Monsieur Croche

24. Juli 2011

6 Comments

Weg von hier

Irgendwann realisierte ich, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich realisierte, dass ich ein Leben lebe, das ich so nicht leben möchte. Ich realisierte, dass es in meinem Leben gewisse Dinge gibt, die mich davon abhalten, so zu sein, wie ich sein möchte.

Ich möchte, könnte ich wählen, ein fröhlicherer und offener Mensch sein. Stattdessen bin ich oftmals zurückhaltend, misstrauisch und manchmal gar eine Spassbremse. Für diese Charakterzüge, nun ja, in gewisser Weise hasse ich mich dafür. So etwas zu schreiben ist das pure Gegenteil von dem, was einem all die guten Ratgeber so anraten. Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst, nur fühlt es sich so an.

Dagegen ankämpfen? Nun ja. Schon zigfach in irgendeiner Art und Weise versucht, nur um dann festzustellen, dass das verdammt schwierig ist. Scheitern. Immer. Weshalb? Nun ja. Manche mögen sagen, es sei falsch, den Fehler nicht bei sich selbst, sondern in anderen Umständen zu suchen. Das mag sein. Nichtsdestotrotz fällt mir immer wieder auf, wie sehr mich mein Umfeld auf denjenigen zurückwirft, der ich über eine lange Zeit hinweg war – ein verstockter und in gewisser Weise verbitterter junger Mann.

Natürlich wirft mich niemand willentlich auf mich selbst zurück. Es sind die Rollen und die Interdependenzen. In einem Freundeskreis, der sehr auf sich selbst bezogen ist, wie es in meinem Fall der Fall ist, ist jeder für den andern eine Einschränkung. Ein jeder wirft den andern auf seine altbekannte Rolle zurück. Das Zurückwerfen geschieht meist in kleinen Bemerkungen, die eigentlich lustig gemeint sind. Kleine Spässchen über die tölpelhafte Art des Einen, Sprüche über das Machogehabe des Andren. Sie zementieren die Rollen.

Es ist schwer eine Rolle los zu werden. Bisweilen vermutlich gar unmöglich. Weshalb gelingt es mir nicht, aus ihr herauszuwachsen? Da ist einerseits das Rollending. Sicherlich. Aber da sind auch andere Dinge, zwischenmenschlicher Art. Personen, denen man mal recht nahestand und es jetzt nicht mehr tut, weil man in irgendeiner Weise enttäuscht voneinander ist oder es sind Dinge vorgefallen, die zwar geklärt zu sein scheinen, es aber doch nicht sind. Es schränkt ein. Oder das Verhalten des Einen, das beim Andern immer wieder schlecht ankommt und für Spannungen sorgt. Auch das schränkt ein. Dazu kommt das Elternhaus mit all seinen wiederkehrenden Themen, die am Ende ebenfalls nur auf die alte Rolle zurückwerfen.

Gegenwärtig sehe ich genau einen Ausweg aus alledem: Weg von hier. Ich möchte weg von hier, sobald ich im nächsten Sommer meinen Bachelorabschluss erhalte. Irgendwo im Ausland studieren und Erleben. Leben, ohne ständig auf die alte Rolle zurückgeworfen zu werden oder sich selbst darauf zurückzuwerfen. Am Ende muss man es einfach tun! Denn darauf kommt es an.

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6 Responses to Weg von hier

  1. ANNA says:

    Ja, ich bestärke dich gerne.
    Tönt als müsstest Du raus.
    Vor allem aus Zürich..;)

    Jedoch am Ende kommt es noch darauf an, ob man freiwillig von dannen zieht, oder ob einem keine andere Möglichkeit bleibt.

    Sei froh, dass Du dieses “Nest” hast. Du wirst es mehr schätzen, sobald Du die Ferne fertig erlebt hast.

  2. Monsieur Croche says:

    Hey!
    Danke für deine Bestärkung :)
    War es denn bei dir so, dass du quasi gezwungen warst, fort zu gehen? Ja ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann sehr froh sein werde, wieder zurück zu kehren. Deshalb scheint es mir auch so wichtig, diese Erfahrung zu machen – um das Hier und Jetzt besser schätzen zu lernen.

  3. ANNA says:

    naja, eine richtige ‘heimat’ habe ich von sich aus nicht. zum fortgang oder zügeln gezwungen war ich so direkt auch nicht. aber die umstände liessen mir einfach keine andere wahl. örtliche verwurzelung ist mir irgendwo auf der strecke abhanden gekommen. und ich vermisse sie. aber jetzt ist es halt so wie es ist und ich muss irgendwie damit klarkommen ;)

    http://blinkblink-blinkblink.blogspot.com/2011/07/b-l-i-n-k-berlin-b-n-n-s.html die verspätete antwort ;)

  4. Schreibschaukel says:

    Bin schon mehr als doppelt so alt und versuche auch immer mal wieder “anders” zu werden – das hört wohl nie auf. Weggehen ist immer gut und eröffnet neue Horizonte und Möglichkeiten. Allerdings nimmt man sich selber mit und deshalb hilft es doch auch, statt weg in sich zu gehen.
    Einer meiner Lieblingssprüche heisst: Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man gerne gewesen wäre (George Elliot)…der tröstet mich in meinen “dunklen” Stunden ;-)

  5. Monsieur Croche says:

    @Schreibschaukel: Danke! Der Spruch ist wirklich gut und trifft es auf den Kopf (hab ihn in meine Zitatesammlung aufgenommen :) )

  6. Pingback: Monsieur Croche: «Bereit für Lund»

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