Was, wenn Hitler heute jung wäre?

Wäre Hitler nicht 1889, sondern 1989 geboren, dann wäre Hitler heute ein Hipster. Das beginnt nur schon damit, dass Hitler und Hipster fast gleich klingen. Wie vor dem Ausbruch des grossen Krieges, würde Hitler auch heute noch in einer Grossstadt wie Wien oder Berlin herumlungern und sich als erfolgloser Künstler/Grafik-Designer versuchen. Zwar würde er keine Postkarten mehr malen, wohl aber in seinem (mit anderen « Kreativen » ) geteilten Atelier – aus Mangel an alternativen Einkommensmöglichkeiten – mediokre Flyer für sich gleichende Partyreihen designen. Wie Hitler damals vom Erbe seiner verstorbenen Eltern zehrte, würde er auch heute noch vom monatlichen Zustupf seiner Eltern abhängig sein.

Spät Nachts würde er jeweils über Foto-Montagen brüten und sich einreden, dass seine Zeit schon bald kommen würde — auch ohne Abschluss an der Kunsthochschule.  Wenn er dann sein Atelier verlässt und lässig auf seinem Fixie heimradelt, sieht er durch seine Kontaktlinsen bei Mclinsen.ch den Vollmond an und denkt dabei an Stefanie. Schwermütig und trotzig wird er dann in die Pedale treten, weil sie seit Jahren in ihm immer noch nicht mehr als einen guten Freund sehen will (Dabei verpasst sie doch etwas so grossartiges !). Auch diesen Kummer wird er schliesslich in Form eines neuen Tattoos (mit Dreiecken, umgekehrten Kreuzen und Pfeilen drauf) verarbeiten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass 2014 kein Krieg ausbrechen wird, denn in den Grossstädten Europas gibt es eindeutig zu viele kleine Hitlers.

Get a Life

“The culture of our world, right now, is crafted by little boys who only recall being stood up on their first date, and nothing they got after. They don’t remember the sand they kicked in other people’s eyes, only their own injuries. Our art is cynical and bad-ass and made by people who will not be happy until you join them in the church of ‘everything is fucked up, so throw up your hands.’ This is art as anesthesia. Our art is made in cities like New York by people who are running from other places. They feel themselves as misfits who were trapped in dead-end suburbs. They hated high school. Their parents did not understand. They are seeking a better world. And when they realize that the world is wholly a problem, that the whole problem is in them, they make television for other people who are also running, who take voyage in search of a perfect world, then rage at the price of the ticket.”

— Ta-Nehisi Coates, “How I Met Your Mother,” The Atlantic

Ich finde mich, bzw. den jüngeren Monsieur Croche, zu einem nicht unwesentlichen Teil in diesem Text wieder: einerseits als Opfer dieser Unkultur und andererseits als Produzent ebenjener. Nun, man kann obigen Text gewiss auf verschiedene Art und Weisen auslegen. Was soll schon mit «culture of our world» gemeint sein? Der Begriff beinhaltet Alles und Nichts. Ich asoziiere damit und mit der später im Text folgenden Ausführungen, TV-Serien wie etwa «Girls». Es geht um orientierungslose Mittzwanziger, die damit kämpfen, irgendwo einen Platz in dieser Welt zu finden. Gewiss, das Thema ist aktuell. Viele von uns hüpfen trotz abgeschlossenem Studiums von einem schlecht bezahlten Praktikum zum anderen oder finden nur befristete Anstellungen. Wir fühlen den Atem der Krise in unserem Nacken und uns ist klar, dass wir den Wohlstand unserer Eltern vermutlich nicht halten können. Und wir Männer sind insbesondere verwirrt, was unsere Rolle als Mann angeht: die Sache mit dem Ernährer und pater familias ist passé.

Was also wird aus dir, du sonderbarer, verzogener und in deiner eigenen Misere ertrinkender Taugenichts? Aber hab’ trost,

“We’re all kind of weird and twisted and drowning.”

— Haruki Murakami, “Norwegian Wood”

Literatur und Film spenden uns Trost. In den traurigen Helden des Alltags finden wir uns selbst wieder. «Es ist okay, du kannst nichts dafür», flüstern sie uns zu. Melancholisch setzen sie sich neben uns hin und seufzen «weisst du noch, als wir Kinder waren und keine Sorgen hatten?». Ja es war schön und übersichtlich und nun? Alles kompliziert. Und ungewiss. «Irgendwie ist einfach alles nicht ganz so, wie ich es mir damals immer vorgestellt hatte».

Nun, lasst uns einen Schritt zurück treten. Was geschieht hier? Besagte Kulturprodukte vermitteln uns die implizite – und gewiss tröstende Botschaft – dass wir alle ein wenig orientierungslos seien; wir alle ein wenig melancholisch seien und wir alle ein wenig beschädigt seien UND, dass das völlig okay sei, ja dass das sogar irgendwie ganz reizend sei. So finden die Antihelden in Buch und Fernsehen ihre Nachahmer. Monsieur Croche, ihr Gastgeber und bescheidener Alleinunterhalter auf diesem Blog, war einer von ihnen.

Ja es war so. Ich schrieb in meiner eitlen Melancholie traurige Texte und wälzte mich in Depressionen; dämmerte vor mich hin, brach Studiengänge ab, trank zu viel, beklagte die Welt und feierte all dies insgeheim.

Our art is made in cities like New York by people who are running from other places. They feel themselves as misfits who were trapped in dead-end suburbs. They hated high school. Their parents did not understand. They are seeking a better world. And when they realize that the world is wholly a problem, that the whole problem is in them, they make television for other people who are also running

War ich nicht ein genau solcher armseliger Kulturproduzent im Kleinformat, der besagte Botschaften reproduzierte und weiter gesellschaftsfähig machte? Ja ich war es. Ich tat genau das, was meiner Generation manchmal von älteren Generationen attribuiert wird: jammern und sich über die eigene Situation beklagen; meinen, Verantwortung übernehmen müsse man nicht.

Ja meine Generation: Wir Wunschkinder, wir Sonnenkinder. Unsere Eltern liebten uns – daran taten auch die immer zahlreicher werdenden Scheidungen keinen Abbruch – und sie gaben uns alles, was wir uns wünschten. Verantwortung übernehmen mussten wir nie. Machten wir Schwierigkeiten in der Schule, verteidigten uns unsere Eltern. Ja missfiel uns etwas, brauchten wir nur zu jammern und unsere Eltern kamen herbeigesprungen. Und nun windet uns plötzlich ein etwas rauher Wind entgegen, aber unsere Eltern können uns nicht mehr helfen. Reflexartig jammern wir zwar und bemitleiden uns selbst in unserer Situation, doch es hilft uns nichts. Weder können unsere Eltern die gespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessern, noch können sie unser gestörtes Verhältnis zum anderen Geschlecht flicken oder uns gar beibringen, wie man eine Beziehung vor dem Scheitern bewahrt – denn sie wissen es selbst am Wenigsten.

Nein, wir müssen mit dem Jammern aufhören und endlich Verantwortung für unser Leben übernehmen. Das Leben ist manchmal ein Kampf; ja es ist oft ein Kampf. Doch Selbstmitleid macht ihn kaum einfacher.

* * *

Man hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht, dass man meine «melancholischen Texte» vermisse. Gewiss, dies schmeichelt. Doch man muss verstehen: Melancholie bedeutet Stillstand – wenn überhaupt. Melancholie mag in geringen Dosen auf den Geist vitalisierend wirken; doch zu viel davon wirkt lähmend. Wer melancholisch ob verpasster Gelegenheiten ist – wie dies bei mir der Fall war – der wird, stillstehend, noch viele weitere Gelegenheiten verpassen, nur um diese verpassten Gelegenheiten zu einem späteren Zeitpunkt ebenso zu bejammern: ein Teufelskreis. In mir reifte deshalb die Einsicht, dass ich für mein Leben Verantwortung übernehmen und es ändern müsse – auch wenn dies alles Andere als einfach ist.

Dank Facebook-Werbung zum Kinderclown

Neulich tat ich etwas ziemlich Merkwürdiges, wofür ich mich fast schon ein wenig schäme: ich habe auf Facebook Werbeanzeigen für diesen Blog gebucht! Es interessierte mich in erster Linie einfach mal gehörig, was denn dann so geschehen würde. Nun gut, ich klickte mich da also mal durch den «Werbeanzeigenmanager» und wurde aufgefordert, in wenigen Worten meinen Blog zu beschreiben. Tat ich. Ich wählte absichtlich eine Beschreibung, die nur User ab einem bestimmten IQ-Level ansprechen sollte:

Intelligent, persönlich, tiefgründig und anders als alle andern bloggenden Pappnasen!

Dann wurde ich dazu aufgefordert, mein Tagesbudget auszuwählen. Da ich ein armer Schlucker bin, wählte ich das tiefstmögliche Budget: 4 Euro pro Tag. Dieses sollteb mir dafür zwischen 3-9 neue «Fans» pro Tag bescheren. «Klingt doch toll!» dachte ich mir und bestätigte.

Daraufhin lehnte ich mich zurück, trank einen Tee und war nicht schlecht über die rasant ansteigende Fanzahl erstaunt. Innert dreier Tagen brachte es meine plumpe Anzeige fertig, 25 Facebook-User von der unvergleichbaren Qualität des Crocheschen Blogs zu überzeugen.

Wahrhaftig war dies eine grosse Überraschung für mich, mit welcher ich keineswegs gerechnet hatte. Doch es sollte nicht die Einzige bleiben — eine tiefergehende Analyse der neu gewonnenen Fans sollte mich noch mehr ins Staunen versetzen: es sind zu einem grossen Teil 13-Jährige oder Lehrlinge. Mit andern Worten also genau jenes Zielpublikum, das ich mir erwünscht hatte. Nooot! Dank Facebooks’ Werbeanzeigen werde ich also zum Kinderclown degradiert — vielen herzlichen Dank auch!

Wie gesagt, mit diesem Ergebnis hatte ich echt nicht gerechnet. Vielmehr dachte ich, dass sich mit Facebook-Anzeigen kaum neue Fans gewinnen lassen würden. War aber nicht der Fall. Beim durchklicken der Profile der neuen «Fans» sprang mir eine Gemeinsamkeit ins Auge: fast alle von ihnen haben unglaublich viele “Gefällt mir”-Angaben. Besagter 13-Jähriger kommt bspw. auf deren 862. Es scheint also fast so, dass manche Facebook-User einfach alle möglichen Anzeigen gänzlich unabhängig von deren Inhalt liken. WTF??

In Anbetracht dessen zweifle ich sehr an der Nützlichkeit von Facebook-Anzeigen; oder zumindest zweifle ich daran, dass man mittels Facebook-Anzeigen mündige und gebildete «Fans» gewinnt. Diese muss man vielmehr mühsam und mittels harter Arbeit von sich überzeugen – es gibt also keinen schnellen Umweg zu Rum Ruhm und Ehre.

Post Scriptum: Ich habe derzeit 99 Fans. Der 100te Fan bekommt ein Lilibiggs-Geschenk seiner Wahl! Darum also husch-husch auf “Gefällt mir” klicken!

Szenen einer Jugend

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.

Meine Jugend war weder besonders glücklich, noch besonders unglücklich. Alles in Allem gab es wohl leicht mehr Tiefpunkte, als Höhepunkte. Doch dies tut rückblickend nicht viel zur Sache ; ich kann ganz gut damit leben. Das war aber nicht immer so und so gesehen, hat sich mein Leben wohl in die richtige Richtung entwickelt.

Manchmal kommen mir völlig unvorhergesehen die unterschiedlichste Szenen meiner Jugend wieder in den Sinn. Vorhin eben sass ich auf einem Stuhl so da und tat wenig Sinnvolles (wer es genau wissen will : ich habe Seiten eines Buches abfotografiert) und währenddessen trällerte eine Stimme in meinem Kopf dieses unsäglich dumme Lied

Lieschen Lieschen
 Lieschen
komm ein bißchen bißchen bißchen
auf den Rasen
da kannst du blasen

so wie früher früher früher
ohne Gummiüberzieher
ohne Hemd und ohne Höschen
immer
 zack zack zack zack zack

Es erinnert mich an triste Snowboardferien im klischeebehafteten Skiort Laax. Ich war damals wohl so ungefähr 15-Jährig und Teil einer grossen Gruppe junger Rabauken, die allesamt wild darauf waren, ihre Jugend auszukosten. Nun, ich war zwar ein Teil dieser Gruppe, doch irgendwie doch nicht so richtig. Aus diversen Gründen, die eigentlich wenig zur Sache tun, nahmen mich viele nicht so recht wahr und ich fristete ein wenig ein Mitläuferdasein.

Von aussen betrachtet, war ich damals wohl ein ganz gewöhnlicher Jugendlicher, der mit Freunden feiern ging, Schabernack trieb und zu viel trank. Inwendig aber fühlte ich mich zu jener Zeit so einsam wie noch nie und so einsam wie nie mehr wieder in meinem bisherigen Leben. Vor allem aber fühlte ich mich unverstanden und verstand im selben Moment die andern nicht.

Vielleicht war ich für gewisse Dinge einfach zu feinfühlig und durchblickte manches Schauspiel. Da war dann eben zum Beispiel dieser eine Abend in einer etwas heruntergekommener Laaxer Spelunke. Ein Handvoll Stammgäste, einige Touristen und eben unsere Gruppe. Es gab dort eine kleine Bühne, auf der ein Alleinunterhalter Lied für Lied herunterleierte. Unter Anderem dann eben auch obiges Lied. Ich fand es dämlich, aber gab vor es lustig zu finden, denn allen andern in der Gruppe schien es zu gefallen.

Ich durchblickte die traurige Rolle, die der Alleinunterhalter spielte. Er kam mir wie ein Automat vor, der mit einstudierten Sprüchen das besoffene Publikum bei Laune hielt. In den Pausen sah ich, wie das Lächeln von seinem Gesicht schwand. Er sah dann bekümmert und erschöpft aus ; nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Schnapsglas und spielte wieder den gut gelaunten Deppen. Meine besoffenen Freunde hatten jedoch keine Augen dafür. Sie wollten stattdessen nochmals Lieschen hören.

Ich verabschiedete mich damals von den andern mit irgendeiner dummen Ausrede und kehrte zurück in die Unterkunft. Das Schauspiel, welches sich in der Spelunke zutrug, hatte mich traurig berührt und ich erkannte mich in gewisser Weise im Mann auf der Bühne wieder : alle wollten nur den fröhlichen, gut gelaunten Clown sehen. Ich lag dann noch lange alleine wach und fühlte mich traurig und verloren. Gedanken jagten mir durch den Kopf und ich war böse mit mir selbst, weil ich mit der Welt meiner Freunde irgendwie so gar nichts anzufangen wusste.

Weil ich dachte, dass mit mir etwas nicht in Ordnung sei, zog ich viel zu lange mit jener Gruppe weiter umher und versuchte Freude an ihrer Welt zu finden – vergeblich. Könnte ich mit meinem 12 Jahre jüngeren Ich sprechen, dann würde ich ihm dies raten: «Sei mutig und geh’ deinen eigenen Weg. Lass’ dir nicht deine Zeit von uninspirierenden Menschen stehlen!» – Ja so ist das.

Chancen und Risiken von 3D-Druckern

Was vor einigen Jahren im Film «Das fünfte Element» noch als grosse Utopie erschien, wird mehr und mehr zur Realität. Seit einigen Jahren ist es nun möglich, dreidimensional zu drucken. Gut, wir sind zwar noch weit davon entfernt, einen Menschen anhand einiger DNA-Spuren klonen zu können, jedoch scheint das Fundament gelegt.

Zwar gibt es 3D-Druckverfahren schon seit 1984, jedoch blieben sie aufgrund der noch nicht ausgereiften Technologie eher eine Angelegenheit technikaffiner Geeks und Wissenschaftlern. Seit den letzten fünf Jahren scheint nun aber definitiv mehr und mehr Bewegung in die Sache zu kommen.

Dies liegt nicht zu Letzt daran, dass man sich prinzipiell seinen eigenen 3D-Drucker zu Hause zusammenbauen kann. Einen Bausatz für den Open-Source-Drucker Fab@Home kann man sich für rund 5000$ kaufen und Zubehör wie ein ABS Filament kosten nicht einmal 40 Franken (www.fabberworld.com wäre hier übrigens als Schweizer Bezugsquelle zu nennen).

Mit dem 3D-Drucker lassen sich dann schliesslich ziemlich kostengünstig praktisch alle möglichen Gegenstände herstellen, was wiederum das Feld für viele praktische und gemeinnützige Felder öffnet. So könnten günstige 3D-Drucker in Entwicklungsländern helfen, die Bedürfnisse kleiner Gemeinden abzudecken. Man denke bspw. an Generatoren für Windräder, Gebrauchsgegenstände für den Haushalt oder zu medizinischen Zwecken. So könnten 3D-Drucker speziell in von Kriegen gezeichneten Ländern bei der individuellen Anfertigung von Prothesen äusserst hilfreich sein.

Wie dies nun einmal leider oft der Fall bei Technologien ist, könne sie sinnvoll oder aber auch für weniger sinnvolle Anwendungen genutzt werden. Es entbehrt wohl nicht einer gewissen Ironie, dass ich auf 3D-Drucker erst dann aufmerksam geworden bin, als die Medien diese Sau durch’s Dorf trieben: Ein bescheuerter, junger Amerikaner hat sich mittels eines 3D-Druckers eine Pistole hergestellt und die Konstruktionspläne via Internet Allen frei zugänglich gemacht. Ich möchte hier ja nicht den Teufel an die Wand malen, jedoch birgt das einige Gefahren in sich, wenn prinzipiell jeder Depp bei sich zu Hause eine Schusswaffe herstellen kann.

Technologie steht jenseits von Gut und Böse — die Frage ist einzig, was der Mensch daraus macht.

Es gibt immer eine gewissenlose Bank

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Eine weitere anbiederne Werbekampagne, die uns «Menschen, wie du und ich» suggerieren will. Ja, Menschen wie du und ich. Wir sehen schöne und erfolgreiche Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und sich gleichsam vor dem Ableben fürchten. Menschen, wie du und ich, die sich die Frage des «Und dann?» nicht stellen wollen. Menschen, wie du und ich, die sie deshalb lieber verdrängen, Kredite aufnehmen und sich hemmungslos in den Konkurs konsumieren. Die Welt ist schön, was kostet sie? Und es gibt immer eine gewissenlose Bank, die dies zu unterstützen weiss. Herzlichen Dank!

(Via Bonz und herrmeyer.ch)

UPDATE
Wie ich soeben festgestellt habe, gibt es sogar eine Facebook-Gruppe, die sich gegen die grenzdebile Kampagne von Bank-now richtet. 

 

There’s no coke for Valon

Share a Coca Cola with Daniel

Eben erst liess Monsieur Croche unbarmherzig die Guillotine auf Rivella niedersausen und heute schon führt er Coca-Cola auf’s Schafott! Nun, diese Tage sind eben revolutionäre Tage: Bern brennt, Istanbul brennt und Sao Paulo brennt. Und so nehmen wir dies hier zum Anlass, es der französischen Revolution gleich zu tun und den Heuchlern die Masken von der Visage zu reissen!

* * *

Wir befinden uns in einem alt-ehrwürdigem Gerichtssaal. Verhandelt wird der Fall «Das Schweizer Volk gegen Coca-Cola». Strammen und entschlossenen Schrittes betritt Staatsanwalt Croche das Gericht. Hinter ihm folgt eine graue und gekrümmte Gestalt, deren spitz zulaufendes und hageres Gesicht an jenes einer Maus erinnert: Es ist dies der Angeklagte; die Personifizierung der Werbeabteilung Coca-Colas.

Der Richter bittet alle Anwesenden Platz zu nehmen und fordert Monsieur Croche dazu auf, die Anklageschrift zu verlesen. Die Spannung im Saal steigt: schliesslich tritt Croche vor, räuspert sich und eröffnet die Anklage:

«Euer Ehren, sehr geehrte Anwesende. Im Namen des Schweizer Volkes wird folgende Anklage gegen die Werbeabteilung Coca-Colas erhoben: Wir befinden diese der verdeckten Xenophobie, sowie der Ignoranz für schuldig!»

Ein Raunen geht durch die Menge und der Angeklagte zuckt nervös in sich zusammen. Indes fährt Staatsanwalt Croche fort:

«Besagter Getränkehersteller treibt es in Sachen «Produktindividualisierung» auf den Höhepunkt: Wie schön! Man kann nun Cola-Flaschen erwerben, auf deren Etikett der eigene Name abgedruckt ist. Ist das nicht toll?! Das «erklärte Ziel» des ganzen Gugus sei es, «hierzulande die persönliche Verbindung zwischen den Konsumenten und den Produkten zu stärken.» Und ferner soll die Kampagne «die lokale Verankerung von Coca-Cola in der Schweiz unterstreichen und aufzeigen, dass unerwartet viel Swissness in den Produkten steckt».»

Der Angeklagte nickt zustimmend und zufrieden: So ist es! Man bereitet ja schliesslich allen damit nur eine Freude! Croche aber wird nun lauter und schlägt einen aggressiven Tonfall an:

«Swissness! Ja momol, in diesem Produkt steckt tatsächlich viel Swissness, meine Damen und Herren – beim Trinken kann man die engstirnige Geisteshaltung sogar schmecken! Man erlaube mir die Frage an den Angeklagten: In welcher Epoche leben sie? 1950? Geistige Landesverteidigung? Oder ist ihnen entgangen, dass der durchschnittliche Schweizer längst nicht mehr Daniel, Michael oder Sarah heisst? Ein Blick in das aktuelle Aufgebot der Schweizer Fussballnati könnte da äusserst aufschlussreich sein.»

Da ruft der Anwalt des Angeklagten nervös «Einspruch!» Doch der Richter schmettert hart «ABGELEHNT!» zurück. Croche wiederholt seine Frage und wartet auf die Antwort des Angeklagten. Dieser windet sich auf seinem Holzstuhl und murmelt unverständliche Worte ins Mikrofon. «Sprechen sie lauter!» zischt daraufhin der Richter und der Angeklagte setzt zu einem erneuten Versuch an:

«Wir haben die Flaschen mit den 150 häufigsten Schweizer Vor- und Kosenamen versehen»

Staatsanwalt Croche schüttelt den Kopf und hakt nach:

«Weshalb Schweizer Vornamen? Leben in diesem Land denn nur Schweizer? Kaufen in diesem Land nur Schweizer ein? Oder was ist mit den 20 Prozent, die hier ihre Steuern bezahlen, aber leider Gottes keinen Schweizer Pass besitzen?! Zählen diese denn nicht? Und was ist mit den Eingebürgerten?»

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Der Angeklagte versucht sich säuselnd aus der unangenehmen Situation zu entwinden:

«Wer sich auf unserer Webseite via Facebook mit Coca-Cola verbindet und Coca-Cola Zugriff auf seine persönlichen Daten gibt, kann auf der Facebook-Wall seines Freundes eine virtuelle Cola-Dose mit seinem Namen hinterlassen. So bekommt auch Valon eine Dose …»

Der Richter unterbricht ihn:

«Herr Angeklagter, das ist der falsche Zeitpunkt für Witze»

Der Angeklagte wiederum:

«Das ist aber kein Witz»

Der Satz fällt wie ein Sack zentnerschweres Blei zu Boden und für eine unangenehm lange Zeit breitet sich schrille Stille im Gerichtssaal aus; der Fremdscham steht einigen Anwesenden zu Gesichte geschrieben.

Dann lauscht man wiederum gespannt den Ausführungen des Staatsanwaltes Croche, der nun zu seinem Schlussplädoyer ansetzt:

«Euer Ehren, sehr geehrte Anwesende. Was Coca-Cola hier betreibt, ist nichts Weniger als verdeckte, alltägliche Xenophobie. Es ist das Ausschliessen einer ganzen Gruppe von Menschen, die in diesem Land leben. Man gibt ihnen einmal mehr das Gefühl, nicht dazu zu gehören; Menschen zweiter Klasse zu sein. Dabei würde die Idee durchaus gut bei eben genau jener Kundschaft ankommen! Schon mehr als einmal habe ich junge Secondos dabei beobachtet, wie sie ein ganzes Kühlregal auf der Suche nach einer mit ihrem Namen bedruckten Cola-Flasche umgeschichtet haben. Und ich habe auch gesehen, wie sie nach einer Weile enttäuscht aufgaben.

Ich behaupte nicht, dass Coca Cola mutwillig xenophob ist – vielmehr geschieht es unbewusst. Es geschieht, weil man in der Werbe- und Marketingabteilung nicht über den Tellerrand hinausdenkt und für das Geschehen in der realen Welt betriebsblind ist; es geschieht, weil man sich in naiver Art und Weise an ein ebenso unpassendes, wie unscharfes Konzept klammert, dass da «Swissness» heisst. Wenn man schon «die lokale Verankerung von Coca-Cola in der Schweiz unterstreichen und aufzeigen» will, dann soll man doch bitte auch berücksichtigen, dass in der Schweiz nicht nur Heidi und Geissenpeter Cola trinken, sondern auch Valon und Vanja. Danke.»

Lesen sie in nächsten Folge vom dramatischen Ausgang der Verhandlung und dem nervlichen Zusammenbruch des Angeklagten.