Seitdem am vergangenen Sonntag die Minarettinitiative mit rund 57 Prozent vom Stimmvolk angenommen wurde, kochen die Gemüter hoch – besonders unter Studenten und urbanen linksliberal-Denkenden. So sind der Facebook-Gruppe «Ich schäme mich für das Resultat der Minarett-Initiative» bereits über 70’000 Personen beigetreten. In Diskusionen über die Minarett-Initiative hörte ich immer wieder den Vorwurf, dass man eigentlich nur aus purer Dummheit der Initiative hätte zustimmen können. Nur: 57 Prozent haben die Initiative befürwortet. Somit krankt das Schweizervolk entweder an akuter Dummheit oder Dummheit kann eben nicht der Grund dafür sein, weshalb jemand «Ja» stimmt.
Während den letzten Tagen habe ich mir gelegentlich ein Paar Gedanken zum Thema gemacht und mir eine Erklärung gezimmert, welche für einen Teil der Wählerschaft Gültigkeit haben könnten: Am Anfang von Allem steht die Suche nach Halt, die Suche nach Werten und Vorstellungen, die beständig sind und an denen man sich orientieren kann. Der einfachste Weg, um Beständigkeit zu finden, läuft darüber hinweg, dass man sich ein möglichst stabiles oder auch starres Weltbild schafft.
Ein stabiles Weltbild benötigt allerdings auch ein entsprechendes Denken und Wahrnehmen, da neue, ungewohnte Erkenntnisse das stabile Weltbild zum Kollabieren bringen könnten. Somit blendet das – wie ich es hier nenne – oberflächliche Denken, unangenehme Aspekte aus. Dieses denken, meistens ein Denken in Kategorien wie “Gut” und “Böse” wirkt wie eine Sonnenbrille. All zu grelles Licht in Form von Tatsachen oder Erfahrungen, die das Weltbild ins Wanken bringen könnten, blendet die Brille aus.
[ad#co-1]Wenn nun, um ein Beispiel zu bemühen, ein Moslem sich korrekt und anständig verhält, so ist er für den «Bebrillten» bestenfalls eine Ausnahme von der Regel. Verhält sich nun aber ein Moslem nicht korrekt, oder predigt er gar Hass gegenüber Christen, so fühlt sich der Bebrillte in seinen Annahmen und seinem Bild von der Welt bestätigt.
Das oberflächliche Denken verstärkt also das bisherige Weltbild. Und ein stabiles Weltbild gibt Halt und Beständigkeit (siehe Grafik). Und das oberflächliche Denken führt letztlich zu Vorurteilen, Ängsten oder Irrglauben. Diese negativen Emotionen oder Geisteszustände führen wiederum dazu, dass z.B. eine Minarett-Initiative angenommen wird.
Andere Blogs zum Thema
- «Nicht das Volk, sondern die Elite hat versagt» (martinspieler.ch)
- «Das Volksurteil und die Empörungsmaschine» (blog.ronniegrob.com)
- «Minarettverbot: Ein Problem für die Schweiz?» (gedankenblitze.ch)
- «Schweizer gegen Minarette – wie damit umgehen?» (thinkabout.ch)
- «Kein Bedarf zum Stellvertreterschämen» (beizzweinull.wordpress.com)
- «Gemach, gemach!» (andreasvongunten.com)
- «Minarette verboten!» (blog.emeidi.com)
- «Demokratie, die schmerzt» (neininger.wordpress.com)

ich finde den Text nicht gut.
pseudowissenschaftlich mit dem diagramm, welches (für mich) keine neuen erkentnisse mit sich bringt.
zuerst schreibst du darüber, dass viele intelligente Menschen u.a. Studenten ja gestimmt haben, aber dann verfängst du dich selbst in einem oberflächlichen, nicht sehr ergiebigen thema. versuche besser die argumente der intelligenten studenten zu sammeln und zu reflektieren. kannst ja sonst mich fragen wegen meinen argumenten, ich habe ja gestimmt.
lg
Kannst du nicht deinen richtigen Namen angeben? Zumal du ja offenbar durch Facebook auf den Post aufmerksam geworden bist. Finde das ein wenig mühsam mit irgendwelchen Phantomen zu diskutieren.
Wenn du mir sagen würdest, was oberflächlich und nicht ergiebig ist, würde das weiterhelfen.
Ich brauche für Halt und Beständigkeit kein starres Weltbild. Aber ich kann Deinen Ansatz aufnehmen und anhand der Minarett-Initiative ein paar andere Gedanken einflechten:
Halt und Beständigkeit, oder sagen wir, Geborgenheit im Gesellschaftssystem, in dem ich lebe, arbeite und meine Kinder aufwachsen, gibt mir eine verbindliche Gesellschaftsordnung, die für alle gilt und in der nach klaren, möglichst freiheitlichen Regeln alle an diesem System teilnehmen, es mit gestalten können.
Dieses idealistische (nicht starre) Weltbild wird im Alltag geprüft. Ungleiche Massstäbe verunsichern, zumal dann, wenn diese Regeln nicht nach allen Seiten gleich verbindlich durchgesetzt werden und es Teilnehmer gibt, die nicht eindeutig erklären, dass sie die Regeln kennen und danach spielen wollen. Die Summe dieser Probleme kumuliert, wenn sie von den Behörden und Politikern nicht mit Verantwortung für das Gemeinwesen aufgenommen und thematisiert werden. Die eigene praktische Erfahrung der Probleme findet keine Entspechung in der politischen Disussion, was zu einer inneren Entfremdung der Betroffenen führt (statt oberflächlichem Denken). Die Folge ist ein Verlust von Bodenhaftung:
Rechtsordnung, Heimatverbundenheit, Gleichheit, Freiheit scheinen bedroht, vor dem eigenen Unverständnis, offene Fragen gegenüber dem Fremden wird kapituliert, eine Besserung scheint nicht möglich, die weitere Entfremdung im eigenen Land unausweichlich. Tunnelblick-Gefühl, innerer Aufstand, Angst suchen ein Ventil, das um so erleichterter benutzt wird, weil es als Instrument rechtsstaatlich korrekt daher kommt: Endlich kann innerhalb der Regeln eine Abgrenzung vorgenommen, bzw. eine Forderung gestellt werden.
Danke für deinen Beitrag. Ich bin froh um eine andere Sichtweise, da ich selbst zum Tunnelblick neige und die Sachverhalte vereinfache. Bei meiner Grundannahme war ich wohl zu sehr von Gesprächen mit Personen in meinem Alter beeinflusst worden, die “Ja” gestummen haben. Mir kam es immer wieder so vor, als seien jene für Argumente von Andersdenkenden völlig unzulänglich, da sie deren Argumente geflissentlich auszublenden schienen und nur jene Aspekte des Problem sehen wollten, welche in ihr Weltbild passten. Aber item.
Wenn ich dich richtig verstehe, ist dieses “Ja” als ein Signal an die Politik zu verstehen, dass sich die gegenwärtigen Zustände ändern müssten?
Und genau dieses Zeichen an die Politik auf dem Rücken einer Minderheit zeugt nicht gerade von Klugheit.
Was die Unbelehrbaren betrifft, gebe ich Dir recht – die haben wirklich ein Problem.
[...] Schweizer Produkte boykotieren , Geld anziehen! [...]
kann ein student nicht dumm sein?
Man müsste sich wohl auch erst einmal fragen, was Dummheit ist. Ich definiere Dummheit für mich vorerst einmal so, dass man unfähig ist, Zusammenhänge zu sehen oder komplexere Sachverhalte zu verstehen. Um zu studieren, denke ich, ist es unumgänglich diese Fähigkeiten mitzubringen. In meinem Verständnis von Dummheit kann ein Student somit nicht dumm sein. Wohl aber kann er sich dumm stellen, um unangenehmen Dingen nicht ins Auge sehen zu müssen.
ich bin der, der vor kurzem ein neues Facebookprofil gemacht hat, mit einem speziellen Namen.
die grafik hat schon was. mir lässt die geschichte keine ruhe. aber irgendwie gilt es jetzt wohl einfach mal abzuwarten. dass ängste da sind, ist wohl offensichtlich. für mich sind sie aber ausnahmslos ohne bezug zur wirklichkeit.
übrigens: ich arbeite für solche maps jeweils mit mindnode…