Das Versprechen der Ferne
Wir Schweizer sind reich und trotzdem nicht glücklich. Wir sind distanzierte und kühle Verstandesmenschen. Ich bediene mich leider nur all zu gerne bei Klischees und übe mich in Verallgemeinerungen. Das ist schlecht, denn das Denken bestimmt, wie die Welt einem erscheint. Und so gesehen tu’ ich der Schweizer-Frau mit meinem Urteil vielleicht Unrecht. Vielleicht tu ich ihr Unrecht, wenn ich sie als leidenschaftslos und verstockt bezeichne.
So aber nehme ich sie wahr. Zu lieben oder nicht, scheint für sie ein Vernunftsentscheid zu sein. Wenn sie liebt, dann tut sie es bedacht. Sind diese Beiden Freunde oder ein Pärchen? Oft ist es schwer dies zu erkennen. Ihre Liebe wirkt routiniert, zweckorientiert. Jedoch nie überbordend, ausufernd, verrückt.
Ich kanns mit der Schweizerin nicht. Ist dies die Erklärung dafür, dass ich mich so sehr zu Frauen hingezogen fühle, welche ihre Wurzeln jenseits unserer Grenze haben? Oder bin ich selbst Teil des Problems; derjenige, der sich gar nicht erst auf hiesige Frauen einlässt, weil er voller Vorurteile ist?
Vermutlich liegt die Antwort wie sooft irgendwo dazwischen. Ich beobachte mich dabei, wie ich innerlich eine Distanz gegenüber der Schweizerin aufbaue, wenn ich mit ihr Spreche. Ich beobachte mich dabei, wie ich mich mit der Seconda verbunden fühle, alleine schon, wenn ich sie sehe. Wer das verstehen will, müsste meinen Hintergrund kennen. Vielleicht sollte ich irgendwann darüber schreiben. Aber um es kurz zu machen: Auch ich bin ein Secondo und auch ich bin hier nie so recht angekommen.
Ich fühle mich der Schweiz zu dank verpflichtet, aber nicht verbunden. Schweizer bleiben mir fremd, obwohl ich sie eigentlich mag. Jedoch berühren sie mich nicht im Herzen. Denn sie sind stets distanziert, niemals anmassend. Und so dichte ich mir zusammen, dass ich mein Glück dereinst irgendwann einmal in der Ferne finden werde. Die Schweizerin stösst mich ab, die Fremde zieht mich an. Mit ihr verbindet mich mehr als mit der Schweizerin. Das Gefühl hier nicht dazu zu gehören ist so viel stärker als die gemeinsame Sprache, die gemeinsame Schulbildung oder dieselbe kulturelle Prägung.
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4 Responses to Das Versprechen der Ferne
unterschrieben
habe aber einen schweizer freund. ist er anders? wahrscheinlich ja und nein. es funktioniert, aber ja, ich würde mir mehr leidenschaft wünschen. huch. seltsam sich das einzugestehen.
ah und dazu dieser artikel, er wurde über mich verfasst.
huch wie das schon wieder tönt. dabei bin ich so unwichtig. ach.
http://pragmaticmiddleeast.tumblr.com/day/2011/09/05
Es freut mich, dass du mich verstehst! Einige verstanden es nicht oder fühlten sich gar angegriffen. Vielleicht liegt es auch daran, dass diejenigen Schweizer waren
Worin ist dein Freund anders? Ja die Leidenschaft! Immer wieder lerne ich Menschen kennen, die mich einfach langweilen, weil sie ohne Leidenschaft sind. Weil sie weder leidenschaftlich lieben, noch sonst etwas leidenschaftlich tun.
Der Artikel über dich ist interessant. Eben genau dieses Ding mit hier leben, aber nicht hierhin gehören kenn ich auch nur zu gut
hmm, ich habe lange überlegt, wie ich das empfinde. es ist manchmal seltsam weder fisch noch vogel zu sein. ich bin hier geboren und aufgewachsen. die schweiz ist meine heimat, mit all ihren eigenheiten. spanien ist sowas wie mein zweites ich. oder so. ich bin ein vogelfisch.
ich kenne leidenschaftslose spanier. ich kenne leidenschaftliche schweizer. und doch, wie du, bin ich lieber mit menschen zusammen, die was warmes und spontanes versprühen und das sind eher keine “vollblutschweizer”. wenn ich mich aufregte, hat so mancher schweizerfreund, das weite gesucht. zuviel energie. zuviel “mujer al borde de ataque de nervios”.
mein jetziger freund halb schweizer, halb italiener kann ganz gut mit meinem temperament umgehen. und ich mit seinem, es hat etwas bekanntes: http://www.youtube.com/watch?v=7rsHwHBLf8c&feature=related