Das mit dem #Ficken und so ist in meiner Generation ein grosses Thema. Besonders unter der NEON-lesenden Studifraktion. Gegenseitig versichert man sich da immer wieder, dass man sexuell total aufgeschlossen sei; «Weisch ich chan völlig offe über Sex rede, da hani überhaupt keis Problem demit» oder «Geschter han ich sooo geile #Sex gha! Hey und ich rede da gern drüber, wil ich lebe mini Sexualität ebe voll uus!»
Recht habt ihr! Denn das ist cool, das ist rebellisch, das haben unsere Eltern noch nicht getan und das ist Steinewerfen im 21. Jahrhundert! Aber Tittenfotos auf Tumblr publizieren, ja das ist das Non-Plus-Ultra. Das ist 3er BMW mit lauter Musik fahren, das ist Pilotenbrilletragen und das ist, wenn Mädchen sich im Club knutschen. DAS nenn’ ich Rock’n'Roll. Und am Besten geht’s, wenn einem alle zurufen, dass man doch SEX oder FICKEN schreien soll. Das tun dann nur wahre Grossstadt-Rebellen.
Im grossen Kanton soll das nun aber bald Geschichte sein. Jedenfalls im Internet. Da wollen die dummen Politiker nämlich Titten und Ärsche für Jugendliche sperren. Mein Lieblings-Szeni-Blog beschwört deshalb bereits seinen eigenen Untergang. Das ist grausam und dann bräuchte man neue Gesprächsthemen. Ich habe jedoch bereits einen Vorschlag: «Scheisse». Sprecht über euren Kot: «Weisch gester han ich en total härte Schissdreck gha. Nei da han ich kei Problem zum drüber rede» oder fotografiert euren Dünnschiss, eröffnet Tumblr-Blogs und ladet dort die Bilder hoch. Das ist cool, das ist hipp, das ist rebellisch und es ist vor allem völlig natürlich, wie das #Ficken.
Um irgendwelche Fragen bereits im Vorhinein zu klären: Ja, ich bin natürlich sexuell frustriert, hab’ keine Freunde und bin höchst wahrscheinlich auch noch Jungfrau.
Bonjour Monsieur!
Bravo. Sehr pointiert, aber halt auch drastisch und ein bisschen degouttant. Und das mit der Verlinkung der Angegriffenen hat halt immer auch zwei Seiten.
Falls Sie an ihrem privaten Status etwas ändern wollen, schauen Sie doch mal bei mir vorbei. Den ersten Kontakt würde ich Ihnen in ihrer scheinbar verzweifelten Situation gratis vermitteln…
Ja das stimmt schon, es ist tatsächlich ein wenig degoutant – diente aber eigentlich bloss der Provokation. Ich sehe mich manchmal ein wenig in einer sokratischen Tradition und will die Leute durch Provokation zu einer Diskussion anstiften. Meistens klappt dies jedoch nicht so gut. Die Leute tendieren dazu mich krampfhaft zu ignorieren und sich im stillen “was für ein Idiot?” zu denken. Aber das muss man dann halt wohl in Kauf nehmen
Ich danke für das Angebot. Da ich nicht so auf Partnerschaften stehe, werde ich es wohl nächstens erst einmal im lokalen Freudenhaus probieren.
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Was für eine Sprache aber auch…
Da prallen wieder einmal zwei Extreme zusammen: Die, die ohne viel nachzudenken, es einfach «geil» finden, sich möglichst selbst darzustellen. Die haben irgendwie das Prinzip «einmal im Internet, immer im Internet» noch nicht richtig verstanden und scheinen keine drei Monate vorausdenken zu können. Pech halt, wenn deren zukünftiger Freund oder zukünftige Freundin (von den zukünftigen Arbeitgebern wollen wir gar nicht reden) es nicht so toll findet, dass da solche Bildchen für einen kurzen Moment Spass ewig im www rumgeistern…
Auf der anderen Seite sind dann die, die solches Treiben einfach radikal und auf zweifelhafte Weise unterbinden möchten. Der fragliche Vertrag gilt übrigens nicht nur für Internet-Plattformen, sondern auch für Radio und TV. Wie es Deutschland gelingen will, auch ausländische Medien zu zensurieren, ist mir ein Rätsel. Und bezüglich www wird es immer Mittel und Möglichkeiten geben, technische Schranken zu umgehen. In einer globalisierten Welt sollten Themen darüber, was man unterbinden will oder nicht (z. B. Kinderpornografie), auch global regeln. Das dürfte allerdings kaum gelingen, schon alleine deshalb, weil man sich nur schon alleine innerhalb der EU nicht einig darüber wird, was anstössig ist und verboten gehört und was nicht. Hinzu kommen dann noch ganz andere Bedenken wie Ausweitung auf andere, nicht Jugendschutz-Themen… (warum nicht generell politisch linke oder rechte Theme verbieten…)
So oder so: Irgendwie leben beide Seiten in einer fragwürdigen Realtität…
Ich finde, in einer demokratischen Gesellschaft sollte
man über jedes seiner Körpersekrete sprechen und
Abbilder von diesen der Öffentlichkeit zugänglich machen dürfen.