Die Romantik des Prekären
Es ist nun einige Monate her, seitdem ich mein “geregeltes” Leben zugunsten eines weitaus unbeständigeren aufgegeben habe. Die Zeiten sind vorbei, als am Ende des Monats rund 1’700 Franken auf mein Konto flossen. Der Preis für diesen damaligen Lohn war das Joch einer sinnentleerten und repetitiven Arbeit, sowie eine Geringschätzung durch Vorgesetzte. Nun lebe ich mit ungefähr der Hälfte im Monat. Natürlich kann ich mir da keine Restaurantbesuche mehr leisten. Natürlich gibt es nur noch einmal in der Woche fleischiges und natürlich gibt es jeweils mittags Pasta. Mittlerweile habe ich Übung darin, eine Woche mit nur 50 Franken weitgehend problemlos zu überstehen. Es ist jedoch nicht so, dass mich dies stören würde. Rückblickend wusste ich gutes Essen gar nicht zu schätzen und kaufte mir wahllos aus einer Laune heraus irgendwelche unnötigen Dinge.
Dies hat sich nun grundlegend geändert. Ich geniesse es, für 5.40 Franken in der Uni-Mensa ein feines Gericht zu essen und noch besser ist es, wenn ich bei meiner Freundin zum Essen eingeladen bin. Und falls ich mir etwas anzuschaffen gedenke, so kaufe ich es wenn möglich bei Ricardo.
Die prekäre Situation, in welcher ich mich gewissermassen befinde, hat etwas Romantisches an sich. Die kleinen Dinge im Leben werden plötzlich zur grossen Freude. Kann ich mir nach längerem Sparen eine grössere Anschaffung leisten, so erfüllt mich dies mit einem unbeschreiblichen Hochgefühl. Früher trug ich nach irgendwelchen Spontaneinkäufen meist eine innere Leere in mir. Die kurze Freude über den Kauf war einfach nicht nachhaltig. Bildlich gesprochen war es wie der Verzehr eines Big-Mac-Menus bei McD’s – nach einer kurzen Weile war der Appetit wieder da und die Leere war gross.
Dem Prekären wohnt wohl aber auch nur so lange eine gewisse Romantik inne, wie man eine Perspektive auf Besserung hat. Als Student habe ich das ja gewissermassen. Drum geniesse ich diesen Way Of Life noch, solange er mir möglich ist.
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