Monsieur Croche

1. November 2011

8 Comments

Bereit für Lund

Mach was aus deinem Leben, Junge! Tu was, ey!

Es war ein schöner Sommerabend auf dem Land. In der Luft der Duft von Heu. Ich verbrachte einige Tage im Haus meiner Eltern; sie waren verreist. Und da ich gerade nichts Besseres zu tun hatte, besuchte ich die verschiedenen Orte, an denen ich als Kind und Jugendlicher meine Freizeit zu verbringen pflegte. Ich kam vorbei am Bach, in dem wir immer Steine zu Staumauern auftürmten, überquerte den Bolzplatz auf dem wir jeweils kickten, bis es dunkel wurde, kam vorbei am Pumpwerk, hinter dem wir unsere ersten Bierflaschen kippten und landete irgendwann bei meinem alten Oberstufenschulhaus.

Ich stand vor der verschlossenen Eingangstür des Hauptgebäudes und die Sommerluft mischte sich nun mit dem Duft eines Bodenreinigers. Schlagartig rief dieser altbekannte Geruch so manche verloren geglaubte Erinnerung in mir wach und ich fühlte mich plötzlich wieder so, als würde ich hier jeden Tag zur Schule gehen. Dennoch war mir klar, dass wir nun das Jahr 2010 und nicht mehr das Jahr 2000 schrieben. Wie die Zeit doch vergeht!

Ich begann zu bereuen. Ich bereute all jene Dinge, die ich als Oberstufenschüler niemals tat. Ich bereute all die nie gemachten Dummheiten. All die nie gemachten Fehler; wo Fehler schwer wiegen, wiegt Reue das Zigfache! Meine Hand ballte sich zu einer Faust und schlug zuerst fast unmerklich gegen den Holzrahmen der Türe. Dann stärker und nochmals stärker. Aber nie fest genug, als dass sich jemand daran hätte stören können.

Langsam und Kopf schüttelnd bewegte ich mich fort vom alten Schulhaus. Dabei murmelte ich unentwegt diese Satzfragmente vor mich hin: «Mach was aus deinem Leben, Junge! Tu was, ey!» Ich glaube es war der Moment, wo ich zum ersten Mal bis ins Mark spürte, dass das Leben nicht denjenigen bestraft, der hinfliegt, sondern denjenigen, der nicht wagt.

Von diesem Tag an lebte ich bewusster und versuchte mir darüber im Klaren zu werden, was ich wirklich vom Leben wollte. Ich erkannte, dass ich meine ureigenen Wünsche häufig unterdrückte, da sie Mut erforderten. Mut, den ich nicht zumeist hatte. So ging ich den Weg des geringeren Widerstandes – doch er machte mich nicht glücklicher.

In mir reifte die Erkenntnis, dass ich nur wachsen könnte, wenn ich meinen Ängsten begegnen würde. Und so fasste ich den Entschluss, von hier weg zu gehen; ich werde an einem anderen Ort studieren. Genauer gesagt in Lund/Schweden. Heute habe ich meine Anmeldung an die zuständige Person weitergereicht und wenn alles gut geht, werde ich schon in etwas weniger als einem Jahr in Schweden studieren. Bereits jetzt schon bin ich unheimlich aufgeregt und gleichzeitig voller Vorfreude und Dankbarbkeit für diese Chance!

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8 Responses to Bereit für Lund

  1. Hausfrau Hanna says:

    En studievistelse i Sverige – vad kul! Ett otroligt bra beslut tycker jag :-)
    Lycka till!

    Hjärtligt Hausfrau Hanna

  2. Monsieur Croche says:

    Haha leider versteh ich noch gar kein Schwedisch :D Demnach bist du aus dem hohen Norden?

  3. Claudio says:

    Oaaah, Schweden. <3

  4. canela says:

    ich sehe schon. du landest genau bei deinen geliebten südländern :-D

    • Monsieur Croche says:

      haha ja das wirkt wohl tatsächlich etwas widersprüchlich – wobei die schwedinnen offenbar ja ganz locker drauf seien :D und vielleicht hat es ja dort auch die eine oder andere südländische austauschstudentin ;)

  5. m. says:

    Du wirst doch sicher wichtige Erfahrungen fürs Leben sammeln können! Viel Spaß wünsche ich dir in Lund! Wird sicher eine tolle Zeit!

  6. Monsieur Croche says:

    Vielen herzlichen Dank :) Das bin ich mir auch sicher und ich freu mich auch dementsprechend drauf! :)

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