Orange Young: U hühne läss im Fall!

Es ist immer wieder amüsant, wenn Werbeagenturen den Jugendslang nachzuamen versuchen («Jetzt isch aber fertig Puff!»). Neuerdings hat sich Orange für ihr neues Produkt «Orange Young» daran versucht. Die Slogans sind natürlich unheimlich authentisch; man hört Jugendliche an jeder Strassenecke so sprechen.

Ich bin sicher, dass Orange Young noch viel besser ankommen würde, wenn man die Plakatreihe durch folgende Slogans ergänzen würde: «Simon findets hühne läss!» oder «Ruedi showt sich damit voll» und «Ueli sagt so gäch!»

Auf ein Neues

Für manche mag das vielleicht leicht schizophren wirken, nachdem ich erst gerade aufhören wollte, aber es ist so: Ich blogge weiter. Ich bin tatsächlich überdurchschnittlich sprunghaft. Am einen Tag sehe ich die Welt so und am andern Tag wiederum so. Nicht selten stört mich das und ich nehme mir dann jeweils vor, mein Leben in Zukunft ein wenig beständiger zu leben. Mich für etwas zu entscheiden und es dann durchzuziehen. Nun ja. Warum also mache ich hier weiter? Es fällt mir schwer, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Ich habe es ehrlich gesagt aufgegeben, danach zu finden. Internetsucht, Schreibsucht, Psychohygiene, Verwirklichung von Träumen oder gar Profilierungswahn. Egal. Ich mach einfach mal weiter und stopfe hier rein, was mir gerade in den Sinn kommt und was ich für Interessant halte.

Aus den Kleidern wachsen

Die Dinge ändern sich. Meist nicht von heute auf morgen, sondern viel eher langsam und kontinuierlich. Ähnlich langsam sickern auch Erkenntnisse durch. Während den letzten Wochen erkannte ich immer deutlicher, dass ich hier auf diesem Blog nicht mehr weitermachen kann und sollte. Mir wurde immer klarer, dass mir dieser Blog nicht gut tut. Er hindert mich daran, mich weiter zu entwickeln. Die Maske des «Monsieur Croche», welche ich mir hier überstülpe, zwingt mir immer wieder dieselben Gefühle auf oder lässt, um es mit andern Worten zu sagen, nur gewisse Gefühle zu.

Dies ist wohl auch eng verknüpft mit der Bedeutung, die die Figur des Monsieur Croche für mich hat; ich begann damals im Jahr 2005 unter selbigem Namen zu bloggen. Auf DRS2 hörte ich damals von Claude Debussy’s Monsieur Croche – ein Pseudonym, unter welchem Debussy bösartige Kommentare zu den Verhältnissen seiner Zeit verfasste. Ich liess mich davon inspirieren und begann ebenfalls in einer bitterbösen Art und Weise über die Dekadenz des zeitgenössischen Lebens zu schimpfen.

Rückblickend gesehen, war ich damals ein frustrierter, junger Mann. Mein Leben erschien mir wie eine einzige Aneinanderreihung bitterer Erfahrung. Klar: Es hätte schlimmer sein können, aber damals kam mir das nicht in den Sinn. Ich machte mir stattdessen einen Sport daraus, mir den Frust von der Seele zu schreiben. Wie ich irgendwann aber einmal erkennen musste, trug dies nur wenig zur Besserung bei, sondern verschlimmerte alles nur noch. Als Konsequenz daraus hörte ich auf mit dem Bloggen.

Ich zog dies trotz gelegentlichen Rückfällen lange erfolgreich durch; bis ich 2009 auf diesem Blog hier abermals zu schreiben begann. Mir ist rückblickend nicht mehr so genau klar, was mich wiederum unter demselben Pseudonym schreiben liess. Auf jeden Fall tat ich es damals, aus einer tief empfundenen Melancholie heraus; es kam mir so vor, als würde mir das Leben gewisse Erfahrungen vergönnen.

In der Zwischenzeit ist viel (Gutes) geschehen und wenn ich in klaren Momenten so darüber nachdenke, empfinde ich grosse Zufriedenheit. Was mir aber von all den Erfahrungen früherer Tage blieb, ist eine Art Phantomschmerz. Manche Tage befallen mich Gefühle des Unglücks oder ich verhalte mich griesgrämig, ohne dass es einen Grund dazu gäbe.

Möchte ich so sein? Nein! Ich möchte ein zufriedener und dankbarer Mensch sein und dies auch so im Alltag leben. In meinem Denken existieren aber immer noch viele Denk- und Verhaltensmuster, die daran hinderlich sind und mich ins Schema F zurückfallen lassen. Jemand meinte mal, dass solche, über Jahre hinweg praktizierten Verhaltensmuster, «Kerben» ins Hirn schnitzen würden und es einiger Anstrengungen und Übung bedürfe, um diese Kerben zu überwinden.

Auf jeden Fall will ich dies tun und eine der ersten Konsequenz davon ist, dass ich nicht mehr unter der Figur des Monsieur Croche schreiben kann und darf; zu sehr wirft mich das Schreiben unter diesem Pseudonym ins selbe Schema zurück.

Denjenigen unter euch, die ab und an dieses Geschwür der Schweizer Internetlandschaft lasen und kommentierten, möchte ich ganz herzlich danken! Es tat stets gut zu wissen, dass einige mochten, was ich so schrieb und zu erzählen wusste! Vermutlich werde ich irgendwo anders wieder einen Blog eröffnen, denn die Freude am Schreiben ist nicht gewichen. Ich weiss nur noch nicht wann und wo und zu welchem Thema. Wer dann auch wieder mitlesen möchte, kann mir ja per Twitter oder Mail kurz eine Nachricht schicken und ich würde mich dann wieder melden, wenn ich mehr weiss.

Bis dahin alles Liebe

Monsieur Croche

I’m just sick of ego, ego, ego. My own and everybody else’s. I’m sick of everybody that wants to get somewhere, do something distinguished and all, be somebody interesting. It’s disgusting.

— J.D. Salinger (via)

Atom-Ausstieg, now!

«Es wäre anmassend [...], wenn wir heute für alle zukünftigen Generationen entscheiden würden»

schreibt die FDP in einem Communiqué zum Bundesrats-Entscheid zur Energiepolitik und will damit einen Entscheid zum Verbot von neuen AKWs hinauszögern. Und während man das so liest, wundert man sich schon ein wenig über das rhetorische Ungeschick mancher Politiker. Würde man so denken, wie die Damen und Herren bei der FDP, dürfte man ja gar keinen politischen Entscheid mehr fällen, da man ja per se bei jedem Entscheid für künftige Generationen entscheidet. Aber egal.

Grund für das rhetorische Geschwurbel dürfte letztlich die gewiss unangenehme Position sein, in welcher sich die FDP befindet. Zum einen wäre da die Atomlobby, welche der Partei mächtig Druck machen dürfte und zum anderen wären da die nahenden Wahlen; es wäre zum jetztigen Zeitpunkt wohl fatal für die FDP, wenn ihr der Stempel einer atomfreundlichen Partei anhaften würde. Deshalb der Versuch, Zeit zu schinden, sich nicht festzulegen, niemandem zu missfallen. Aber das ist eben Politik. Und Geschwurbel ist ein fester Bestandteil davon.

Ich persönlich befürworte klar einen Ausstieg – ich bin fest davon überzeugt, dass er uns auf längerfristig viel bringen wird. Dabei denke ich nicht nur an die ökologischen Effekte (sofern wir auf den Bau von Gaskraftwerke verzichten!), sondern auch an die neuen Betätigungsfelder für die Wirtschaft, wenn wir hier aus einem Sachzwang heraus Pionierarbeit leisten und unsere Stromversorgung auf eine nachhaltige Basis umstrukturieren müssten (Grünes Schweizer Know-How für den Weltmarkt).

Am 8. Juni entscheidet indes der Nationalrat darüber, ob er dem Ausstiegspfad des Bundesrats folgen möchte. Und die Chancen dafür stehen gut! Das linke Lager wird mit seinen 64 Stimmen mit dabei sein. Weitere 10 kommen von GLP, BDP und EVP. Für eine Mehrheit im 200-köpfigen Parlament braucht es also noch knapp 30 zusätzliche Stimmen. Die CVP bringt es im Nationalrat auf 30. Nachdem CVP-Bundesrätin Leuthard nun zur «Ausstiegsministerin» geworden ist, dürfte in der CVP kaum jemand Interesse daran haben, sie in den Regen zu stellen – vielmehr will die Partei die Chance nutzen, um sich als ökologische Partei zu positionieren.

Die Chancen stehen also gut, dass ich am 8. Juni, ein klein wenig Stolz auf dieses Land sein werde!