A smile can change the world
«A smile can change the world» — es steht so dort, in weissen Lettern, über dem Eingangsbereich einer Dentalhygienepraxis im Zürcher Hauptbahnhof.
Man stelle sich eine gewöhnliche Frau vor, Raumpflegerin in einer grösseren Bank von Beruf — man stelle sie sich vor, wie sie die Praxis aufsucht, um sich ihre Zähne reinigen und weisseln zu lassen und man stelle sich vor, wie sie sehr zufrieden mit dem Resultat der Behandlung ist und wie sie strahlt und lächelt. Nicht übertrieben fest, aber ehrlich und erwärmend.
Man stelle sich nun vor, wie die Frau Tags darauf das Büro des CEOs sauber macht, ihn – immer noch fröhlich über ihre nun schönen, weissen Zähne – anstrahlt, ihm einen schönen Tag wünscht und wieder aus seinem Büro verschwindet.
Nun wiederum stelle man sich den Chef vor, bei dem die Frau einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ihr ehrliches Lächeln – etwas das er sonst im Alltag nur selten sieht – bringt ihn zum Nachdenken. Über diese Frau, ihr Leben, ihr Schicksal. Und nun denkt er über sich, über sein Leben und seine Wertvorstellungen nach. Man stelle sich nun vor, wie er an einer Stelle plötzlich zu einer Erkenntnis gelangt und gewisse Tatsachen infrage stellt.
Tags darauf lässt er die Presse wissen, dass er auf seinen 7-Millionen-Salär und den 10-Millionen-Bonus verzichten wird. Man stelle sich vor, wie er verlautbaren lässt, dass der Meistverdienende in seinem Unternehmen nicht mehr als das Zwölffache des Schlechtestverdienenden bekommen solle.
Man stelle sich dies vor! Und man stelle sich vor, wie dieses Zugeständnis gierig von den Medien aufgenommen und auf allen Kanälen verbreitet wird. Die Bevölkerung jubelt. Und man stelle sich auch die andern CEOs der andern Banken und Versicherungen vor. Man stelle sie sich vor, wie sie dasitzen, nachdenken und plötzlich ebenfalls zu derselben Einsicht kommen.
Und dann stelle man sich vor, wie die Nachrichten aus der Schweiz in den internationalen Medien zu Reden geben und wie die CEOs ausländischer Unternehmen, ebenfalls plötzlich zugänglich für eine einfache Einsicht sind.
Doch zu allererst müssen wir uns vorstellen, dass die gewöhnliche Frau am Zürcher Hauptbahnhof, genügend Geld für eine private zahnzusatzversicherung und die Dentalhygienebehandlung hätte.
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