Der Kuss der Muse ist bittersüss
Alleinesein kann manchmal beschissen sein. So zum Beispiel, wenn ich abends im Bett liege und den Tag noch einmal Revue passieren lasse. Irgendwann muss ich immer an sie denken. Mir wird dann klar, wie sehr ich sie vermisse. Wie sehr ich es vermisse, in ihre warmen, kastanienbraunen Augen zu blicken, sie zu umarmen und zu küssen. Wie sehr ich es vermisse, neben ihr einzuschlafen. Ihr warmer Atem in meinem Nacken.
Aber das ist wohl der Preis, den ich für den Kuss der Muse zu bezahlen habe. Vielleicht brauch’ ich ja dieses Gefühl der Einsamkeit, um in diese Welt der Bücher und geschriebenen Worte eintauchen und mich völlig darin verlieren zu können. Als wir noch waren, war das anders. Damals hatte ich auch keine Grund zur Flucht in diese andere Welt. Im Grunde genommen bin ich wohl ein ziemlich einfach gestrickter und anspruchsloser Mensch, der nicht vielmehr im Leben braucht, als zu lieben und geliebt zu werden.
Natürlich las und schrieb ich zu jener Zeit noch. Doch es war anders. Mir fehlte dieses Getriebensein, wie ich es diese Tage oft verspüre. Vielleicht erlegte ich mir damals auch ein wenig selbst das Gebot auf, mich nicht in diese Welt zu stürzen. Vielleicht auch deshalb, weil sie hier mitlas und es manchmal falsch verstand. Es so verstand, als sei ich unglücklich oder unzufrieden mit meinem Leben, obschon wir waren. Dabei war ich meistens glücklich. Ich brauchte halt nur ab und an diese Welt. Ein klein wenig Melancholie, dieses bittersüsse Gefühl.
Nun lese ich wieder viel. Oder zumindest so viel, wie es mir die Uni zulässt. Vielleicht schreibe ich auch hin und wieder eine Kurzgeschichte. Ich hätte gerne mehr Zeit. Mehr Zeit für solche Dinge. In meinem tiefen Inneren spüre ich, dass die Literatur – das Schreiben und Lesen – wohl einen grossen Stellenwert in meinem Leben einnehmen würde, bliebe ich alleine. Denn immer wenn ich alleine bin, spüre ich diesen bittersüssen Kuss der Muse. Wenn ich Schreibe, so fühlt es sich dann so an, als könnte ich die Einsamkeit aus mir herausschreiben. Wenn ich gute Geschichten lese, so fühlt es sich so an, als könnte ich dieser Welt, mitsamt ihrem Kummer und Sorgen entfliehen und als Beobachter in eine andere, verzauberte Welt eintauchen. Solange ich die Balance zwischen dem literarischen und dem echten Leben da draussen nicht all zu sehr verliere, geht es mir dabei gar wunderbar!
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2 Responses to Der Kuss der Muse ist bittersüss
Wenn man sie einmal gelernt hat zu lieben, die Einsamkeit, dann wird man sich immer und immer wieder nach ihr sehnen. Und muss sie sich nehmen. So ist das. Bei mir zumindest.
Ist bei mir genau so
Es ist nur irgendwie nicht so einfach einen Menschen zu finden, der trotzdem mit einem sein will. Und die Einsamkeit trennt dann auch immer wieder. Ich will alleine sein und im Alleinsein vermisse ich sie, aber gleichsam will ich sie dann auch gar nicht bei mir haben. Ich will dann dieses Gefühl der Melancholie ausleben und erwärme mich an Erinnerungen an sie. Irgendwie recht paradox..