Fertig Puff im Fall!
Die Stadt Zürich unternimmt etwas gegen Jugendgewalt. Eine gute Sache, wie ich finde, denn manches läuft hier tatsächlich ein wenig aus dem Ruder. Aber was genau tut die Stadt dagegen? Nun ja, sie «zeigt Flagge» und lässt alle gewalttätigen Jugendlichen wissen, dass jetzt aber «Fertig Puff» sei. Die Stadt tut dies mit Plakaten und Flaggen, die diese Tage überall gut sichtbar zu finden sind. Auf der Kampagnen-Webseite gibt’s sogar ein Themensong, welcher mit äusserst «fetten Rhymes» punktet, wie zum Beispiel «Du wettsch prügle? Denn muesch zügle!».
Aber mal ehrlich: Ich zweifle ziemlich stark an der Effektivität dieser Kampagne. Die Idee ist ja gut und recht und es ist toll, dass da endlich einmal etwas geht. Aber «Fertig Puff»?! Dieser Slogan ist total schwach und ich kann mir gut vorstellen, dass jene, wegen denen diese Kampagne überhaupt erst ins Leben gerufen worden ist, sich mit Genuss lustig über dieses «Fertig Puff» machen werden. Weshalb? Weil es bieder, brav und bünzlig ist. «Fertig Puff» geht in dieselbe Richtung wie «Gwalt isch feig!» – ein Slogan aus einer älteren Kampagne. Zieht einfach nicht sowas. Oder denken die Macher der Kampagne, dass die Aus-Langeweile-Prügler sich plötzlich sagen «Nei, hüt klatschemer niemert abe, wil es isch fertig Puff»?!
In meinen Augen ist es gut, dass die Stadt etwas unternimmt. Aber der Slogan hätte ein anderer sein müssen. Er müsste klar, direkt und unmissverständlich sein. Zum Beispiel «Ich toleriere keine Gewalt. Gewalt ist beschissen». Es bringt nichts eine Kampagne zu starten, welche die Jugend ansprechen möchte, aber nicht ihre Sprache, sondern die Sprache irgendwelcher Schreibtischtäter spricht. Soweit meine zwei Cents zum Puff.
Ähnlich sieht man es übrigens auch auf der Blogwiese oder dem Noiconblog
This entry was posted in Der Rest, Politik and tagged Fertig Puff, Jugend, Jugendgewalt, Kampagnen, Kommentar, Politik, Stadt Zürich. Bookmark the permalink.
18 Responses to Fertig Puff im Fall!
Pingback: Tweets that mention Monsieur Croche» Blogarchiv » Fertig Puff im Fall! -- Topsy.com
ich fand den song total lächerlich. und wenn ich “fertig puff” sagen würde, dann in diesen worten: *he figg mich ned a”. aber wie gesagt, ich gehör ja nicht zur zielgruppe -)
Der Song ist schon fast Realsatire irgendwie. In den 80er Jahren sprach die Jugend vielleicht so, wie in diesem Song. «Jetzt isch aber würklich fertig puff» «Du hesch mini Mum verfluecht» «Du luegsch mich so doof a» «Ich pfiife druf, jetzt isch aber fertig Puff». Hat irgendwie wenig Realitätsbezug, aber was soll’s
wenn möchtegernjunge etwas für junge tun, klingt es wohl so
schad, dass ich nöd in Züri bin. Würdi gern gseh
aber der typ ist zumindest schnuggelig
es isch eifach en extrem idealistischi Kampagne.
Sie hoffed druf, dass sichs bewustsii so spontan ändert.
derbi söttes en kampgange mache, won der lüt, won öbbis gege “Jugendgwalt” händ, tools id hand liferet, zum öbbis dergege zmache.
hilfestellig zur soziale moral!
ala “wenn du gewalt beobachtest, sprich umstehende an, dass ihr zusammen das ganze unterbinden könnt”
(dialektischer) materialismus aproach ftw
Mag sein, wobei ich halt nicht so recht an eine Bewusstseinsänderung der Aus-Langeweile-Prügler glaube. Dort ist ja mitunter meist eine Gruppendynamik dafür verantwortlich, dass zugeschlagen wird und ein Umfeld, indem das Verprügeln anderer als ein Leistungsausweis gilt. Die Einstellungen in einem solchen Umfeld zu verändern ist imho sehr schwer, weil da wohl psychisch recht viel bereits gestört ist. Und ja, die Kampagne soll während zweier Wochen laufen…was erreicht man bitteschön während zweier Wochen? Ich kenn’ mich mit solchen Dingen ja nicht aus, aber es kommt mir fast ein wenig so vor, als wolle die Stadt der (verängstigten) Bevölkerung mitteilen, dass das Problem erkannt ist und man etwas dagegen unternehmen will. Eine Imagekampagne oder so. Denn mit zwei Wochen «Fertig Puff» wird des Problems wohl kaum Herr.
Ohje was werden die ganzen deutschen Ärzte denken die wir importiert haben!
“Fertig Puff?!”, “Oh nein”, werden sie denken, “was tue ich jetzt nur gegen meine Einsamkeit, denn meine Frau und Kinder sind ja noch in Hamburg (oder so)!”
> Das war keine Anspielung darauf, dass alle deutschen ‘Gastarbeiter’ (wie wir die Jugos früher nannten) ins Puff gehen. Aber nicht Mundartler und schon einige jüngere Bürschtlis kapieren das heutzutage doch nicht mehr, was der Schweizer mit ‘Puff’ meint!
Doch doch, das ist schon richtig so, das sind doch alles dieselben Mistkerle
Ja, vermutlich denken die sich alle “Nein monn, jetzt chömer nüme in Puff ga, isch fertig Puff!” haha
Das wäre ziemlich traurig, aber die eigentliche Tragik an der Sache ist, dass man das realistisch in Betracht ziehen könnte…
nana, da hast du wohl schon ein wenig ein negatives männerbild…es geht sicherlich nicht jeder mann ins puff. eher bloss so ungefähr jeder zweite
Der Slogan ist wirklich etwas altbacken (und der Song peinlich und schulmeisterlich). Vielleicht sollten sie gar nicht erst versuchen, einen auf cool machen zu wollen, sondern ganz unaufgeregt zwei, drei klare Worte wählen. Allerdings: Können diese Prügelknaben überhaupt lesen?
Letzten Endes ist eine so breit gestreute Kampagne auch Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit, denn wesentlich effizienter wäre es ja, punktuell diese «gesellschaftlichen Eiterbeulen» auszudrücken. Aber offensichtlich will man nicht wissen, wer zu den latenten Prügelknaben gehört…
Genauso ist es mit den Massnahmen: Glaubt jemand wirklich ernsthaft daran, dass man mit dieser Kampagne das Gewaltpotential dieser Jugendlichen eliminiert? Mit einem Fähnli löst sich das nämlich nicht in Luft auf…
Ich seh’ das genauso. Vermutlich hat diese Kampagne mehr Symbolcharakter als irgendwas sonst. Naja, immerhin wird die Sache nicht mehr kleingeredet, wie vor ein paar Jahren noch und die an den Schalthebeln scheinen bemerkt zu haben, dass da wirklich etwas ein wenig aus dem Ruder läuft…
Ja, das Thema wird inzwischen ernst genommen. Leider tendieren diejenigen, welche an den Schalthebeln sitzen, in solchen Situationen dann gleich zu unverhältnismässigen Reaktionen, welche einer Kollektivstrafe gleich kommen können. Nur weil irgendwo ein Unkraut aus dem Boden spriest, muss man deswegen nicht gleich den ganzen Rasen um 5 mm kürzen…
War mal wieder viel Aufregung um Nichts auf diesem Blog
Wie auf der Webseite des Urhebers dieser Kampagne zu lesen ist (http://www.rod.ag/new_work/01_a29.php) war das Ziel dieser Kampagne lediglich “dass sich die Bevölkerung von Zürich sicher fühlt. Eine Kampagne soll die initiierten Projekte in Prävention, Konfliktbewältigung und Repression der Bevölkerung verdeutlichen.”
Also nix von wegen Belehrung der Ewigprügelnden. Wobei der Name der Kampagne trotzdem schräg ist. In diesem Sinne fertig «Fertig Puff!» auf diesem Blog
Bloss von sicher-fühlen ist hier aber in keinem Wort die Rede:
http://www.migrosmagazin.ch/index.cfm?id=40648
Ja, ich denke auch nicht, dass sich die Leute jetzt deswegen sicherer fühlen werden, bloss weil jene, die prügeln wollen, zügeln müssen. Klar, man kann’s positiv sehen; die Stadt hat das Problem erkannt und will es angehen, aber bis sich konkrete Resultate zeigen, wird es wohl noch eine Weile dauern, denn die Auslöser der Jugendgewalt liegen ja ziemlich tief unter der Oberfläche begraben.
Pingback: Monsieur Croche: «Orange Young: U hühne läss im Fall!»