Monsieur Croche

5. Oktober 2010

3 Comments

Maturfeier – war da etwas?

Vor ein paar Tagen las ich im Friday Magazin eine Reportage über einen Maturandenjahrgang, der seinen Abschluss in der alten Börse feierte. Auf den Fotografien sah’ ich viele schöne Menschen, die allem Anschein nach ihr Leben in vollen Zügen zu geniessen schienen. Wie mir die Reportage verriet, wurde deftig gefeiert, zünftig gesoffen und heftig gebaggert.

Vergleiche mit der eigenen Maturparty drängen sich auf. Wie war das damals vor vier Jahren nochmals? Damals in der Tiefe der Provinz. War das eine ausgelassene, geile und tolle Feier, an die man sich noch Jahre später erinnern würde? Nun ja, eigentlich eher nicht. Unser Jahrgang bestach vor allem irgendwie durch…ich muss lange nach einer Beschreibung suchen, aber ich glaube Stock-im-Arsch trifft es recht gut. So verwunderte es wohl nicht einmal den weltabgewandtesten Bauern vom Sternenberg, dass die Feier im Proll- und Provinzclub «Evita» so ziemlich eintönig und spiessig war. Das Highlight, welches ich mit diesem Abend in Verbindung bringe, habe ich bezeichnenderweise einem Spassti aus meiner Klasse zu verdanken, der einem Vollpfosten aus einer anderen Klasse seine Faust ins Gesicht drückte.

Aber natürlich, eigentlich wie immer, wenn ich von Dingen erzähle, die in der Vergangenheit liegen, urteile ich nicht ganz ehrlich. Also nochmals von vorne: War unsere Maturafeier wirklich so für’n Arsch? Vermutlich ja nicht. Denn das liegt halt immer auch im Auge des Betrachters und ich, naja ich hab’ diesen Abend irgendwie verhängt. Klar hätte ich gerne mit irgendeiner auf einem Sofa rumgemacht, aber dazu hätte ich etwas unternehmen müssen und was solche Dinge angeht, bin ich nicht so der geschäftige Unternehmertyp. Und vermutlich hab’ ich diese Maturfeier auch nur gerade deshalb als öde in Erinnerung, weil es mir damals eben nicht gelang, eine rumzukriegen und ich damit nicht meinen Vorstellungen von wilder Jugend, Party und Rock’n'Roll gerecht wurde.

Hört sich jetzt fast so an, als würde ich dieser Friday-Reportage alles aufs Wort glauben; so als ob dort nur schöne Schulabgänger gewesen wären. Solche, die das Leben stets verwöhnt hätte, denen alles auf Anhieb gelänge und die sorgenfrei und locker durchs Leben spazieren würden. Und solche, die an jenem Abend einfach das getan hätten, was sie eh schon jedes Wochenende in den angesagtesten Zürcher Clubs tun: Feiern und ungehemmt flirten. Nein, nein; so naiv bin nicht mal ich. Natürlich weiss ich, dass diese Reportage bewusst auf schikki-mikki Hochglanzglamour getrimmt ist, da jenes Magazin ja auch ein lässiges Glamour-Heftli ist und von solchen Storys lebt. Und natürlich hatte es dort in den düsteren Ecken des Clubs zuhauf irgendwelche Verlierer, die ein weiteres Mal leer ausgingen und sich ihren Frust von der Seele saufen mussten. Aber so what?

Die interessieren mich nicht und die tun mir weder Leid, noch tröstet mich ihr Schicksal. Fakt ist, dass bei mir das, was ich gerne wäre, nicht mit dem was ich bin übereinstimmt und genau dies pisst mich dann letztendlich an. Und im Kontext dessen erscheint mir fast alles, was in der Vergangenheit geschehen ist, unbedeutend, monoton und langweilig – kurzum: Es war vergeudete Zeit. Vergeudete Zeit deshalb, weil ich nichts tat und stattdessen mein eigenes Unvermögen bejammerte. Damit ich die jetzige Zeit im späteren Rückblick nicht ebenfalls vergeudete ist, muss sich also etwas ändern: Tu was, ey! Gopferdammisiechnoemale!

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3 Responses to Maturfeier – war da etwas?

  1. Andreas says:

    :D
    guter Artikel!
    geile Schnegga auf dem Foto, hahaha^^
    am besten ist aber der Fame-Hascher im Hintergrund:D
    Generation MTV for the win :D :D :D

  2. madame says:

    1. unsere Maturareise war….ehem…irgendwie öde. Was an sich beeindruckend ist, denn wir fuhren nach Berlin.

    2. Ich bin auch zu uncool fürs wilde feiern. Oder sagen wirs so: nachdem ich an meiner letzten wilden Nacht sehgeschädigt aus dem Strobolicht stolperte, um 4 Uhr morgens allein (!?) mit dem Taxi heimfuhr und kaum übers Gartentörli gekommen dem Hund meiner Oma fast ins Gesicht kotzte, dachte ich, vielleicht ist das einfach nicht mein Ding.
    Oder aber ich wurde jahrelang betrogen in meiner Vodkaerfahrung, denn als ich in Rumänien Importware aus St.Petersburg schlürfte, sank meine Verträglichkeitsquote rapide von 1l zu 4dl….

    3. “Damit ich die jetzige Zeit im späteren Rückblick nicht ebenfalls vergeudete ist, muss sich also etwas ändern: Tu was, ey! Gopferdammisiechnoemale!” – unterschrieben!
    ich bin ein langweilliger doofer Mensch, der die meiste Zeit daheim vor dem PC verbringt und mit seinem Leben nichts anfängt. I need some hobbies…

  3. Monsieur Croche says:

    Ja, Berlin kann täuschen. Ist schon ok, die Stadt, aber irgendwie halt doch nicht so, wie man es sich vorstellt. Ging mir damals zumindest so. Ich find’ dich weder langweilig noch doof, was du schreibst ist ziemlich toll und interessant :) Du liest ja..Bücher können auch ein Hobby sein ;) Und immerhin, du erkennst bereits mit 17, dass du etwas mit deinem Leben anfangen musst, bei mir brauchte es leider deren 24 Lenze, bis mir das klar geworden ist haha

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