SVP-Volksbefragung: «Wollt ihr den totalen Krieg?»
Zugegeben: Dieser Titel ist reisserisch. Aber nur zum Teil, denn vom Prinzip her ist diese Frage mit der «Volksbefragung» der SVP durchaus verwandt. Vor langer Zeit richtete sich Göbbels nämlich in seiner berühmten Sportpalastrede an die Anwesenden und fragte sie, ob sie «den totalen Krieg» wollten, was diese natürlich aus Gruppendruck oder ideologischer Verblendung heraus bejahten. Die NS-Propaganda verkaufte die dumben «Heil»-Rufe der Sportpalastbesucher sodann als den «Willen des Volkes» und machte das deutsche Volk zum Tätervolk.
Heute ist es nicht wesentlich anders. Da streut die SVP tendenziöse Umfragetalons unter die Bevölkerung und wertet diese aus. Die Auswertung ergibt, dass sich der «Wille des Volkes» ziemlich genau mit der Politik der SVP deckt. Die SVP reklamiert daraufhin für sich, den ominösen Willen des Volkes zu vertreten.
Nun, ich habe sicherlich keinen SVP-Beissreflex und gehe auch nicht gleich gegen alles von der SVP kommende auf die Barrikaden. Doch scheint es mir hier gerecht und opportun diese Scheisse zu verurteilen. Denn jene Partei, die des Volkes Willen zu vertreten angibt und stets von sich behauptet, ehrliche Politik im Sinne des Volkes zu betreiben, verkauft in diesem Fall ganz klar selbiges für dumm und manipuliert es.
Denn was da in einem schönen wissenschaftlichen Mäntelchen daherzukommen scheint, entspricht in Wirklichkeit bösartigem Kalkül. Den SVP-Strategen war von Anfang an sehr wohl klar, dass nicht alle Kreise der Bevölkerung im gleichen Ausmasse dies Befragung ausfüllen würden. Stattdessen war ihnen bewusst, dass vornehmlich SVP-Sympathisanten die Umfrage ausfüllen würden und Sympathisanten der SP oder der Mitteparteien diesen Talon gleich wieder wegwerfen würden. In der wissenschaftlichen Methodenlehre ist dieses Problem als Selbstselektion bekannt. Von den Resultaten auf den «Willen des Volkes» zu schliessen ist also in höchstem Masse unwissenschaftlich und nicht repräsentativ (Rücklaufquote < 2%).
Es ist aber nicht bloss die Selbstselektion. Den Umfrageteilnehmern wurden Fragen à la «Wie viel Ausländerkriminalität wollen Sie?» vorgelegt, was tendenziös ist und unterschwellig suggeriert, dass zwischen Ausländer und Kriminalität ein positiver Zusammenhang besteht. Der Umfrageteilnehmer wird damit psychologisch manipuliert. In der Wissenschaft sind solche als Suggestivfragen bekannte Fragenstellungen äusserst verpönt und in keiner seriösen Arbeit zu finden.
Die Linke und auch die Mitteparteien haben sich das Gelingen dieses SVP-Coups jedoch zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben. Denn sie wären nicht machtlos gewesen; hätten sie doch ihre Anhänger dazu aufrufen können, an der Umfrage ebenfalls teilzunehmen, um die Umfragewerte in ihrem Sinn zu beeinflussen. Wenn ich mich richtig zurück erinnere, gab es zu keinem Zeitpunkt einen solchen Versuch der genannten Parteien. Nun ja, Shit häppens.
Es ist erfreulich, dass sich nun wenigstens ein bisschen Widerstand gegen diesen – Entschuldigung – pseudowissenschaftlichen Bullshit regt. Nämlich in Form einer Webseite, die die Manipulationsstrategien der SVP aufdeckt. Ich möchte alle interessierten Lesern daher die vom Nationalrat Antonio Hodgers (Grüne) gestaltete Webseite www.wasdiesvpverheimlicht.ch empfehlen.
Politik basiert auf Meinungsverschiedenheit und ich zögere jeweils Partei für die Eine oder andere Seite zu ergreifen (da der Politprozess oft nicht eindeutige Resultate und Konsequenzen liefert). Wo jedoch manipuliert wird, muss eingegriffen werden, denn Manipulation geht gar nicht! So. Ich habe fertig.
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9 Responses to SVP-Volksbefragung: «Wollt ihr den totalen Krieg?»
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Die anderen Parteien sollen der SVP eine Legitimationsgrundlage liefern, in dem noch mehr Menschen mitmachen und die SVP nachher einfach sagen kann, die Mehrheit (was dann immernoch als Volkswillen verkauft wird) hat entschieden.
Die anderen Parteien sollen ihre Energie und Zeit darauf verwenden reaktiv auf das Agendasetting der SVP zu reagieren
und somit der Führungsspitze einer Partei, die du selbst mit Göbbels NSDAP vergleichst, noch mehr mediale Aufmerksamkeit, Propaganda und Legitimation zukommen zu lassen?
Meiner Meinung nach ist dies eine verfehlte Strategie.
Die SVP behauptet ja bereits schon jetzt, dass die Mehrheit entschieden hätte. Was liefert in deinen Augen eine grössere Legitimationsgrundlage? Wenn 63% den Entzug der Niederlassungsbewilligung bei langjähriger Sozialhilfeabhängigkeit befürworten oder wenn es bloss deren 47% tun? Ich kann deine Gedankengänge manchmal wirklich nicht nachvollziehen; sie wirken ziemlich wirr und beliebig. War das jetzt einfach mal Kritik aus Prinzip? Da gibt es doch so ein Wochenblatt, das ganz ähnlich funktioniert.
Wenn noch mehr Leute bei diesem Spielchen mitspielen, kann die SVP noch eine grössere Zahl an Teilnehmenden rausposunen.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass ein Aufruf der anderen Parteien nicht dazubeigetragen hätte, die gewollten Werte auf unter 50% zu drücken. Vielleicht siehst du das anders.
Wenn, dann hätten (geschätzt) über 30’000 weitere Leute teilnehmen müssen.
Es ist nicht einfach über 30’000 Leute für sowas zu mobilisieren.
Es müsste extrem viel Zeit, Geld und personelle Ressourcen dafür verwendet werden. Die für andere Projekte fehlen.
Die anderen Parteien haben nicht so unsäglich grosses Polit Budget wie die SVP und die Economie Suisse – beide je über 30 Mio im Jahr.
(im Jahr 2007 hatten alle anderen Parteien zusammen ein Budget von 30 Mio. )
Weiter würde man gemäss deinem Vorschlag nach dem Diktat der SVP tanzen. Und ihnen somit noch mehr politische Macht einräumen.
Weiter müsste man die Medien einbinden, um die 30’000 Conterleute zu erreichen.
Das würde der SVP aber wieder zu viel mehr Medienpräsenz verhelfen und sie weiter stärken.
Dadurch dass diese Manipulativebroschüre dann noch mehr in den Medien behandelt würde, würden es noch mehr Leute ausfüllen, die durch die suggestiv Fragen in SVP Manier antworten, was zur Folge hätte, dass noch mehr Contraleute bei dieser manipulativen Kampagne “teilnehmen” müssten.
Das ganze würde medial somit sehr stark aufgebauscht und die SVP hätte ein perfektes Agendasetting betrieben und den öffentlichen Diskurs sehr sehr stark weiter richtung “Ausländer sind unsere Probleme” verschoben.
Also eigene, richtige Themen setzen, wie zum Beispiel die Steuergerechtigkeitsintiative, anstatt den Diskurs der SVP zu stärken.
Vor allem die MItteparteien haben sich sehr still gehalten zu der Diskussion. Klar, sie hätten wahrscheinlich nicht gegen die SVP mobilisieren können, aber trotzdem vermisse ich Statements vonseiten der FDP und CVP ( Die SP macht sich ja gerade selber zur Sau).
Es ist eine Schlacht rechts gegen links und die Methoden beider Parteien gehen mir langsam so richtig auf den nicht vorhandenen Sack.
So ist das….und ich hoffe inständig, dass die schweizer Bevölkerung lieber früher als spät merkt, dass der Weg der SVP nicht funktionieren kann (aber genauso wenig der der SP).
Aber wir waren ja schon immer Bünzlis….
@Ramona
Und vor allem so viel Weisheit auf einmal von dir.
Robert: Auf was genau ist dieses Urteil bzw. dieser Spruch gestützt?
Auf deinen Kommentar.
Ich lege dir den Kommentar von Peter Hug ans Herzen:
http://www.journal21.ch/wenigstens-ist-die-sp-keine-wischiwaschi-partei
Natürlich ist es unverständlich, wieso die SP in die hochkapitalistische, demokratiefeindliche EU möchte.
Dies ist für mich ein klarer Widerspruch zu den anderen beiden Zielen:
Demokratisierung der Wirtschaft und Überwindung des Kapitalismus’.
Auch das Ziel “Abschaffung der Armee” könnte ein Produkt des Idealistischen Flüges sein, der sich gegen den dialektisch Materialistischen Flügel durchgesetzt hat. Dies ist aber eine Unterstellung meinerseits.
Der Idealistische Flügel ist im Übrigen nicht im links-rechts Schema anzuordnen, aber ich bezeichne tendenziell und entgegen den Medien die Leute im “rechten” SP-Flügel idealistisch,….
Dass sich aber Galusser und seine Kollegen mit ihrem Papier “Deutungshoheit” scheinbar verhör verschaffen konnten, ist erfreulich.
http://www.deutungshoheit.ch/online.html
Vielleicht hat sich aber auch unabhängig von dieser Gruppe die Einsischt durchgesetzt, dass es nicht das Ziel einer Partei sein soll,
sich dem Mainstream anzupassen zu versuchen. Das Ziel muss es viel mehr sein, die Leute von ihren Visionen für die Zukunft einer besseren Welt zu begeistern und zu überzeugen.
Alles andere führt zu einer Nivellierung der Politik gleich des amerikanischen Zwei-Parteienmolochs. Man rennt dann nur noch den Wählerstimmen nach, in dem man versucht auf der Meinungswelle einer Bevölkerungsgruppe zu reiten und die Partei wird eine Hure der Medien.
Und da die Medienkonzerne zum Grösstenteil die selben Grossaktionäre haben, wie andere (Gross)Konzerne, wird man nur noch ein weiteres stüzendes Glied des Systems, welches man zu bekämpfen vorgibt.
Deswegen ist die Entscheidung der SP für die nächsten Wahlen und bezüglich der Wählerstimmenprostitution “unklug”, aber eine Notwendigkeit zu ihrem Hauptziel: Die Überwindung des Kapitalismus.
Ich möchte jetzt hier nicht die Argumentation von Galusser und seinen compañeros wiederholen. Ich kann nur empfehlen es zu lesen. Es ist politologisch interessant.
Jetzt zum Schluss doch nochmals eine Begründung zu meinem ironischen Kommentar, zu welchem ich mich hinreissen liess.
Mein ironisches Urteil beruht darauf, dass du die Schaumschlägerei der Medien unreflektiert wiederholt hast. Verzeih mir meine Unterstellung, aber ich bezweifle, dass du tatsächliche Argumente, neben den täglich wiederholten standard Argumenten hast, wieso weder SVP noch SP funktioniere.
Was bedeutet funktionieren? Für wen funktionieren? Zu welchem Preis könnte es funktionieren?
Deine “Argumentation” zielt darauf ab, nichts sagen zu müssen, was in der Binsenwahrheit “Aber wir waren ja schon immer Bünzlis” seinen Gipfelung findet.
Das Credo der sogenannten “Mitte Parteien” und des Mainstreamdiskurses hast du somit gut verinnerlicht. Vielleicht überwindest (ich liebe dieses Wort) du es irgendwann.
Ziemlich altklug und arrogant, lieber Robert. Verwendest du den Begriff des dialektischen Materialismus eigentlich so gerne, weil du weisst, dass er die meisten deiner Gesprächspartner verwirrt? Du könntest auch einfacher ausdrücken, was du meinst. In meinen Augen ist das pseudointellektuelles Gefasel.