Ende der Zürcher Uni-Besetzung
Seit zehn Tagen halten wir nun bereits den «Haribo-Saal» besetzt. Den Saal zu besetzen war richtig und die Aktion hat Wirkung gezeigt. Morgen nach der Grossdemo sollten wir aber das Feld räumen – vorerst.
Durch die Besetzung des Haribo-Saals wurde uns grosse, mediale Aufmerksamkeit zuteil. Dabei konnten wir unsere Forderungen gegenüber Politik und Universitätsleitung zum Ausdruck bringen. Ob sie umgesetzt werden, darf vorerst noch hinterfragt werden. Nichtsdestotrotz sollten wir ernsthaft darüber nachdenken, den Hörsaal zu räumen.
Dies aus ganz praktischen Überlegungen:
- Es gibt viele Studenten, deren Vorlesungen regelmässig in andere Räume verschoben werden müssen. Mein Kurs in politischer Ökonomie wurde heute beispielsweise in einen Raum verlegt, der höchstens 200 Studis Platz bietet und wir sind ca. 300. Die Konsequenz aus diesen ständigen Raumverschiebungen ist, dass Studis sich über die Besetzung zu ärgern beginnen, anstatt für sie Sympathie zu entwickeln (siehe Abstimmung auf ZS-Online oder die Facebook-Gruppe).
- Wir sollten die Besetzung nicht bloss aus Prinzip fortführen. Eine Eskalation mit Polizeieinsatz ist zu vermeiden, da sich die Öffentlichkeit dann endgültig gegen uns wenden wird (Krawallbrüder, linkes Pack, Chaoten, etc). Wir müssen die Zusammenarbeit mit dem Rektor suchen und ihn uns nicht zum Feind machen. Denn Fischer scheint tendenziell eher auf unserer Seite zu stehen. Wir können von ihm nicht bloss fordern, wir müssen ihm auch ein Stück weit entgegenkommen. Eine Räumung des besetzten Hörsaals wäre ein Zeichen des Entgegenkommens. Die Politik, wie auch die Bildungsverantwortlichen müssen unsere Forderungen jetzt so oder so erst einmal verdauen.
Deshalb fordere ich die Räumung des besetzten Haribo-Saals auf morgen nach der Grossdemo. Ein freiwilliger Abzug erlaubt es allen Parteien, das Gesicht zu wahren.
Ein kritisches Forum
Achtung: Ein Abzug heisst aber noch lange nicht, dass wir uns gleichsam von unseren Forderungen verabschieden. Wir müssen dranbleiben und dafür Sorge tragen, dass unsere Anliegen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Sei es durch das Schreiben von Leserbriefen, Standaktionen oder Betreiben eines Blogs bzw. einer Webseite. Lasst uns Podiumsdiskussionen mit Vertretern von Politik, Uni und unserer Bewegung arrangieren. Wir müssen die öffentliche Wahrnehmung zu unseren Gunsten beeinflussen, das ist das Wichtigste. Dann wird auch die Politik etwas tun müssen. Wichtig dafür ist, dass wir präsent bleiben und die Bewegung unsereuni stärken. Sie soll als ein international vernetztes, kritisches Forum weiterhin Bestand haben und die Entwicklung rund um Bologna/Studiengebühren im Auge behalten.
Sollte die Politik oder die Universitätsleitung zu lange nicht oder gar nicht auf unsere Anliegen eingehen, stünde eine weiterer Besetzung in meinen Augen auch nichts im Wege. Doch ein Abzug zum jetzigen Zeitpunkt ist aus taktischen Gründen absolut notwendig!
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2 Responses to Ende der Zürcher Uni-Besetzung
Die Besetzung sollte dringend aufgelöst werden! In diesem Punkt gehe ich mit dir einig.
Eine Frage hätte ich noch an dich. Du hast gesagt, bei einer Weiterführung der Besetzung würde man von der Öffentlichkeit definitiv als extrem abgestempfelt werden…. Hast du im ernst das Gefühl, dass dies bis anhin nicht bereits der Fall war?
Von Anfang an hattet ihr ein Glaubwürdigkeitsproblem. Vielleicht wurde die ganze Aktion in deinem Umfeld nicht so kritisch aufgenommen, der allergrösste Teil der Studentenschaft hatte die Besetzung jedoch immer schon missbilligt. Dies hat einerseits damit zu tun, dass ihr von Anfang an sehr schlecht kommuniziert habt, was ihr eigentlich erreichen wollt. Andererseits verstehen viele Studierende ganz einfach eure Forderungen nicht, weil sie mit ihrem Studium grundsätzlich zufrieden sind. Zudem habt ihr nie glaubwürdig gewirkt.
Ob es deiner Meinung entspricht oder nicht, die Demonstration wurde von allen nicht Demonstrierenden als sehr stark links geprägt empfunden. Wenn man in den KOH-B-10 Saal geschaut hat, sah man ein paar “Hanfleichen” und Bierdosen herumliegen. Zudem liefen schräge Gestalten mit Rastas bis an den Boden herum. Vielleicht denkst du jetzt, die meisten Demonstrierenden sähen überhaupt nicht wie Hippies aus. Von aussen betrachtet hatte man allerdings genau diesen Eindruck. Man hat das Gefühl, dass die Demonstration um die Bolognareform dazu missbraucht wird, um allgemeine sehr stark linke oder gar kommunistische Forderungen zu machen.
Und diesen Eindruck hatten logischerweise auch die Medien, die Nichtstudierenden und auch der Rektor.
Man kann euch echt nicht ernst nehmen. Dies ist sehr schade da ich gewisse Forderungen sehr gut verstehen kann und mit Bologna sicher noch nicht alles perfekt läuft. Mit eurem Auftreten lässt sich aber kaum etwas ändern. Ihr sollt deshalb den konstruktiven Dialog suchen, vom extremen Image wegkommen und damit auch die Studentenschaft gewinnen, damit die echten Probleme diskutiert werden.
Logisch, der Saal sollte endlich freigegeben werden. Aber habe bitte nicht das Gefühl, ihr hättet bis jetzt etwas verändert oder seid von irgendjemandem ernst genommen worden! Euer Gesicht habt ihr mit der Besetzung bereits verloren…
Lustig, dass jemand, der nicht mit seiner Email-Adresse zu seinem Gesagten stehen kann (asd@asdf.ch) uns vorwirft, dass man uns nicht ernst nehmen kann.
Wie dem auch sei, hier meine Antwort:
“Du hast gesagt, bei einer Weiterführung der Besetzung würde man von der Öffentlichkeit definitiv als extrem abgestempfelt werden…. Hast du im ernst das Gefühl, dass dies bis anhin nicht bereits der Fall war?”
- Nein, hab’ ich nicht.
“Dies hat einerseits damit zu tun, dass ihr von Anfang an sehr schlecht kommuniziert habt, was ihr eigentlich erreichen wollt. Andererseits verstehen viele Studierende ganz einfach eure Forderungen nicht, weil sie mit ihrem Studium grundsätzlich zufrieden sind. ”
- Dass schlecht kommuniziert worden ist, ist richtig. Dies hat mich auch stets gestört. Ich denke, dass viele Studierende die Forderungen nicht verstehen, weil sie sich zuwenig mit ihnen auseinandergesetzt haben. Das ging mir auch so. Ich verurteilte die Besetzung am Anfang ebenfalls, da ich mich gar nicht genau mit der Thematik auseinandergesetzt habe.
“Ob es deiner Meinung entspricht oder nicht, die Demonstration wurde von allen nicht Demonstrierenden als sehr stark links geprägt empfunden. ”
- Entspricht absolut meiner Meinung. Hat mich auch immer gestört. Viele haben dort einen Tunnelblick und sehen nicht ein, dass sie mit ihren auf andere extrem wirkenden Ansichten und ihrem Aussehen diese abschrecken. Es hätte mehr “moderate” Besetzer gebraucht.
“Mit eurem Auftreten lässt sich aber kaum etwas ändern. Ihr sollt deshalb den konstruktiven Dialog suchen, vom extremen Image wegkommen und damit auch die Studentenschaft gewinnen, damit die echten Probleme diskutiert werden.”
- Ebenfalls meine Meinung. Die Bewegung darf nicht nur einen extremen Teil der Studierenden repräsentieren, sondern wennmöglich die ganze Studentenschaft in einer bunten Durchmischung.