Blocher und was über ihn denken soll/kann/darf
Vor einigen Tagen hörte ich Christoph Blocher im Rahmen einer SVP-Veranstaltung über die Zukunft der Schweiz referieren. Ich war berufsbedingt dort. Nun, das muss man ja erwähnen, falls man sich in einem tendenziell eher linken Umfeld bewegt, wie es bei mir der Fall ist. Ansonsten erntet man fragwürdige Blicke. Denn Blocher ist in erster Linie einfach erst mal scheisse.
Wer ihn aber lebensecht an einem Anlass gesehen hat, dem fallen solche Pauschalurteile nicht mehr leicht. Blocher wirkt sympathisch, gleichgültig was er sagt. Er bewirkt dies mit seinem bescheidenen Auftreten. Hemdsärmlig, in schlecht sitzenden Hemden und bodenständig. Dass dieser Mann mehrere Millionen besitzt, sieht man ihm nicht an. “Er ist einer von uns”, denkt sich der einfache Mann. Und so gibt er sich auch wenn er redet. Unaufgeregt, authentisch und auf den Punkt gebracht. Keine abstrakten Formulierungen, kein abgehobener Wortschatz. Auch selten wirkt er wirklich verbissen oder gar verbittert und wenn er doch einmal etwas Ernsthafter werden sollte, lockert er die Stimmung mit einem seiner eingeübten Stammtischwitz wieder auf. Und immer wieder streut er Anekdoten ein, die ihn als einen der Ihren zeigt – einer, der die ‘classe politique’ verachtet.
Es fällt schwer, diesen Mann nicht zu mögen, gleichgültig was er sagt. Und ob genau hierin die Gefahr lauert? Die Gefahr, dass man einen Politiker nur noch aufgrund seines Wesens beurteilt, anstatt anhand seiner Argumente und dem wofür er einsteht? Die Gefahr, dass man den Wolf im Schafspelz übersieht?
Wie ist er wirklich, dieser Christoph Blocher? Ist er wirklich dieser bodenständige, grossväterliche Typ Mensch, den er zu sein vorgibt? Oder ist es blosses Kalkül eines mit allen Wassern gewaschenen Politikers?
Er ist zweifelsohne ein Ausnahmepolitiker. Und wenn er in seinem Referat sagt, dass die Schweiz immer dann stark gewesen sei, als sie sich auf sich selbst besann, so schenkt man dem Glauben. Denn er scheint von seinen eigenen Worten derart überzeugt zu sein, dass man für sie dankbar ist; seine Worte beruhigen. Einzig der eigene Verstand beunruhigt, stresst und juckt. Er mahnt unablässig, denn Heilsbringer – gibt es keine.
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2 Responses to Blocher und was über ihn denken soll/kann/darf
Es gibt keine ausnahmepolitiker, vorallem die leutseeligen, bodenständig gebenden sind gefährlich. mann/frau sollte diesen typ nicht auf den leim gehen und sie ignorieren. keine plattform bieten und hoffen, dass wie bei uns sie sich ganz von alleine vom acker machen(Jörgl Haider).
Da diese menschen nur nichtssagende leute in ihrem umfeld dulden, gibt es keine nachfolger.
Rosa Kollmann/Wien
Nun, ich finde er ist zweifelsohne ein Ausnahmepolitiker. Gerade dann, wenn er es versteht, böse gesagt, die Leute zu manipulieren. Er versteht es wie selten einer hier bei uns, die Leute für sich zu gewinnen. Und natürlich, genau das ist gefährlich.