Monsieur Croche

2. September 2010

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Neu im Bücherregal: Robert Skidelsky – Die Rückkehr des Meisters

Wie ein entfesselter Kapitalismus das weltweite Wirtschaftssystem beschädigen, wenn nicht gar ruinieren kann, war gerade zu besichtigen. Aber gibt es zu diesem System überhaupt Alternativen, und wie sehen sie aus?

John Maynard Keynes (1883-1946), der intelligenteste und einflussreichste Wirtschaftstheoretiker aller Zeiten, hat schon vor einem halben Jahrhundert darüber nachgedacht, und seine Analysen sind heute aktueller denn je. Sein berühmter Ausspruch: «Auf lange Sicht sind wir alle tot» kritisierte realitätsferne ökonomische Modelle, die unser Denken bestimmen und zu verheerendem Handeln führen. Keynes’ eigene Wirtschaftstheorie dagegen war nie ganz tot, selbst in Zeiten blinder Marktgläubigkeit blieben seine Ideen präsent. Denn die Grundgedanken seiner «Allgemeinen Theorie» zielen auf den Kern allen Wirtschaftens: «Niemand kennt die Zukunft». Auf diese Prämisse gründet Keynes’ Überzeugung von der «fundamentalen Unsicherheit» der globalen Finanzmärkte, die mit mathematischen Formeln nicht ausgehebelt werden kann. Wirtschaftskrisen sind nicht die grosse Ausnahme, sondern Teil der Marktwirtschaft. Wenn man den Markt aber sich selbst überlässt, können sie lange anhalten. Deswegen muss der Staat eingreifen. Vor allem aber ist Wirtschaft kein Selbstzweck. Sie hat, so Keynes, dem Menschen, dem guten Leben zu dienen.

Robert Skidelsky: Die Rückkehr des Meisters – Keynes für das 21. Jahrhundert. Kunstmann, München 2010. 304 S., ca. 32 Fr.
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