Gerechtigkeit
Auf der Strasse sah Nasreddin einige kleine Jungen, die eine Tüte mit Nüssen unter sich aufteilen wollten. Da sie nicht herausbekamen, wie sie die Nüsse untereinander gleichmässig aufteilen konnten, baten sie Nasreddin, ihnen dabei zu helfen.
“Ich helfe euch gerne”, sagte Nasreddin Hodscha. “Nur sagt mir bitte, ob ich die Nüsse unter euch aufteilen soll, wie Gott sie teilt, oder ob ich sie euch geben soll, wie ein vernünftiger Mensch sie gibt!”
Da riefen die Kinder einhellig, er solle die Nüsse verteilen, wie Gott sie verteilen würde.
Der Hodscha nahm die Tüte und gab einem Jungen fast alle Nüsse, den anderen Kindern legte er nur je eine Nuss in die Hand.
Da fragte ein Junge entrüstet, warum der Hodscha nicht allen Kindern die gleiche Anzahl gegeben habe. Nasreddin antwortete: “Ihr wolltet, dass ich euch gebe, wie Gott geben würde. Von Gott erhalten einige Menschen viel, andere Menschen etwas und manche gar nichts!” Dann erhob Nasreddin sein Gesicht zum Himmel und rief: “Oh Gott, höre mir gut zu: Ich habe keinen Einwand gegen deine Art zu teilen gehabt. Aber du siehst ja selber, dass sogar diese kleinen Jungen mit deiner Art zu geben nicht einverstanden sind!”
Aus 101 Geschichten von Nasreddin Hodscha
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