Monsieur Croche

21. Januar 2010

4 Comments

Mein kurzes Gastspiel bei Reutax

Manchmal, wenn sich auf meinem Konto wieder gähnende Leere breit zu machen beginnt, taucht diese unvermeidbare Frage auf; soll ich mir einen zusätzlichen Job suchen? Noch während ich mir diese Frage stelle, durchfährt mich meist ein Schaudern. Ich erinnere mich an meine letzte Festanstellung bei Reutax, die ich nach gerade einmal einem Monat gekündigt habe.

Rückblickend gesehen, bin ich ein wenig stolz auf mich, dass ich so konsequent gehandelt habe. Damals. Im letzten Sommer. Ich sollte Teilzeit als Werkstudent 40 Prozent arbeiten, bei einem Gehalt von zu Beginn 22.- und nach der Probezeit 25.- auf die Stunde. Im Grunde genommen angemessen für einen Studentenjob, obschon es auch nicht gerade viel war. Meine Tätigkeit bestand grosso modo darin, IT-Spezialisten zu finden, die temporär bei einem Kunden Projekte verrichten würden. Dazu klappert man eine Datenbank ab, sucht nach passenden Spezialisten und telefoniert sie alle durch. Wenn der Tag gut verläuft, findet man am Abend jemanden, der beim Projekt mitarbeiten möchte. Lief der Tag hingegen schlecht, tat man nichts Anderes, als immer wieder denselben Satz runterzuleiern: “Guten Tag hier ist Böhlimaa von der Firma Sowieso. Ich suche IT-Spezialisten, die sich mit Blabla-Programmierung auskennen…es geht um ein Projekt in Zürich, das 3 Monate dauert. Hätten sie Interesse?” Und dann war es natürlich wichtig, den Kunden für einen möglichst niedrigen Stundenlohn anzuheuern. Man sollte dann noch mit den Spezialisten verhandeln: “Ich kann ihnen dafür leider nur 100.- pro Stunde geben. Mehr ist der Kunde leider nicht bereit zu zahlen”.

Ich mag mich noch gut erinnern, wie ich nach einem solchen Arbeitstag völlig ausgelaugt und verschwitzt nach Hause kam und von gar nichts mehr etwas wissen wollte. Der Job frustrierte mich schon bald und die Tatsache, dass ich Montags arbeiten musste, konnte mir ein ganzes Wochenende vermiesen.

Dann, an einem dieser verhassten Montage, riss bei mir der Geduldfaden. Ich hatte von einem Vorgesetzten die Vorgabe erhalten, einen Spezialisten für 90.- pro Stunde anzuheuern. Das Glück schien mir an diesem Tag hold. Jedenfalls fand ich einen passenden Spezialisten, der jedoch nur bereit war, für über 110.- auf die Stunde zu arbeiten. Zu viel. Deshalb sagte ich dem Spezialisten ab. Eine in der Hackordnung weiter oben stehende Mitarbeiterin hörte dies und fragte schnippisch: “Warum hast du dem jetzt abgesagt?” Ich antwortete ihr, dass mir mein Vorgesetzter diese Limite von 90.- gesetzt hätte. “Neeeeein, das ist nur so, dass du das zuerst so probieren solltest. Jetzt ruf dem nochmals an und sag ihm es sei gut”. Etwas angeschissen rief ich den Spezialisten nochmals an und teilte ihm mit, dass es doch in Ordnung ginge. 110.- also.

Dann, ich wähnte mich im falschen Film, folgte wiederum eine giftelnde Belehrung: “Warum gibst du ihm nun 110? Du hättest ihm einfach mehr als 90 geben und ihn nehmen sollen”. Es wurde mir irgendwie zu dumm und ich fragte sie, weshalb sie sich nicht von Beginn weg klar ausdrücke. Ehe sie antworten konnte, trat der Chef dazwischen. Er wollte wissen, was hier los sei. Ich erklärte ihm, dass ich sicherlich nicht ein drittes Mal anrufen und mich zum Affen machen würde – nur weil sich meine Vorgesetzten nicht klar ausdrücken können. “Ruf nochmals an und sag dem jetzt einfach, dass der Kunde sich nochmals gemeldet hat und dass ihm 110.- doch zu viel seien”. “Wieso jetzt? Der Kunde hat das ja gar nicht gesagt?!” fragte ich etwas verdutzt. “Ja, aber du musst halt manchmal ein wenig flunkern in diesem Business”, meinte der Chef süffisant und schien sich dabei sehr in der Rolle des mit allen Wassern gewaschenen Verhandlungstyps zu gefallen.

Die Sache war für mich somit gelaufen. Ich dachte mir, dass die sich einen andern Dummen suchen sollen. Ich nahm den Hörer, sagte dem Typen, was der Chef mir vorgab, packte meine Sachen und ging nach Hause. Zwei Tage später schickte ich der Firma meine Kündigung.

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4 Responses to Mein kurzes Gastspiel bei Reutax

  1. Domi says:

    füscht verteile!

  2. Monsieur Croche says:

    Machsch das demfall au immer bi eu im Büro? ;)

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