Aus den Kleidern wachsen
Die Dinge ändern sich. Meist nicht von heute auf morgen, sondern viel eher langsam und kontinuierlich. Ähnlich langsam sickern auch Erkenntnisse durch. Während den letzten Wochen erkannte ich immer deutlicher, dass ich hier auf diesem Blog nicht mehr weitermachen kann und sollte. Mir wurde immer klarer, dass mir dieser Blog nicht gut tut. Er hindert mich daran, mich weiter zu entwickeln. Die Maske des «Monsieur Croche», welche ich mir hier überstülpe, zwingt mir immer wieder dieselben Gefühle auf oder lässt, um es mit andern Worten zu sagen, nur gewisse Gefühle zu.
Dies ist wohl auch eng verknüpft mit der Bedeutung, die die Figur des Monsieur Croche für mich hat; ich begann damals im Jahr 2005 unter selbigem Namen zu bloggen. Auf DRS2 hörte ich damals von Claude Debussy’s Monsieur Croche – ein Pseudonym, unter welchem Debussy bösartige Kommentare zu den Verhältnissen seiner Zeit verfasste. Ich liess mich davon inspirieren und begann ebenfalls in einer bitterbösen Art und Weise über die Dekadenz des zeitgenössischen Lebens zu schimpfen.
Rückblickend gesehen, war ich damals ein frustrierter, junger Mann. Mein Leben erschien mir wie eine einzige Aneinanderreihung bitterer Erfahrung. Klar: Es hätte schlimmer sein können, aber damals kam mir das nicht in den Sinn. Ich machte mir stattdessen einen Sport daraus, mir den Frust von der Seele zu schreiben. Wie ich irgendwann aber einmal erkennen musste, trug dies nur wenig zur Besserung bei, sondern verschlimmerte alles nur noch. Als Konsequenz daraus hörte ich auf mit dem Bloggen.
Ich zog dies trotz gelegentlichen Rückfällen lange erfolgreich durch; bis ich 2009 auf diesem Blog hier abermals zu schreiben begann. Mir ist rückblickend nicht mehr so genau klar, was mich wiederum unter demselben Pseudonym schreiben liess. Auf jeden Fall tat ich es damals, aus einer tief empfundenen Melancholie heraus; es kam mir so vor, als würde mir das Leben gewisse Erfahrungen vergönnen.
In der Zwischenzeit ist viel (Gutes) geschehen und wenn ich in klaren Momenten so darüber nachdenke, empfinde ich grosse Zufriedenheit. Was mir aber von all den Erfahrungen früherer Tage blieb, ist eine Art Phantomschmerz. Manche Tage befallen mich Gefühle des Unglücks oder ich verhalte mich griesgrämig, ohne dass es einen Grund dazu gäbe.
Möchte ich so sein? Nein! Ich möchte ein zufriedener und dankbarer Mensch sein und dies auch so im Alltag leben. In meinem Denken existieren aber immer noch viele Denk- und Verhaltensmuster, die daran hinderlich sind und mich ins Schema F zurückfallen lassen. Jemand meinte mal, dass solche, über Jahre hinweg praktizierten Verhaltensmuster, «Kerben» ins Hirn schnitzen würden und es einiger Anstrengungen und Übung bedürfe, um diese Kerben zu überwinden.
Auf jeden Fall will ich dies tun und eine der ersten Konsequenz davon ist, dass ich nicht mehr unter der Figur des Monsieur Croche schreiben kann und darf; zu sehr wirft mich das Schreiben unter diesem Pseudonym ins selbe Schema zurück.
Denjenigen unter euch, die ab und an dieses Geschwür der Schweizer Internetlandschaft lasen und kommentierten, möchte ich ganz herzlich danken! Es tat stets gut zu wissen, dass einige mochten, was ich so schrieb und zu erzählen wusste! Vermutlich werde ich irgendwo anders wieder einen Blog eröffnen, denn die Freude am Schreiben ist nicht gewichen. Ich weiss nur noch nicht wann und wo und zu welchem Thema. Wer dann auch wieder mitlesen möchte, kann mir ja per Twitter oder Mail kurz eine Nachricht schicken und ich würde mich dann wieder melden, wenn ich mehr weiss.
Bis dahin alles Liebe
Monsieur Croche
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5 Responses to Aus den Kleidern wachsen
spannend beeindruckend hutab
ganz kurz zwei Gedanken
es mind stets die zwei Seiten einer Medallie die wir lieb gewinnen dürfen
Persönlichkeitsstrukturen bleiben immer während, doch wir können sie schauen sehen akzeptieren mit ihnen zu leben lernen sie lieb gewinnen
und PS: auch ich bin just dieser Tage diesem ihrem Gedanken gefolgt, bin aus einem Blog-Cocon geschlüpft
gute Schritte auf guten Wegen wünsch ich
Es gibt Menschen, die werden auch in 10 Jahren in den gleichen Foren die gleichen geistlosen Sätze von sich geben und darauf hoffen, damit jene Anerkennung zu erhalten, die sie andernorts nicht erhalten. Und es gibt Menschen, die entwickeln sich weiter und gehen demnach auch einen Schritt weiter.
Du gehörst zu Letzteren. Ich wünsche Dir beim Weitergehen alles Gute!
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