Monsieur Croche

3. Mai 2010

5 Comments

Geburtstage

Wir warten eigentlich alle jeden Tag, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde auf den Tod. So gesehen ist auch das Feiern des eigenen Geburtstages etwas Absurdes, feiert man doch die Tatsache, dass man eben in der Zwischenzeit 365 Tage näher vor dem Zeitpunkt X steht. Mein eigener Geburtstag, vor einigen Tagen war es der vierundzwanzigste, bedeutet mir daher nicht sonderlich viel. Wenn es gut geht. Wenn es weniger gut geht bietet er mir Gelegenheit, um über die eigene Vergänglichkeit trauern.

Das ist die eine Sichtweise. Eine beschränkte, wenn man so will. Denn eigentlich feiert man anlässlich eines Geburtstages ja die Existenz des Jubilars, sprich, andere Menschen drücken ihre Freude über die Existenz des Jubilars aus. Dies ist eine Sichtweise, zu der ich lange Zeit nicht fähig sein konnte oder wollte. Sie erschloss sich mir erst im Verlaufe der jüngsten Zeit. Und ich bin froh um sie.

Der eigene Geburtstag…er stellt für mich sodann auch einen Anlass dar, um auf das eigene Leben zurückzublicken. Auf dessen Entwicklung. In diesen Tagen fällt es mir schwer zu behaupten, dass es nicht grundsätzlich viele positive Wendungen genommen hätte. Es fällt mir tatsächlich immer leichter, Negatives anzuprangern, als Freude über Positives Ausdruck zu verleihen. So als ob da in mir etwas leiden wolle.

Möglicherweise durchlebe ich auch gerade die beste Zeit meines Lebens, ohne mir dessen überhaupt so richtig bewusst zu sein. Ich studiere, habe verhältnismässig viel Freizeit, genügend Geld im Portemonnee, trage kaum Verantwortung, habe fast keine Verpflichtungen, liebe und werde geliebt. Vor dem was da in der Zukunft kommen mag, graut mir.

Ich möchte nicht «erwachsen» werden. Möchte auf immer studieren – möchte, dass es so bleibt. Denn was wird mir die Zukunft schon bringen? Die Dinge werden kaum einfacher. Viele Frustrationen werden auf mich zukommen. Es beginnt nur schon alleine beim Berufseinstieg und mit der damit verbundenen Unterordnung unter einen – womöglich grenzdebilen und austauschbaren – Vorgesetzten. Es folgt das Altern, der täglich beobachtbare Verfall des eigenen Körpers und der zwecklose Kampf dagegen. Der Tod der eigenen Eltern und schliesslich irgendwann der eigene Tod, mit dem, man mag es auch so sehen, die Frustrationen wenigstens endlich aufhören.

Es ist nicht so, dass ich nicht gerne lebe. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich möchte bloss, dass es so bleibt. Für immer. Denn es ist nicht die Angst vor dem Tode selbst, es ist der Weg dorthin, der mich beängstigt.

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5 Responses to Geburtstage

  1. sarah says:

    ich habe mich gerade gestern gefragt, warum wir menschen oft so unbewusst leben, obwohl wir als eines der wenigen lebewesen im bewusstsein leben, dass wir sterben.
    eigentlich müssten wir doch unsere zeit viel intensiver geniessen, als meine katze. und doch dünkt es mich, dass es meist anders rum ist.
    ich habe keine angst vor dem weg zum tod. aber das liegt vielleicht auch an meinen zukunftsplänen, hehehe
    und ja: die zeit als studi habe ich herrlich in erinnerung – und vermissse sie immer wieder. geniesse sie also doppelt!

  2. Monsieur Croche says:

    Ich weiss halt nicht, ob das so erstrebenswert ist. Würde ja auch bedeuten, dass man ständig an den Tod denkt, bzw. an die eigene Endlichkeit. Darum schätze ich es auf eine bestimmte Art und Weise noch, wenn ich in der Hektik des Alltags gefangen bin und nicht zu oft zum Nachdenken komme. Aber ja, die Zeit jetzt werde ich bestmöglich zu geniessen versuchen!

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  4. sarah says:

    ich meine damit ja nicht, dass ich jeden tag daran denke, dass ich sterben werde. eher ist es so, dass ich gar nicht daran denke, sondern einfach nur versuche, meine zeit hier zu geniessen. das hat nix mit endzeitstimmung zu tun oder so.

  5. Pingback: Monsieur Croche: «Zeiten ändern dich»

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