Kleiner Bloggerfreuden
Es ist schon einige Tage her, seitdem mir eine grosse Ehre – wie ich es empfinde – zuteil wurde. Eigentlich wollte ich schon früher darüber schreiben, doch die Uni und die zahlreichen Wohnungsbesichtigungen liessen mir kaum Luft, um mich ein wenig dem Schreiben zu widmen. Nun, worüber ich eigentlich schreiben wollte; in der Blogbibliothek wurde einer meiner Texte aufgenommen. Es ehrt und freut mich deshalb, weil nur ausgewählte Texte in die Blogbibliothek aufgenommen werden.
So oder so finde ich die Blogbibliothek eine gute Sache. Man hat so die Möglichkeit neue Blogs kennenzulernen und auf Texte zu stossen, die berühren. Deshalb ist es mir auch ein Anliegen die Blogbibliothek ein wenig bekannter zu machen. Der von mir sehr geschätzte Thinkabout, seines Zeichens Mitinitiator der Blogbibliothek hat sich die Zeit genommen, mir einige Fragen über Herkunft und Idee der Blogbibliothek zu beantworten:
Wie ist die Blogbibliothek entstanden?
Eigentlich hatten wir den Traum, Bloglesungen veranstalten zu können. Es gibt in Deutschland ein paar wenige Zirkel, in denen das einigermassen funktioniert. Unsere Szene ist aber eindeutig zu klein, glauben wir – dazu kommt, dass längst nicht jeder Blogger, dessen Texte das Zeug dazu hätten, auch gut vorliest – oder das überhaupt nicht will. Und gibt es dafür ein Publikum? Aber Leser gibt es, davon war ich überzeugt. Und daraus entstand die Idee, eine virtuelle Bibliothek einzurichten, die Texte aus Blogs sammelt und mit dieser Auswahl diese Blogs auch gleich vorstellt – und Lust macht, vor Ort mehr davon kennen zu lernen.
Was ist euer Ziel?
Dazu gehört meine persönliche Geschichte: Vor meiner Studienwahl traf ich ein paar Entscheidungen, und die richteten sich gegen meine innersten Interessen und berücksichtigten vorausschauend, dass ich auf keinen Fall Lehrer werden wollte. Also kam Germanist irgendwie nicht in Frage, und Philosophie schien mir auch nicht geeignet, auch nur schon eine Frau ernähren zu wollen. Zeitgleich schrieb ich zwar noch Tagebuch, aber immer mehr mit der Überzeugung, dass das alles nichts taugte. Also stelle ich mein Schreiben ein, und entdeckte es erst wieder zwanzig Jahre später, als es Zeit war, die zweite Lebenshälfte in Angriff zu nehmen. Und ich weiss: Hätte es damals Blogs gegeben, ich hätte nie mit Schreiben aufgehört. Und ein ganz persönliches Ziel ist es denn auch, dass wir junge und alte Talente ermutigen können, beim Schreiben zu bleiben. Schreibtalente sind oft keine Verkäufertypen und wollen und sollen auch keine Energie damit verpuffen, sich vernetzen und verlinken zu müssen im Internet: Die Blogbibliothek will ihnen dabei helfen und Blogger mit einander bekannt machen – und Lesern Blogs schmackhaft machen.
Gerade Internetgänger, welche Blogs nicht kennen oder finden, da wäre eh nur Schrott zu finden, sollen in die Blogbibliothek sitzen können, als würden sie ein Lesebuch aufmachen – und einfach mit Schmökern beginnen.
Wichtig war uns noch etwas:
Wir wollen keinen Traffic von den Seiten absaugen, wir wollen neuen hinleiten. Darum ist jeder Text mehrfach auf seinen Ursprung verlinkt.
Das gelingt alles nicht schlecht, auch wenn es keine hohen Wellen wirft. Aber ich stelle immer wieder in Blogrolls fest, dass da neue Namen auftauchen, welche ganz eindeutig in der Blogbibliothek entdeckt wurden. Es entstehen auch persönliche Kontakte unter Blogbibliotheksgängern im Hintergrund, unter Autoren, und wir haben einen wunderbaren Mix von der bloggenden Hausfrau, über den Verkehrsminister bis zum bestandenen Autor. Und das soll so weitergehen und nur an der deutschen Sprachgrenze Halt machen.
Es kommt sehr selten vor, dass ein Blogger eine Anfrage nicht beantwortet, und Absagen habe ich bisher eine einzige gekriegt.
Auch wird uns mittlerweile geglaubt, dass wir keine wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Die meisten Blogger sind aber auch Individualisten, und man darf nicht erwarten, dass sie sich jetzt auf das Projekt stürzen würden. Im ersten Jahr allerdings war mir auch wichtig, dass die Akzeptanz der Texte aus einer Hand kam, damit ein qualittativer Faden in die Geschichte kam – darüber lässt sich immer diskutieren. Womit wir bei einem weiteren Prinzip sind:
Wir wollten in keinem Fall ein automatisiertes Aufschaltungsverfahren – und auch keine Bewertungsmöglichkeit durch Leser. Wir wollen Vielfalt und wir entscheiden redaktionell. Das bedeutet, dass wir manchmal auch nein sagen. Und dann obliegt es mir, dem Scout zu schreiben, warum wir den empfohlenen Text, der auch von ihm selbst stammen kann, nicht veröffentlichen. Das ist oft eine Herausforderung, im Resultat aber sehr oft sehr befriedigend, weil sich die Adressaten eigentlich immer ernst genommen fühlen.
Das einzige, was unbefriedigend funktioniert bis jetzt ist folgendes:
Das Projekt ist ganz bewusst “offen” angelegt: Es entscheiden am Ende die User, wie lebendig es wird. Nach unserer Absicht wären das vor allem die Leser: Bei uns kann jeder einen Textvorschlag eingeben, über den Button “Text vorschlagen” – und damit als Leser Blogs empfehlen oder die Blogbibliothek mit gestalten. So, wie in der Gemeindebibliothek Wünsche für Neuaufnahmen gemacht werden können, aber eben viel dynamischer weil virtuell. Und dieses Angebot wird wenig genutzt. Auf jeden Fall ist die Liste der Blogscouts viel kürzer als jene der Blogger. Und das finde ich persönlich schade. Wahrscheinlich liegt es aber daran, dass man zwar anonym empfehlen kann, aber doch in einen Dialog mit uns treten muss. Aber dieses Minimum an Kommunikation und Verbindung wollen wir in jedem Fall pflegen.
Auf der Seite findest Du hinter Buttons wie “Philosophie” und “Hausordnung” noch viele weitere Informationen. Fast zu viele, fürchte ich…
Wie war das Feedback aus der Blogosphäre oder gar aus den Medien?
Es gab in der Anfangsphase viele online-Portale, auch von I-Net-Sendungen von Fernsehkanälen z.B., die darüber kurz berichtet haben. Seither ist es aber ruhig geworden, und wir werben auch nicht: Das bedeutet sofort viel Aufwand und auch Geld. Es ist eines, die Infrastruktur zu stellen und die Arbeit – aber selbst noch mehr Geld in die Hand zu nehmen? Nein. Wenn es hier zu einer Entwicklung kommt, dann deshalb, weil es User und Blogger und Leser gibt, welche sich anstecken lassen und das Projekt weiter tragen.
Und sei es nur, dass man am Mittagstisch sagt: Du kennst Blogs nicht? Schau doch mal nach auf blogbibliothek.ch.
Es ist alles offen, lieber Pascal. Klaus Jarchow hat mal spasseshalber gemeint, wir wären mal was Sinnvolles für den Grimme-Award. Aber gemach. Ich glaube, wir sind ziemlich genau dort, wo wir uns selbst auch eingeschätzt haben, Roman und ich, zu Beginn. Und das Portal ist so angelegt, nach allen Seiten offen, dass wir uns alle laufend überraschen lassen können.
Im Grossen Ganzen ist es so, wie ich es mir Wünsche: Es ist ein Angebot mit Potential, ich habe ein bisschen Arbeit damit, aber die ist oft auch inspirierend. Ich habe auch Hilfe – und das ganze Projekt profitiert auch von einer Riesenarbeit, die Roman zu Beginn geleistet hat: Denn er hat die ganze Kiste aus dem Boden gestammt, sprich, alles eigenhändig programmiert. Für nichts mehr als den Spass an der Freude.
Genau so hat Caro sich für das Design engagiert, wenn sie sich mittlerweile auch zurück gezogen hat – es bleibt ihr wichtiger Beitrag, denn sie hat umgesetzt, was mir wichtig war:
Auf der Seite soll nichts vom Lesen ablenken. Bei uns ist der gelesene Satz das Spektakel. Genau so, als hätte man eine Buchseite vor sich.
One Response to Kleiner Bloggerfreuden
Menschenskind, da habe ich aber viel zu erzählen gewusst! Verkürzt übersetzt bedeutet es inhaltlich:
Wenn Ihr Lust habt, dann schreibt drauflos.
Wenn Ihr Lust aufs Lesen habt, dann immer nur zu.
Und beides gerne in Blogs.
Dabei will die Blogbibliothek helfen.
Punkt.
Ich habe fertig.