27. Juli 2010

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Weichenstellungen

Vor kurzem spazierte ich am Hauptgebäude der Uni vorbei, als sich mir dieser Anblick darbot. Ich blieb stehen und musste die Szenerie fotografieren. Denn inwendig kam es mir so vor, als würde der Himmel mein Leben in Bildern widerspiegeln. Viele düstere Wolken, die verbissen miteinander zu kämpfen scheinen und etappenweise von Aufhellungen durchstossen werden.

Es kommt nicht gerade selten vor, dass ich mir die Frage stelle, wie es soweit kam, dass ich heute derjenige bin, der ich bin. Nicht, dass ich gänzlich unzufrieden mit dem wäre, was ich erreicht habe und wie ich mein Leben lebe. Nein, so ist es nicht. Aber es ist so, dass häufig eben doch das Düstere überwiegt. Ich bin beispielsweise andern Menschen gegenüber von Beginn weg negativ eingestellt. Ich misstraue ihnen und ich kann keine Sympathie für sie empfinden. Erst nach einer Weile der besseren Kennenlernens beginne ich sie zu mögen. Auf diesen Charakterzug bin ich mitnichten Stolz. Ich könnte weitere Eigenheiten aufzählen, jedoch tun diese wohl eher wenig zur Sache.

Ich schlage mich nicht selten mit der Frage herum, was wäre, wenn gewisse Weichenstellungen in meinem Leben anders verlaufen wären. Mit welchen Augen würde ich die Welt heute wahrnehmen, wären gewisse Dinge in meinem Leben erst gar nie geschehen? Wäre ich ein positiverer Mensch und könnte ich mein Leben mehr geniessen? Inwendig glaube ich natürlich ganz fest daran, obschon das längst nicht gesichert ist. Aber so trägt es sich zu.

Es kommt mir auch nicht selten so vor, als sei ich um mein Leben betrogen worden. Als hätte ich ein anderes Leben verdient. Das ist natürlich Selbstmitleid in bester Manier eines Tony Hayward. Aber ich glaube, so ist der Mensch. Er bemitleidet sich in gewissen Situationen gerne selbst. Nur gibt er es häufig nicht zu, wohlwissend um die Tatsache, dass es vielen Menschen noch schlechter ergeht. Für den einzelnen Menschen, der mit seinem Schicksal hadert, macht dies die Lage jedoch nicht viel besser.

Wäre ich weise oder hätte ich nur schon ein wenig mehr Lebenserfahrung, würde ich an dieser Stelle die Lösung des Problems darstellen oder ausformulieren, weshalb ich mit meinem Leben doch ganz zufrieden sein kann. Leider will mir dies noch nicht gelingen. Es liegt vielleicht auch im Kern der Sache, dass mir dies nicht gelingt, denn mein eigenes Leiden liegt in der Sehnsucht nach einem Leben begründet, dass es gar nie gab und das lediglich in meiner Vorstellung existiert. Es ist das Leben und mit ihm der Mensch, der ich wäre, hätte ich nicht all jene mitunter schmerzhaften Erfahrungen gemacht. Wer ich wäre, wie ich die Welt sähe und ob ich glücklicher wäre, all dies ist unklar, aber doch sehne ich mich danach, da ich in der Einbildung lebe, dass es ein besseres Leben wäre.

Meine Freundin meinte jüngst, ich würde häufig gegen mich selbst kämpfen und könnte daher gar nicht anders, als zu verlieren. Darin steckt sehr viel Wahrheit und es wäre vermeintlich nur ein kleiner Schritt hin zur Lösung: Sich und seinen Schicksalspfad zu akzeptieren lernen. Nur ist der Weg dorthin bei näherer Betrachtung steinig und lange. Und der Alltag mit seinen kleinen Problemchen trägt seinen nicht unwesentlichen Teil dazu bei. Aber dieser Weg muss trotz allem beschritten werden. Mein Leben stellte sich mir als ungepflegter Garten dar, den ich kultivieren muss – um an dieser Stelle eine Metapher zu entleihen. Aber es ist so; das Leben stellt sich mir als längerfristiges Projekt dar, in dem Aufgeben nicht vorgesehen ist…

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