Monsieur Croche

5. Dezember 2011

Leave a comment

Machtgebaren: 20Minuten verklagt kleine Monatszeitung

Wenn ein Unternehmen das Konkurrenzunternehmen wegen Produktimitation oder Markenrechtsverletzung verklagt, so ist dies verständlich und rechtens. Wenn ein grosser Zeitungsverlag eine kleine, hauptsächlich von Studenten (privat) getragene Monatszeitung verklagt, so lässt dies einen befremdet und schüttelnden Kopfes zurück. Was ist geschehen?

Am letzten Freitag verteilten die Redakteure der Mitmachzeitung dieperspektive ihre neuste Edition vor den Ausgabeboxen der Pendlerzeitung 20 Minuten. Der Stein des Anstosses für die Tamedia, Herausgeberin von 20 Minuten: dieperspektive hat sich für sein Layout bei 20 Minuten bedient. Dies jedoch nicht ohne Grund, denn die Monatszeitung wollte mit der aktuellen Ausgabe die Copy-Paste-Problematik thematisieren. Dabei ging es dieperspektive laut Redaktor Simon Jacoby gar nicht um Kritik an 20 Minuten oder an Pendlerzeitungen insgesamt. Das Monatsmagazin hätte damit ganz generell auf die Probleme mit Copy-Paste an der Uni, in der Kunst und halt eben auch im Journalismus aufmerksam machen wollen.

Bei 20 Minuten bzw. Tamedia sorgte das studentische Ansinnen jedoch für rote Köpfe. Eine Strafanzeige gegen das Kleinblatt ging heute raus.

Während die dieperspektive bei 20 Minuten für rote Köpfe sorgt, löst 20 Minuten bei mir Kopfschütteln aus. Vor allem wenn ich das Verhalten von 20 Minuten-Geschäftsführer Marcel Kohler einmal näher betrachte. In einem Telefongespräch mit Jacoby hätte dieser gefragt, ob er (Jacoby) auch einer von denen sei, die gerne 20 Minuten lesen, es aber nicht mit ihrem Stolz vereinbaren können. Es kommt mir eher so vor, als sei Kohler in seinem  Journalistenstolz gekränkt, da man sein Blatt mit Copy-Paste in Verbindung gebracht hatte. Mag sein, dass Kohler auch deshalb die Macher von dieperspektive als «Schlaumeier und Weltverbesserer» verhöhnte.

Ich versuche mir ernsthaft zu erklären, was 20 Minuten zu so einer aggressiven Gangart veranlasst hat. dieperspektive ist ja nicht im Entferntesten ein Konkurrent der Pendlerzeitung. Erstere mit einer Auflage von täglich weit über 1 Million und Letztere mit monatlich knapp 5’000 Stück. Wollte 20 Minuten einfach ein Exempel statuieren? Möglich wär’s. Oder sind niedere Motive mit im Spiel. Verletzter Stolz, der mit einer Machtdemonstration abgegolten werden muss? Möglich wär’s.

Wie dem auch sei – vielleicht schenkt der Samichlaus morgen den gehässigen Mannen an der Werdstrasse ja etwas Schönes, worüber sie sich dann freuen können. Und vielleicht reagieren sie beim nächsten Mal mit etwas mehr Humor und Gelassenheit auf einen offensichtlichen Gag einer Handvoll Studierender. Oder vielleicht lassen sie die Klage ja sogar fallen. Zu hoffen ist’s. Wer dieperspektive moralisch unterstützen will, kann dies auf der speziell dafür eingerichteten Facebook-Gruppe tun. Toll wär’s auf jeden Fall. Auch wenn ihr, liebe Mitblogger, die Geschichte ein wenig verbreiten würdet.

Dir gefällt dieser Beitrag? Dann werde doch Fan meines Blogs auf Facebook :)

This entry was posted in Journalismus and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>