Buchtipp: «Hasenherz» von John Updike
Harry Angstrom, oder Rabbit, wie ihn alle nennen, ist ein 26-Jähriger Taugenichts, der in einem Einkaufszentrum mit mässigem Erfolg Küchengeräte anzudrehen versucht. Zu Highschool-Zeiten war er ein Basketball-Star, aber seitdem hat er nicht mehr wirklich etwas auf die Reihe gekriegt. In gewisser Weise scheint sein Leben ihn langsam aber sicher auf’s Abstellgleis zu führen; er ist zwar bereits verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn, doch macht ihn diese Beziehung nicht wirklich glücklich. Seine aus gutem Elternhaus stammende Frau erscheint ihm je länger desto mehr nur noch als dumm und faul.
Rabbit spürt, dass ihn dieses Mittelklasse-Leben nicht glücklich machen kann. Vor allem bedeutet es für ihn grosse Langeweile und er realisiert, dass das Leben mehr und mehr an ihm vorbei zu ziehen beginnt. Eines Tages tut er das, was typisch für einen in einer Beziehung «gefangenen» Mann zu sein scheint: Er haut ab. Mit seinem Auto rast er eine Nacht lang plan- und ziellos durch die Gegend, nur um am nächsten Morgen wieder in derselben heruntergekommenen Industriestadt namens Brewer zu landen.
Da Rabbit jedoch ein Feigling sondergleichen ist, getraut er sich nicht zu seiner Frau zurück nach Hause, sondern sucht Unterschlupf bei Mr. Tothero, seinem früheren Basketballtrainer. Rabbit beichtet ihm, dass er von zu Hause abgehauen ist und er seine Frau nicht mehr ertragen kann. Um Harry auf andere Gedanken zu bringen, arrangiert der alte Tothero daraufhin ein Treffen mit zwei jungen Frauen. Es endet damit, dass Rabbit eine Affäre mit einer der beiden Frauen beginnt. Diese ist stadtweit als leichte Nummer bekannt und Rabbit wird daraufhin in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung einziehen und sich aushalten lassen.
Der in den 1960er Jahren von John Updike verfasste Roman wird in seinem weiteren Verlaufe noch einige Wandlungen nehmen, die ich hier nicht weiter verraten möchte
Rabbit bleibt sich seiner Selbst darin immer treu; er übernimmt weiterhin keine Verantwortung für sein Handeln, achtet nur auf sein eigenes Wohlergehen und läuft wie immer von den Problemen davon.
Was ich besonders an Updikes «Hasenherz» mochte, war die unbarmherzig scharfe Beobachtungsgabe des US-Autoren, welche er mit einer guten Prise bissigen Humors abzuschmecken weiss. Updike beschreibt auf wunderbar lockere Art und Weise, wie ein typischer amerikanischer Mittelklassehaushalt mehr und mehr an seinen Problemen auseinander zu fallen beginnt. Er zeichnet ein detailliertes Bild der grassierenden Bigotterie in einer typischen Kleinstadtnachbarschaft und vor allem gelingt es ihm, einen Taugenichts als Hauptcharakter zu portraitieren, den man trotz aller Makel irgendwie gern haben muss.
Der Roman hat diverse Nachfolger nach sich gezogen: 1971 erschien Unter dem Astronautenmond. 1981 erschien Bessere Verhältnisse, 1990 Rabbit in Ruhe und 2002 schließlich Rabbit, eine Rückkehr, wovon ich Letzteren ebenfalls las und empfehlen kann. Updike-Bücher sind toll, um immer jeweils 10-20 Seiten vorm Einschlafen zu lesen; leicht bekömmlich, leicht melancholisch und trotzdem irgendwie ganz unterhaltsam.
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