Monsieur Croche

Aus dem Leben eines studierenden Taugenichts

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Die Sache mit der Authentizität

Ich bin nicht authentisch. Das behaupte ich jetzt einfach mal so, aber ich glaube meine Gründe für diese Behauptung zu haben. Was ist Authentizität? Wikipedia meint, es bedeute Echtheit im Sinne von “als Original befunden”. Ich hingegen bin eine bunte Mischung verschiedener Symbole und Rollentypen, über deren Bedeutung ich mir sehr wohl im Klaren bin. So betrachtet ist meine Identität oder das, was ich vorgebe zu sein, nichts Weiter als ein Flickenteppich. Da ein wenig depressiver Schriftsteller, da ein wenig Clown, da ein Stück Student, vermengt mit Indie-Musik-hörender Szeni, abgeschmeckt mit einer Prise strebsamen Students.

Mit Authentizität hat dies wenig zu tun. Es ist vielmehr das Produkt eines berechnenden Selbstdarstellers. Dabei wäre ich doch so gerne authentisch, wie bspw. die Autorin dieses Blogs. Authentizität verstehe ich in diesem Fall als das volle Auskosten des Lebens. Mitten im Leben stehen. Nächtelanges durchsurfen von Blogs jüngerer Bloggerinnen und Blogger machen mir dann irgendwie klar, dass ich wesentliche Jahre meiner Jugend nicht in der Mitte des Lebens stand und mein Leben stets aus einer ironischen Distanz betrachtete und ebenso ironisch-distanziert handelte.

Vieles fand “in Anführungszeichen” statt. Ich ging in Clubs “tanzen”. Ich “lernte Mädchen kennen”. Ich hatte es “lustig”. Ich war “glücklich”. Wirklich dabei war ich nie, sondern ich sah mich selbst von einer abstrakten Perspektive aus, wie ich diese Dinge tat oder zu tun versuchte. Authentisch wäre, es einfach zu tun oder zu tun versuchen. Ohne dieses ständige Nachdenken über das eigene Wirken auf andere Personen, ohne diese latent manipulativen Züge.

Je länger desto mehr habe ich das Gefühl, gerade eine vorgezogene Midlife-Crisis zu durchleben. Die Tatsache, dass ich die Jahre 18-23 meines Lebens mehr oder weniger mit Passivität gegenüber dem Leben verschwendet hatte, beschäftigt mich stark. Die Einen meinen, das Leben sei kurz und verschissen wie eine Hühnerleiter. Damit, dass es kurz ist, bin ich mal sicher einverstanden. Ein im Prinzip sehr schöner Teil des Lebens ist für mich nun mittlerweile vorbei oder neigt sich mehr und mehr dem Ende zu; bis vor Kurzem verband ich mit ihm aber praktisch noch kaum besonders schöne Erinnerungen. Vielmehr kam mir das Leben über lange Zeit hinweg wie ein Film vor, an dem ich nicht partizipieren konnte. Ich trieb dahin, ohne wirklich zu wissen, was ich wollte und wer oder was ich sein wollte.

Nun aber und immerhin, scheint sich dies langsam zu ändern. Den Umzug nach Zürich betrachte ich je länger desto mehr als einer der wenigen richtigen Entscheidungen in meinem Leben. Meine äusserst lebensbejahenden Mitbewohner reissen mich aus meiner passiven Grundhaltung heraus und zwingen mich implizit dazu, mein Leben authentisch zu leben. Aber auch die Stadt an sich trägt ihren Teil dazu bei. Sie gibt mir eine Identität oder zumindest ein geschütztes Umfeld, in dem ich meine Identität entwickeln kann. Das vielfältige kulturelle Angebot sorgt für Ablenkung und Unterhaltung und Fixpunkte, mit denen man sich identifizieren kann. Und nicht zu Letzt kommt dazu, dass die Distanz zum Elternhaus und damit gleichsam zur belastenden Vergangenheit gross ist.

Insofern betrachtet sind die Umstände so gut, wie bisher noch nie. Ein nächster und äusserst wichtiger Schritt wäre es daher nun für mich, authentischer zu werden. Zu “leben”, wie ich dies seit einer Weile auch nenne. All diejenigen Dinge zu tun, nach denen mir ist. Mich als Teil des grösseren Ganzen zu fühlen und nicht mehr als Aussenseiter, dem der Zutritt zum Leben verwehrt bleibt. Die Herausforderung ist nicht klein, aber die Umstände sind wirklich gut.

Posted in Leben | Tagged Authentizität, Jugend, Jugendjahre, Midlife-Crisis, Selbstreflexion, Vergangenheit | Leave a response

Ein unkompliziertes Hotel für unkomplizierte Reisende

Vor Kurzem verreiste ich für zwei Nächte nach Lugano, um dort an meinem Nebenprojekt zu arbeiten, welches nun langsam mehr und mehr Form annimmt und schon bald abgeschlossen sein wird. Da ich immer noch Student bin und mir nicht wesentlich mehr Geld zur Verfügung steht, suchte ich nach einer günstigen Absteige, die aber doch noch ein wenig Komfort bietet und einigermassen sauber ist. Nun, ich denke wer ein Hotel nach diesen Kriterien sucht, ist mit dem Hotel Calipso im Ortsteil Paradiso nicht schlecht beraten.

Mein Zimmer im Hotel Calipso

Das Zimmer habe ich über die Webseite des Hotels reserviert. Der Webauftritt hätte zwar dringend eine Überholung notwendig, aber immerhin funktioniert sie grösstenteils. Zumindest die Reservierung/Bezahlung per Paypal funktionierte einwandfrei. Für insgesamt 176.- buchte ich zwei Nächte inkl. Frühstück (88.- pro Nacht. Adam Riese und so). Das ist, wie ich meine, für Schweizer Verhältnisse ganz günstig.

An das Hotel selbst darf man allerdings keine grossartigen Erwartungen stellen. Ein sechsstöckiger Betonkasten, der vermutlich in den späten Sechzigern oder den beginnenden Siebzigern errichtet worden ist. Der Verputz bröckelt, der Lift ist alt und schäbig, genau so wie die Teppichböden. Wenn man es so sehen will, ist das Hotel ein Zeitzeuge des Abstiegs der Tourismusregion Tessin. Aber trotz allem: Es reicht vollkommen. Die Hotelzimmer sind hübsch eingerichtet und gründlich geputzt. Zudem besitzt das Hotel gar noch einen Swimmingpool und eine Sauna. Das Frühstück ist zweckmässig; Brot, Butter und Konfitüre, ein wenig Fleisch, ein wenig Käse, Kaffee und Milch. Mehr braucht man nicht.

Jedoch, und da komme ich nicht darum herum es zu erwähnen; es gibt dann doch noch einige Dinge, die mir negativ in Erinnerung bleiben werden. Eigentlich ist es vor allem eine Sache – die Matratze! Die billigen Federkernmatratzen sind ein Horror! Jeden Morgen wachte ich mit verspanntem Nacken und Kopfschmerzen auf, denn auf diesen elastisch federnden Matratzen war es kaum möglich, eine angenehme Schlafposition zu finden. Zudem waren die Kissen steif und viel zu klein. Ich war auf jeden Fall froh, nach zwei Nächten wieder auf meiner eigenen Matratze schlafen zu können. Das mag einerseits kein gutes Zeichen für das Hotel sein. Andererseits mag es auch heissen, dass ich einfach zu heikel und zu verwöhnt bin.

Für den Reisenden, der aufs’ Geld achten muss, würde ich dieses Hotel aber auf jeden Fall empfehlen. Dem etwas verwöhnteren und etwas heikleren Touristen würde ich jedoch von einem Aufenthalt in diesem Hotel abraten.

Vorteile

  • Guter Preis
  • Saubere Hotelzimmer
  • Nett eingerichtete Hotelzimmer
  • Zufriedenstellendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Swimming Pool & Sauna

Nachteile

  • Unbequeme Matratzen/Kissen!!
  • Hotel generell etwas schäbig und heruntergekommen

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Neu im Bücherregal: Robert Skidelsky – Die Rückkehr des Meisters

Wie ein entfesselter Kapitalismus das weltweite Wirtschaftssystem beschädigen, wenn nicht gar ruinieren kann, war gerade zu besichtigen. Aber gibt es zu diesem System überhaupt Alternativen, und wie sehen sie aus?

John Maynard Keynes (1883-1946), der intelligenteste und einflussreichste Wirtschaftstheoretiker aller Zeiten, hat schon vor einem halben Jahrhundert darüber nachgedacht, und seine Analysen sind heute aktueller denn je. Sein berühmter Ausspruch: «Auf lange Sicht sind wir alle tot» kritisierte realitätsferne ökonomische Modelle, die unser Denken bestimmen und zu verheerendem Handeln führen. Keynes’ eigene Wirtschaftstheorie dagegen war nie ganz tot, selbst in Zeiten blinder Marktgläubigkeit blieben seine Ideen präsent. Denn die Grundgedanken seiner «Allgemeinen Theorie» zielen auf den Kern allen Wirtschaftens: «Niemand kennt die Zukunft». Auf diese Prämisse gründet Keynes’ Überzeugung von der «fundamentalen Unsicherheit» der globalen Finanzmärkte, die mit mathematischen Formeln nicht ausgehebelt werden kann. Wirtschaftskrisen sind nicht die grosse Ausnahme, sondern Teil der Marktwirtschaft. Wenn man den Markt aber sich selbst überlässt, können sie lange anhalten. Deswegen muss der Staat eingreifen. Vor allem aber ist Wirtschaft kein Selbstzweck. Sie hat, so Keynes, dem Menschen, dem guten Leben zu dienen.

Robert Skidelsky: Die Rückkehr des Meisters – Keynes für das 21. Jahrhundert. Kunstmann, München 2010. 304 S., ca. 32 Fr.
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