Endlich: Wir haben eine Wohnung in Zürich!!
Die Suche nach einer Wohnung in Zürich fand plötzlich und ohne vorherige Anzeichen ein glückliches Ende; zu dritt beziehen wir in wenigen Tagen eine 4-Zimmerwohnung im Zürcher Judenviertel. Der Preis für die Wohnung ist gänzlich unjüdisch – für die knapp 92 Quadratmeter bezahlen wir lediglich 2100 Franken.
Ehrlich gesagt, hatte ich in letzter Zeit die Hoffnung langsam aber sicher aufgegeben, dass wir in Zürich jemals eine Wohnung bekommen würden. Denn seit dem Dezember bewarben wir uns Woche über Woche für Wohnungen, die wir schlussendlich dann doch nicht bekamen. Unser Bewerbungsdossier war professionell, das erlaube ich mir gänzlich unbescheiden festzustellen. Ein Portrait von uns dreien, persönliche Daten, Bürgschaft der Eltern und Betreibungsregisterauszüge. Allesamt sorgfältig in ein Schnellheft abgelegt und per C4-Kuvert versendet. Und doch kamen Woche für Woche lediglich Briefe zurück, in denen man uns beschied, dass «wir uns leider für einen anderen Interessenten entschieden haben» oder sich latent über uns lustig machte.
Krönung dieser fast täglichen Frustrationen bildete ein frisch renovierter Altbau-Block in Wiedikon. Wir bewarben uns einzeln für jede der fünf freistehenden Wohnungen — aber natürlich folgten auch hierauf fünf einzelne Absagen.
Es gibt einem zu denken und man beginnt sich ab einem gewissen Punkt diskriminiert zu fühlen. Bonzen und Yuppies immer, Studenten nimmer. So kommt es mir vor. Bestätigt hat dies uns auch eine Mitarbeiterin einer Wohnungsvermittlungsagentur. Sie sagte, dass in der Zürcher Innenstadt derzeit immer mehr Wohnungen bloss noch an Wohlhabende vermietet werden, während Studenten, junge Familien oder weniger Wohlhabende praktisch keine Chance hätten und sich die Situation für sie erst wieder in den Aussenquartieren wie Örlikon, Seebach oder Affoltern verbessern würde.
Eigentlich habe ich keinen Grund mich zu beklagen. Wir haben endlich eine Wohnung bekommen, die preislich weit unter dem stadtweiten Durchschnitt liegt. Und ich freue mich auch darüber. Nur habe ich gewisse Entwicklungen in der Stadt festgestellt, die mich ein wenig besorgen und die ich zum Ausdruck bringen möchte. Ich frage mich einfach, wie die gegenwärtige Entwicklung mit steigenden Wohnungspreisen und bevorzugter Behandlung von Yuppies/Dinks das Stadtbild verändern wird.
Gerade aktuell zum Thema:
- «Die Aufwertung des Niederdorfes hat die Bevölkerung verändert», Tages-Anzeiger 30.03.2010
- «Mit schäbigen Tricks auf Wohnungssuche», 20 Minuten Online 31.03.2010








6 Responses to Endlich: Wir haben eine Wohnung in Zürich!!
Also ich hab EINE Wohnung besichtigt, mich dort beworben und das Ding bekommen
Im vollen Ernst?! Dann hat es wohl tatsächlich damit zu tun, dass wir einfach ziemlich unsympathische Typen sind, die niemand als seine Mieter haben möchte
Wo ist denn deine Wohnung? Und wohnst nur du alleine drin? Ich glaube, dass es einfach speziell schwierig ist eine Wohnung für eine WG zu bekommen. Viele Vorurteile und so seitens der Vermieter. Vor allem dann, wenn die WG aus spätpubertären Männern bestehen soll.
Das unsympathisch kann ich nicht beurteilen, aber ich bin mir sicher, dass die Tatsachen, dass ihr jung, männlich und zu Dritt seid, einen Nachteil z.B. mir gegenüber darstellen. Ok, jung bin ich auch (unsympathisch auch, aber das kann ich auf ein Minimum reduzieren), aber ich bin weiblich und allein.
Die Wohnung ist an der Badenerstrasse (ziemlich weit hinten, Nähe Lindenplatz) und ich zahle 920 für rund 28 Quadratmeter, was auch im humanen Bereich ist, zumal die Wohnung vor 2 Jahren renoviert wurde, über einen Balkon von 7m2 verfügt und die Küche in einem abgetrennten Raum ist.
Glaub mir: Wir sind unsympathisch
Aber eben, das können wir halt auch für einige Minuten unterdrücken und nett sein. Dementsprechend sollte das nicht unbedingt das grösste Problem gewesen sein. Schon halt eben eher, jung, männlich, zu dritt und dumm.
Wohnst du bewusst alleine oder ging es nicht anders? Ich wohnte jetzt während zwei Jahren alleine und irgendwie fühlte ich mich so auf Dauer zu einsam…
Es ist eine Kombination aus freiwillig und unfreiwillig. Eine WG mit Freundinnen wäre mir auf Dauer zu anstrengend und würde wohl auch die Freundschaft kaputt machen. Und zu “Fremden” in eine WG ziehen war mir irgendwie zu riskant: man kann zwar Glück haben, aber es auch unglaublich verschissen treffen.
Daher die Wohnung für mich allein. Die beste Freundin wohnt aber gleich um die Ecke und der Freund wohnt auch in Altstetten, ganz vereinsamen werde ich nicht
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