Unterhosen-Invasion in der WG «zur schlechten Laune»
Als ich vorgestern von der Uni nach Hause kam, fand ich alle Stühle der WG als Wäschetrockner für die Unterhosen und Socken des Mitbewohners G. missbraucht vor. Selbst in meinem Zimmer hingen einige seiner Unterhemden rum.
Was war geschehen? Nun, es ereignete sich vor etwas mehr als einer Woche, als Mitbewohner D betrunken nach Hause kam und feststellte, dass er seine Wäsche für den morgigen Tag noch nicht getrocknet hatte. Er ging deshalb in die Waschküche hinunter, um dies nachzuholen. Unter unverhältnismässigem Einsatz von Kraft und Dummheit vollbrachte er jedoch die Glanztat, den Schliessmechanismus der Tumbler-Türe zu zerstören. Der Trockner war im Arsch und Mitbewohner D. durfte seine Wäsche trockenfurzenföhnen.
Ein gewissenhafter Mensch würde nun am nächsten Tag der Verwaltung anrufen und den Schaden melden. Doch Mitbewohner D. ist eben mexikanischer Herkunft und dementsprechend faul. «Da ruft sicher einer der Nachbarn an, wenn der merkt, dass der Tumbler nicht geht,» so die Ausrede des Kollegen D. Mitbewohner G. und ich vertrauten der Annahme D.s und warteten ab. Mehrere Tage vergingen, ja gar eine Woche verging, ohne dass jemand den Wäschetrockner geflickt hätte.
«Die Verwaltung ist eben einfach faul und nichtsnützig,» kommentierte Mitbewohner D. schliesslich. «Man muss denen einfach Druck machen und nochmals anrufen,» schlug ich vor. D. wollte natürlich nicht anrufen und meinte, ihm eile das mit dem Tumbler nicht so. Da mich das aber zu stressen begann, rief ich schliesslich gestern bei der Verwaltung an und meldete den Schaden. Zu meinem grossen Erstaunen musste ich dann feststellen, dass noch gar niemand den Schaden gemeldet hat.
Was lernen wir daraus? Wenn alle davon ausgehen, dass schon der Andere eine Sache tun wird, geschieht rein gar nix
In der Wissenschaft ist dieses Phänomen übrigens bekannt unter der Bezeichnung «Soziales Dilemma». Ist noch ganz spannend sich mal darüber schlau zu machen; erstaunlich in wie vielen Situationen des Alltags wir solchen Dilemmata begegnen!
4 Responses to Unterhosen-Invasion in der WG «zur schlechten Laune»
Ich hätte das jetzt ganz intuitiv als kollegiales Dilemma betracht und würde vielleicht auch mal dem Kollegen D. ein bisschen Druck machen. Oder auch ein bisschen mehr…
Das stimmt. Ich hätte ihm drohen sollen, seine Gitarre aus dem Fenster zu werfen, wenn er jetzt nicht etwas unternimmt. Über seine Gitarre geht ihm nämlich nichts
“Doch Mitbewohner D. ist eben mexikanischer Herkunft und dementsprechend faul.” Srsly?
Nein, das mit der mexikanischen Herkunft ist nur etwas, das wir ihm spasseshalber unterstellen, weil er wie ein Mexikaner aussieht (obschon er 100% Schweizer ist)
Aber das mit der Faulheit ist leider wahr. Wenn er nicht will, dann will er einfach nicht. Wie ein sturer Esel.