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Sommerferien am Nordkap

Schon seit einer längeren Zeit denke ich darüber nach, irgendwann einmal die europäischen Nordländer zu besuchen. Vielleicht ist es ein wenig naiv von mir, aber dennoch verbinde ich mit dem Gedanken eine heile Welt, fernab von Stress und hektik. Eine Welt, in der die Natur noch den Tagesrhytmus vorgibt; eine Welt, in der Titel und Tätigkeit nicht darüber entscheiden, wer und ob man jemand ist. Der Blog einer nun in Norwegen lebenden Bekannten verleihte dabei meiner Phantasie weiteren Auftrieb; ich sehe mich, wie ich in einem Boot einem kühlen Fjord entlangfahre, rieche die salzig-klare Luft des Meeres und fühle mich frei. Absolut frei. Die Sorgen des Alltags, das Studium, der Nebejob – alles liegt in weiter Ferne.

Für diesen Sommer sehen meine Pläne also etwas anders aus, als es in der Vergangenheit der Fall war. Weder Ferien am zusammen mit fetten, bierbäuchigen Sauftouristen, noch Städteferie, wo man sich vor Touristenattraktionen das Quängeln irgendwelcher ungeduldiger, pausbäckiger Kinder anhören muss. Stattdessen etwas, das ich bisher noch nie getan habe: Sommerferien im Norden!

Während den letzten Tagen habe ich die Idee zu einem eigentlichen Plan weiterentwickelt und das Internet zum Thema Norwegen und Reisen ans Nordkap durchforstet. Für mich ist klar: Dorthin fliegen will ich nicht. Einerseits bin ich ein totaler Angsthase, wenn es ums Fliegen geht und zudem sitzt man dann nach dem Flug dort irgendwo an einem Flughafen fest und muss erst schauen, wie man wohin kommt. Eine Kreuzfahrt macht da schon einiges mehr Sinn; reisend sieht man die Schönheiten des Landes und hat das Hotelzimmer erst noch in unmittelbarer Reichweite.

Als ich dann so durch die unendlichen Weiten des Webs streunerte, stiess ich auf die Kreuzfahrt-Angebote von Color Line. Die norwegische Reederei bietet nämlich eine tolle Nordkap-Reise an, welches in einem Komplettpaket* für ab 1349 Euronen mitsamt Übernachtungen in Hotels in Norwegen organisiert ist.

Ausgangspunkt der Reise zum Nordkap ist Kiel, von wo aus man um 14 Uhr Richtung Norwegen ablegen kann. Von der norwegischen Hauptstadt Oslo aus geht die Reise über Karlstad weiter, in die schwedische Hauptstadt Stockholm. Anschließend fährt man über Sigtuna in die Universitätsstadt Uppsala und weiter auf der E4 Richtung Norden nach Gävle. Von hier aus verläuft die Strecke parallel zur Küste des Bottnischen Meerbusens vorbei an Hudiksvall nach Sundsvall und über die Universitätsstadt Umeå nach Skellefteå. Am sechsten Tag der Reise überquert man die schwedisch-finnische Grenze und am siebten Tag erreicht man schliesslich den Polarkreis. Hier angekommen würde ich zum ersten Mal in meinem Leben die Mitternachtssonne erleben! Am folgenden Tag ist das erste Ziel der Reise – das Nordkap – erreicht.

Auf dem Rückweg vom Nordkap reist man durch ganz Norwegen: über Tromsø, die nördlichste Universitätsstadt der Welt, geht es zu den Lofoten und über den Polarkreis bei Mo i Rana nach Trondheim und wieder nach Oslo. Vermutlich werde ich diese Rundreise in den nächsten Tagen buchen :)

* 18 Übernachtungen inkl. Frühstück

Fragebogen

  1. Sind sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?
  2. Warum? Stichworte genügen.
  3. Wieviele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?
  4. Wem wären sie lieber nie begegnet?
  5. Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?
  6. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?
  7. Wie heisst der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?
  8. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?
  9. Wen hingegen nicht?
  10. Hätten Sie lieber einer andern Nation (Kultur) angehört und welcher?
  11. Wie alt möchten Sie werden?
  12. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Wiederspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.
  13. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?
  14. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder in einem Kollektiv?
  15. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden, oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.
  16. Überzeugt sie Selbstkritik?
  17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie sich selber übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?
  18. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?
  19. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, dass der Verstorbene zu ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?
  20. Lieben Sie jemand?
  21. Und woraus schliessen Sie das?
  22. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?
  23. Was fehlt Ihnen zum Glück?
  24. Wofür sind Sie dankbar?
  25. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?

Aus Tagebuch 1966-1971 von Max Frisch pp. 9-11

Zeiten ändern dich

Vor einer Handvoll Tagen feierte ich wieder einmal Geburtstag. Mittlerweile verbringe ich schon ein Vierteljahrhundert auf dieser Erde. Das ist irgendwie erschreckend. Erschreckend deshalb, weil die Zeit doch so schnell vergeht. Gerade erst dachte ich an dieser Stelle noch über meinen vierundzwanzigsten Geburtstag nach, gerade erst beendete ich das Gymnasium, gerade erst besuchte ich noch die Sekundarschule, fuhr ein Puch-Töffli und kotzte ob meines ersten Suffs den Boden meines Zimmers voll.

Ja wenn ich über die Zeit und das Leben nachdenke, so scheint die Zeit im ersten Augenblick furchtbar schnell zu vergehen, ohne gross Spuren zu hinterlassen. Dann aber, im zweiten Augenblick, erscheint mir doch alles anders.  Nur schon alleine, wenn ich darüber nachdenke, was ich seit meinem letzten Geburtstag alles so erlebt habe. Oder wenn ich in mich kehre und mich frage, wie es mir so geht – dann kann ich diese Frage seit einiger Zeit mit gut beantworten.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Melancholie und das Gefühl im Leben zu kurz zu kommen, prägten mein Leben und auch mein Schreiben hier auf diesem Blog. Gleichsam drängte sich mit der immer seltener werdenden Melancholie eine nicht unwichtige Frage auf - wie weiter mit diesem Blog? Die Figur des «Monsieur Croche» war ja eben zu einem nicht geringen Teil das Produkt der Melancholie des hinter ihm stehenden Schreiberlings. Wie also weiter? Kann «Monsieur Croche» ohne Extraportion Melancholie überhaupt existieren? Wird die Figur des Monsieur Croche mich als Schreibenden nicht immer wieder in die Rolle des Melancholikers zurückwerfen?

Nun, ich brauchte ein wenig Zeit, um mir darüber im Klaren zu werden. Aus Tagen wurden Wochen und aus Wochen wurden gar Monate. Das Warten hat sich aber gelohnt. Zumindest für mich, denn mittlerweile ist mir klar geworden, wie es weitergeht. Zu allererst: Es geht weiter. Hätte ja auch anders sein können.

Und dann – nun kurzum gesprochen soll Monsieur Croche farbiger, fröhlicher und umfangsreicher werden. Wo ich früher Monsieur Croche dazu manipulierte, um mir die Melancholie vom Leibe zu schreiben oder manchmal auch, um in ihr zu baden, war das Schreiben ein therapeutischer Selbstzweck. Ich möchte von dieser Form des Schreibens Abstand nehmen, zumal es einfach auch keine Notwendigkeit hierfür mehr gibt. Stattdessen möchte ich vermehrt unterhalten/informieren und einen Schritt weg von klassischen Croche-Themen wagen. Oberflächlich wird’s deswegen aber nicht – ach ihr werdet schon sehn…

As time goes on, you’ll understand. What lasts, lasts; what doesn’t, doesn’t. Time solves most things. And what time can’t solve, you have to solve yourself.

— Haruki Murakami, (via)