Als ich mit meinem Studium begann
Soeben verspürte ich eine gewisse Lust, aber auch einen gewissen Drang, über meine Zeit als Erstsemestriger zu schreiben. Vielleicht erhoffe ich mir insgeheim davon auch, dass ich jemanden davor hüten kann, denselben Fehler wie ich zu begehen. Wobei es zwar nicht wirklich ein Fehler war, den ich beging; ich war vielmehr einfach unreif.
Nun, es war im Herbst 2007, als ich mein Studium der Soziologie und Wirtschaft hier in Zürich begann. Zuvor verschlief ich mein Zwischenjahr und wurde dick. Aber das wiederum ist eine andere Geschichte. Als ich an einem verpissten Herbstmorgen zum ersten Mal zusammen mit ca. 80 Kommilitonen in den Bauten des soziologischen Instituts sass, fühlte ich mich furchtbar unsicher, aber auch gleichsam fürchterlich gescheit und den Anderen weit überlegen. Eine verhängnisvolle Mischung: Ich war zu scheu, um mit meinen Mitstudenten ins Gespräch zu kommen und im selben Moment auch zu arrogant.
Als sich nach einigen Wochen langsam Grüppchen zu bilden begannen, blieb ich somit aussen vor. Ich lernte während diesen Wochen einen einzigen anderen Studenten kennen, der ähnlich unvorteilhafte Charakterzüge wie ich zu jener Zeit hatte. Anstatt weitere Kommilitonen kennenzulernen, brachten wir fortan die Zeit damit zu, jene zu verspotten und schlecht über sie zu denken, obschon wir sie überhaupt nicht kannten.
Über die Monate hinweg erkannte ich dann aber immer deutlicher, dass ich mich “verlaufen” hatte und mich in eine falsche Richtung bewegte. Zu sehr wurde ich auch die Geister nicht mehr los, welche ich rief; wenn man anderen Menschen mit Abneigung begegnet, spüren diese das und reagieren ihrerseits dementsprechend. Die Uni wurde für mich in der Folge zu einem Ort, an dem ich mich nicht mehr wohl fühlte.
Nach einem Dreivierteljahr zog ich zum Glück die Reissleine und schmiss mein Soziologiestudium hin; ich begann stattdessen Politologie zu studieren. Es war eine Entscheidung, die ich bis heute kein einziges mal bereut habe!
Rückblickend betrachtet – die Dinge kapiere ich immer erst rückblickend – verstand ich damals wohl einfach nicht, um was es an der Uni eigentlich ging und was für ein einmalig toller Lebensabschnitt diese Zeit als Student ist! Die Uni ist eine Riesenchance! Man wird nie mehr so viele gleichaltrige Menschen in einer so ungezwungenen Atmosphäre kennenlernen können. Man findet Unterhaltung während langweiligen Vorlesungen, gewinnt neue Freunde, hat vielleicht die eine oder andere Affäre oder findet gar die Liebe für’s Leben. Wer aber wie ich Anno 2007 mit einem Lätsch durch die Gegend zottelt und ständig schlecht über andere denkt, wird das nicht. Positives Denken und Offenheit ist der Schlüssel! Nicht nur an der Uni, sondern überall im Leben!