Bloss Süssmost!
Das heutige Wetter stellte für mich nur einen geringen oder eher überhaupt gar keinen Anreiz dar, um nach draussen zu gehen. Trotzdem musste ich raus. Beruflich und so. Da stand ich dann also am Rütner Bahnhof und fror wie ein Mohr am Nordpol und sollte noch 10 Minuten warten. Das wurde mir auf die Dauer zu dumm, weshalb ich in die SBB-Schalterhalle ging. Dort drückte mich an einen Heizkörper, der dort irgendwo im Raum verloren neben einer Kopiermaschine stand. Die wohltuende Wärme des Heizkörpers versetzte mich in einen Tagtraum, der jedoch nicht allzu lange andauerte. Denn plötzlich riss mich ein würgendes Geräusch aus jenem hoch. Das Geräusch kam von seiten des SBB-Schalters und drang durch die offenbar noch aktive Gegensprechanlage in verstärkter Lautstärke zu mir hin. Mein Blick richtete sich noch rechtzeitig auf den Ort des Geschehens, um davon Zeuge zu werden, wie sich die Lehrtochter übergibt. Neben ihr stand ein ziemlich verdutzter Lehrling, der mit hilflosem und weinerlichem Gesicht die Ausbildnerin suchte.
Diese, eine kleinwüchsige, ältere Frau mit bereits ergrautem Haar schimpfte auf den Lehrling ein: “Ich ha’s doch gnau gwüsst! Das chunnt devo!” der Lehrling antwortete: “Es isch bloss Süessmoscht gsi!” daraufhin wieder die Alte: “Äh seich! Das seit mer denn!”, woraufhin der Lehrling verloren vor sich hinbrabbelt: “Es isch bloss Süessmoscht gsi! Würklich. Es isch nur Süessmoscht gsi!” Die Lehrtochter verschwand nun schnellen Schrittes in ein Nebenzimmer, da sich der Süssmost offenbar wieder zu melden begann. Der voyeuristische Spass musste nun aber für mich leider ein Ende haben, denn mein Zug fuhr ein. Nichtsdestotrotz versüsste dieses Ereignis mir ein wenig den ansonsten trostlosen Tag und machte mich irgendwie gluschtig auf Süssmost!
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