Monsieur Croche

11. Februar 2011

4 Comments

Das würdevolle Leben

Die Zeit schreitet unaufhaltsam voran und gleichsam mit ihr rückt eine einzige bange Frage näher: Womit zum Teufel soll ich künftig meinen Lebensunterhalt verdienen?

Es ist ja nicht so, dass es da nichts gäbe. Vermutlich würden mich gar einige Unternehmen mit offenen Armen empfangen. Banken, Versicherungen, Personalvermittler – was auch immer. Man braucht denen am Vorstellungsgespräch bloss zu erzählen, was die gerne hören und schon ist man mit von der Partie.

Ich weiss; das ist ein verdammtes Privileg. Aber trotzdem. Will ich das überhaupt? Ich meine – will ich irgendwo als gesichtsloser Depp vor mich hinsiechen und einer Tätigkeit nachgehen, deren Sinn und Zweck mir schleierhaft bleibt?

Mir graut davor. Besonders dann, wenn ich dieses Thema im Lichte einiger meiner Erfahrungen mit der Berufswelt betrachte. Nein, ich hab’ wirklich keine Lust mehr auf sowas. Keine Lust mehr auf solchen Hierarchie-Scheiss und überhaupt keinen Bock mehr auf Türklinkenputzerei.

Was ich möchte, das ist mein Leben in Würde zu führen. Ein würdevolles Leben – das heisst für mich, dem was ich schaffe einen Sinn geben zu können, selbst für mein Glück verantwortlich zu sein und mich nicht irgendwo unterordnen zu müssen. Es kommt mir manchmal so vor, als würde man als Angestellter die eigene Würde just beim Betreten des Unternehmens abstreifen und sie zusammen mit der Windjacke an der Garderobe deponieren.

Manche mögen sagen, dass sei einfach so und gehöre zum «Erwachsenwerden» dazu. Trotzdem möchte ich mich damit nicht abfinden. Häufig ertappe ich mich dabei, wie ich über ein Leben in Würde nachdenke. Wie ich Pläne schmiede. Ein Leben in Würde scheint mir als Journalist, als Schriftsteller oder als Gelehrter möglich zu sein. Oder genereller gesagt; als selbstständig Erwerbender.

Ob ich einen dieser Pläne werde verwirklichen können, wird die Zeit zeigen. Sicherlich sind sie mit ungemein grösseren Risiken und Unsicherheiten behaftet als sonst eine dieser Anstellungen in moderner Knechtschaft. Aber mir ist die gefährliche Freiheit letztendlich lieber als eine ruhige Knechtschaft.

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4 Responses to Das würdevolle Leben

  1. nati says:

    Gibt einen tollen Studiengang am IAM (Institut für Angewandte Medienwissenschaft) in Journalismus und Organisationskommunikation. Die Infoveranstaltung war jedenfalls sehr interessant. Vielleicht wär das ja was für dich!
    Könnte mir dich sehr gut als angehender Journalist vorstellen, du weisst, ich mag sehr wie du schreibst! Also bitte bitte mach was daraus! :)

  2. canela says:

    ich beschäftige mich seit 20 jahren mit dem sinn meiner arbeit. manchmal spüre ich ihn, manchmal geht er mir total abhanden.

    ein selbsständigerwerbender kann- so die erfahrungen von menschen, die ich kenne – erst recht seine “würde” abgeben.

    viel arbeiten (das soll ziemlich würdevoll sein, aber ob es sinn macht?), wenig kohle, zu beginn zumindest, falls es überhaupt läuft und dann den kunden in den arsch kriechen, weil man ja aufträge möchte. hat man den auftrag, muss der kunde zahlen. tut er das nicht, kann es ziemlich würdelos zu und her gehen.

    das alles kann, muss aber nicht.

    ich glaube, einen sinn gibt es nur, wenn man die freiheit hat, einer tätigkeit selber sinn zu geben. was immer diese arbeit sein mag.

    und nun stürze ich mich, ganz sinnfrei und würdevoll, ins wochenende und werde es geniessen :-)

  3. Monsieur Croche says:

    @rofl: Danke dir für den Tipp :) Leider bin ich schon fast ein wenig zu alt dafür um noch etwas Neues zu beginnen. Nein also ich denke, dass das Politologie-Studium auch eine gute Vorbereitung ist, um später dann mal Journi zu werden. Aber freut mich zu hören, dass es dir gefällt, was ich hier so schreibe!

    @canela: Danke für deine Einsichten. Vermutlich geht es mir einfach darum, dass ich niemandem untergestellt sein möchte. Wenn ich in mich hineinhöre bereitet mir das Arschkriechen bei Kunden weitaus weniger Probleme als wenn es ein Arschkriechen bei Vorgesetzten sein soll. Aber ich theoretisiere bloss aus meinem Elfenbeimturm heraus und habe keine Ahnung von der Wirklichkeit ;) Du hast Recht – geniess dein Wochenende :)

  4. madame says:

    journalisten leben ganz sicher nicht würdevoll- zumindest solange nicht bis du dich irgendwo hochgearbeitet hast. naja vielleicht nicht irgendwo hoch sondern in die abteilung nzz, tagi etc.

    ich kenne jemanden der sich da gerade hochkämpft und es ist ungeheurlich wie da unten rum geleckt wird. regionale ereignisse dürfen nur positiv gewertet werden, wenn man einladungen zu events bekommt um zu berichten, muss man auch nett darüber schreiben. unglaublich viele artikel werden von pr-firmen eingekauft, weil es keine zeit gibt alles selber zu schreiben (und rate mal für wenn die pr-firmen arbeiten?).

    nein, die journalismus landschaft der schweiz hat jegliche würde verloren. vor 20 jahren gab es in luzern noch soviele tageszeitungen, dass über dasselbe ereigniss 4 mal geschrieben wurde, aus 4 verschiedenen sichtweisen. aber heute ist das alles nur eine müde bröckelnde farce…

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