Generation Y : Hört auf zu heulen

Generation Y und das Selbstmitleid

Du weisst nicht, was du studieren sollst? Das geht allen so.

Du hasst deinen Job? Dann künde ihn.

Du bist arbeitslos? Dann such dir ‘nen Job.

Du findest dich zu fett? Dann nimm nimm ab.

Du hast zu wenig Sex? Dann schau zu, dass du welchen bekommst.

Du fürchtest dich vor Beziehungen, weil du mal verletzt worden bist? Get over it.

Du findest dein Leben zu langweilig? Dann ändere was daran.

An dieser Stelle sei der « Generation Y » einfach mal folgender Ratschlag ans Herz gelegt : Hört auf rum zu heulen und ändert was an eurer Situation, wenn sie euch nicht passt. Es ist überhaupt nichts Artistisches oder Subversives daran, irgendwelche sich selbst bemitleidenden Gedichte zu verfassen und die eigene Passivität zu bejammern. Das ist das Grundproblem dieser Generation und all der melancholischen Hipster, die sie hervorgebracht hat.

 

Was, wenn Hitler heute jung wäre?

Wäre Hitler nicht 1889, sondern 1989 geboren, dann wäre Hitler heute ein Hipster. Das beginnt nur schon damit, dass Hitler und Hipster fast gleich klingen. Wie vor dem Ausbruch des grossen Krieges, würde Hitler auch heute noch in einer Grossstadt wie Wien oder Berlin herumlungern und sich als erfolgloser Künstler/Grafik-Designer versuchen. Zwar würde er keine Postkarten mehr malen, wohl aber in seinem (mit anderen « Kreativen » ) geteilten Atelier – aus Mangel an alternativen Einkommensmöglichkeiten – mediokre Flyer für sich gleichende Partyreihen designen. Wie Hitler damals vom Erbe seiner verstorbenen Eltern zehrte, würde er auch heute noch vom monatlichen Zustupf seiner Eltern abhängig sein.

Spät Nachts würde er jeweils über Foto-Montagen brüten und sich einreden, dass seine Zeit schon bald kommen würde — auch ohne Abschluss an der Kunsthochschule.  Wenn er dann sein Atelier verlässt und lässig auf seinem Fixie heimradelt, sieht er durch seine Kontaktlinsen bei Mclinsen.ch den Vollmond an und denkt dabei an Stefanie. Schwermütig und trotzig wird er dann in die Pedale treten, weil sie seit Jahren in ihm immer noch nicht mehr als einen guten Freund sehen will (Dabei verpasst sie doch etwas so grossartiges !). Auch diesen Kummer wird er schliesslich in Form eines neuen Tattoos (mit Dreiecken, umgekehrten Kreuzen und Pfeilen drauf) verarbeiten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass 2014 kein Krieg ausbrechen wird, denn in den Grossstädten Europas gibt es eindeutig zu viele kleine Hitlers.

Was war Lund?

Wie mir immer wieder auf’s Neue scheint, vermag ich den Entwicklungen in meinem Leben erst im Nachhinein einen Sinn oder einen Grund zu geben. Ich verstehe die Gegenwart nicht; zu sehr vereinnahmen mich die banalen Geschehnisse des Alltags, als dass ich das grössere Ganze klar und deutlich erkennen könnte. Ich weiss nicht, ob dies nun einfach eine schwäche meines wirren Geistes ist oder vielmehr die conditio humana. In diesem Sinne verstehe ich also das Jetzt nicht. Würde ich über mein Leben in Lausanne schreiben, so bliebe es wohl bei Banalitäten. Mit der Zeit und mit dem Abstand kommt jedoch die Einsicht. So gesehen erschliesst sich mir langsam, welche Bedeutung auf persönlicher Ebene das Austauschsemester in Lund  für mich hatte. Zeit darüber zu schreiben.

Meine Hauptmotivation diesen Erasmus-Aufenthalt anzutreten, war zweierlei: einerseits wollte ich der Schweiz entfliehen und andererseits wollte ich in dieser Zeit zu einem anderen Menschen heranreifen: einem geselligeren und offeneren Menschen; ein Mensch, der weder Zyniker, noch Griesgram ist. Als ich die Schweiz dann schliesslich im August 2012 in Richtung Schweden verliess, war ich mental in keiner Weise für diesen Aufenthalt vorbereitet. Zu jener Zeit hatte ich noch immer nicht das Ende einer Beziehung verarbeitet, welches doch schon auf den Sommer 2011 zurückging. Zudem steckte ich in einer Identitätskrise, die sich um Fragen wie mein Selbstverständnis, Männlichkeit und Zukunftspläne drehte — all dies war mir zu jener Zeit jedoch nicht allzu deutlich bewusst.

So kam es also, dass ich mich Ende August 2012 plötzlich auf einem Bahnsteig im südschwedischen Lund wieder fand. Ich war dort und gleichzeitig doch nicht. Mir gefiel die herbe Landschaft zwar, aber mit den Schweden an sich konnte ich wenig anfangen. Sie waren genau so reserviert, wie ich es war und irgendwie sollte ich während des ganzen halben Jahres nur einen einzigen Schweden einigermassen kennenlernen. Mit den anderen Austausch-Studenten verhielt es sich leider ähnlich: sie liessen mich kalt und langweilten mich. Doch war ich nicht genau ihretwegen dorthin gegangen? Wollte ich nicht den Griesgram hinter mir lassen? Ich sah mir dabei zu, wie ich die von mir selbst gesetzten Ziele verfehlte.

Ich scheiterte. Ich scheiterte, weil ich in einer Zwischenwelt lebte ; weil ich meine letzte Beziehung immer noch nicht verarbeitet hatte und diese Beziehung idealisierte.

Dass ich mit der Vergangenheit dennoch abschliessen konnte, ist einer dieser sonderbaren Verquickungen des Schicksals zu verdanken. Ich benötigte einen Drucker und sie wollte Ihren verkaufen. Eine harmlose Annonce in einer Facebook-Gruppe. Eigentlich wollte ich bloss den Drucker in ihrem Studentenwohnheim abholen, blieb aber einiges länger. Ich übertreibe kaum, wenn ich sage, dass sie mir gefiel: grosse, braune Augen, dunkles Haar, orientalischer Typ — es ist immer wieder dasselbe.

Zwischen ihr und mir entwickelte sich so etwas, wie eine Beziehung, obwohl ich mich scheue, es als eine Beziehung zu bezeichnen. Vielleicht hätte man es als eine solche bezeichnen können, wäre sie nicht bereits schon vergeben gewesen. Aber all dies zu erklären, wäre wohl zu kompliziert und ist auch nicht relevant: manchmal führt das Eine zum Anderen und wenn Menschen einsam sind, tun sie Dinge, die eigentlich nicht okay sind. Aber so ist das Leben eben. Wir sprachen bis auf ein einziges Mal nie darüber und taten so, als würde er nicht existieren.

So kam es schliesslich, dass ich mit ihr eigentlich weitaus mehr Zeit verbrachte, als mit den restlichen Austausch-Studenten: wir gingen oft zusammen einen Kaffee trinken oder auswärts essen; wanderten durch Parks und Einkaufszentren; schauten uns einen Film an oder kochten zusammen.

Ich war in diesen Wochen glücklich und zugleich melancholisch, da ich nicht wusste, wie es in meinem Leben weitergehen sollte. Eigentlich wusste ich nur, dass ich nicht in Zürich weiterstudieren wollte — weil ich mit dem Ort zu viele Erinnerungen verband und Sehnsucht nach der Ferne empfand. Ich studierte zahlreiche Webseiten von Universitäten, die Masterstudiengänge anboten: Science Po Paris, LSE, University College, Lund, Uppsala, usw. Schliesslich entschied ich mich aus einer Laune heraus für Lausanne. Weil es mir als Kompromiss nicht zu schlecht erschien und weil mir der Bewerbungsaufwand für die anderen Unis als zu gross erschien.

Was also war Lund? Eine Auszeit wohl. Eine Auszeit, in der ich mein Leben ordnen und neu ausrichten konnte. Es war richtig, nach Lund zu gehen, denn es brachte mir etwas. Etwas anderes zwar, als das ich mir erhofft hatte, aber so ist der Gang des Leben eben: keinesfalls planbar und sein Sinn erschliesst sich erst im Nachhinein –  die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug.

Die Macht der Sprache

Sprache. Ein alltägliches Werkzeug, über dessen Gebrauch man sich wenig Gedanken macht. So lange nicht, bis es einem fehlt.

Nachdem ich mein Master-Studium in Lausanne aufnahm, wurde mir nach und nach bewusst, welche Kraft und nicht zu Letzt auch Macht in der Sprache liegt. Zwar war mein Französisch ganz passabel und es reichte mehr oder weniger dazu aus, um die meisten Alltagssituationen mehr oder weniger gekonnt zu meistern : ich konnte mir problemlos ein Pizza Taxi rufen oder meinem Vermieter irgendeine Ausrede für die ausbleibende Miete auftischen. Doch damit hatte es sich dann auch bald schon.

Wie ich erkennen musste, tut sich zwischen dem Sprechen einer Sprache und dem Beherrschen einer Sprache ein weiter Graben auf.  Mir wurde das spätestens dann klar, als bei eine sadistische Professorin auf bösartige Art und Weise meine Arbeit kritisierte und ich mich schlichtweg nicht verteidigen konnte, weil mir das Vokabular dazu fehlte. Ihr Kommentar « ça n’a pas de sens – laissez tomber »1 ärgerte und frustrierte mich zugleich. In diesem Moment wurde mir am eigenen Leibe bewusst, was es wohl für einen Migranten bedeuten muss, sich in einem Land durchzuschlagen, ohne dessen Sprache zu sprechen.

Um eine Sprache zu beherrschen, reicht es bei Weitem nicht aus, das Schulvokabular brav und anständig zu pauken. Wenn man den familiären Wortgebrauch oder den « Argot » nicht versteht, bleiben einem viele (Wort-)Witze unverstanden : Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnen wir mit « Kartoffel » zum Beispiel entweder die Knollenfrucht, oder aber einen Deutschen. Ähnlich verhält es sich im Französischen : « Une bonne poire » bedeutet nicht etwa, dass jemand eine gute Birne ist, sondern ein gutmütiger Trottel.

In der Sprache liegt Kraft und Macht, habe ich zu Beginn gesagt. Das wurde mir besonders in jenen Situationen bewusst, wo mir die Sprache normalerweise dazu dient, ein unmittelbares Ziel zu erreichen. Sei es nun, wenn ich eine Hypothese verteidigen will oder in der Cafétéria eine « nana » ansprechen möchte. In beiden Fällen machte ich nicht gerade die beste Figur.

Nun aber ist längst nicht alles beschissen, wenn man eine Sprache nicht perfekt beherrscht. Ich war oft gerührt, wieviel Geduld und auch Sympathie man mir hier als Fremdsprachler entgegenbringt. In gewisser Weise geniesse ich hier einen Sonderstatus als eine Person, die nur schon alleine wegen ihrer Fremdsprachigkeit (und auch aufgrund eines anderen kulturellen Hintergrundes) bei ihrem Gegenüber auf Interesse stösst. So bin ich mir nun nicht ganz sicher, ob es an meiner Fremdsprachigkeit oder an der offeneren Art der Romands liegt, dass ich nach nur etwas mehr als einem Semester bereits weitaus mehr Kontakte geknüpft habe, als während fünf Jahren an der Uni Zürich ^^

  1. Das hat keinen Sinn. Lassen sie es gut sein

Weshalb werden Jacken der Marke « Canada Goose » gekauft ?

Canada Goose Logo

Als zynischer Beobachter und Kommentator des studentischen Lebens an der Universität zu Lausanne entgehen mir nur die wenigsten Entwicklungen. So entging mir weder der schleichende Tod Fjällräven Kånkens, noch das gegenwärtige Einfallen wütender Horden kanadischer Winterjacken, dem ich hier nun einige kurze Überlegungen widmen möchte.

Gewiss : Der Winter naht und der gemeine Student zieht es bei kalten Temperaturen vor, sich in eine warme Winterjacke zu hüllen. So gesehen macht es Sinn, einen grossen Batzen für gute Qualität liegen zu lassen. Auch ich bin dem nicht abgeneigt, denn es fröstelte mich doch zu Letzt des Öfteren in meinem H&M-Wollmantel. An dieser Stelle muss ich wohl unumwunden zugeben, dass ich auch mich vom Geschmack der Massen beeinflussen lasse und daher heimlich und verstohlen die Winterjacken meiner Mitstudenten begutachtete.

Aufgrund ihrer offenkundigen Beliebtheit, fielen mir die Jacken der Marke « Canada Goose » auf. Ja, die Verarbeitung erschien mir solide, der Schnitt ansprechend und bestimmt würde sie auch reichlich warm geben. Ich rechnete gewiss damit, dass ich für so eine Jacke gut und gerne 400.- liegen lassen müsste. Aber gut : Qualität kostet eben. Folglich begab ich mich zu einem lokalen Wintersportartikel-Händler, der gemäss Internet besagte Jacken im Sortiment haben sollte. Das Internet behielt recht. Jedoch hatte ich mich in meinem Preisvorstellungen gehörig geschnitten : Die ominösen Jacken von Canada Goose kosten weder 400, noch 600, sondern 900 Franken und mehr!

Ich war geschockt und auch ein wenig empört. Zudem gab mir die Sache zu denken. Wie lässt es sich erklären, dass so viele Studenten trotz des überrissenen Preises Canada Goose tragen ? Mir fallen zwei Erklärungsansätze ein :

  1. Jene Studierende, welche sich eine solche Jacke leisten können, erhalten von ihren Eltern einen gehörigen Zustupf.
  2. Der durchschnittliche Student erhält von seinen Eltern einen regelmässigen Zustupf in der Höhe von 1200 Franken. Wenn besagter Student sich nun noch zusätzliche 1000 Franken mit einer Nebenbeschäftigung dazuverdient, bleibt am Ende des Monats nach Abzug aller lebensnotwendigen Kosten nur noch ein kleines Häufchen übrig. Sagen wir 300 Franken. Kauft er sich besagte Jacke, gibt er – mit andern Worten – sein Erspartes von drei ganzen Monaten aus. Da es nun aber auch weitaus günstigere Jacken in vergleichbarer Qualität gibt (± 400 Franken), entbehrt dieser Kauf durch und durch jeglicher Vernunft. Wie können wir uns aber sonst dieses Verhalten erklären? Nun, es bleibt nur der Verweis auf den Gruppendruck : man tätigt den Kauf, auch wenn er schmerzt, nur um sich gegenüber seinen direkten Bezugspersonen nicht unterlegen zu fühlen.

Um dies zum Abschluss meiner kurzen Enquête nicht unerwähnt zu lassen : Gewiss fühle auch ich diesen Druck und verstehe die Mechanismen dahinter sehr wohl. Dennoch : Es fällt mir schwer mich dagegen zu erwehren und es ist immer wieder auf’s Neue erstaunlich, wie wenig unsere Vernunft – auf welche die Universität sich so gerne beruft – unser tatsächliches Verhalten beeinflusst.

Der Kapitalismus und die Krise des Mannes

Lassen Sie mich eine Hypothese formulieren; sie können sie hernach verspotten, verhöhnen, zerreissen; darüber gehässig am Stammtisch disputieren oder – wenn sie zu jener Sorte von Mensch gehören – sie sachlich und ruhig diskutieren. Nun denn genug des eitlen Geschwätzes: ich möchte hier die These vertreten, dass der Kapitalismus und seine Anreizstrukturen für die Krise des Mannes mitverantwortlich sind und diese perpetuieren.

Das mag jetzt vielleicht in Ihren Ohren etwas weit hergeholt klingen und vielleicht erscheint Ihnen die These gar beliebig. Doch lassen sie mich meinen Gedankengang darlegen. Beginnen wir zuerst einmal bei der oft beschworenen «Krise des Mannes». Was ist damit überhaupt gemeint? Wenn wir von der Krise des Mannes sprechen, dann meinen wir in der Regel das unklar gewordene Rollenbild und die sich daraus ergebenden widersprüchlichen Anforderungen. Für einen jungen Mann gestaltet sich deshalb die Identitätsfindung als grosse Herausforderung; die Gesellschaft vermittelt ihm einerseits ein klassisch-promiskuitives Rollenbild, in dem der Mann als Schürzenjäger, Brotverdiener und Machertyp dargestellt wird. Andererseits wird dieses Rollenbild wiederum radikal infrage gestellt und an seiner Stelle ein pluralistisches-entsexualisiertes Rollenbild propagiert: der einfühlsame Mann, der seine Triebe zu kontrollieren weiss und mit seiner Partnerin auf gleicher Augenhöhe steht. Ein heranwachsender Mann bewegt sich in diesem Spannungsfeld und findet sich darin mehr schlecht als recht zurecht.

Nachdem ich nun in groben Zügen die «Krise des Mannes» nachgezeichnet habe, wird es Zeit, den Zirkel weiter zum Kapitalismus zu ziehen, welcher gleichsam den Ausgangspunkt meiner Argumentation darstellt.

Der Kapitalismus und die Notwendigkeit der Manipulation

Als in den späten 1960er-Jahren die Märkte zunehmend gesättigt waren; immer mehr Menschen einen Kühlschrank und Backofen hatten, fast jeder ein Auto fuhr und im Portmonee der Haushalte trotzdem noch genug Geld vorhanden war, dachte man in den Werbeabteilungen darüber nach, wie man den Haushalten dieses Geld entlocken bzw. wie man eine «künstliche Nachfrage» schaffen konnte. Kluge Köpfe fanden in der emotionalisierten Werbung schliesslich die Lösung: man verkauft nicht mehr, wie bis anhin ein Produkt, sondern man verkauft von nun an Emotionen; man verkauft nicht mehr Zigaretten, sondern das Gefühl von Freiheit. Man verkauft nicht mehr Damenunterwäsche, sondern…Sie wissen schon. Emotionsgeladene Werbebotschaften sind äusserst effizient, da sie den potentiellen Käufer via dessen Unterbewusstsein erreichen und dort ein oft irrationales Verlangen nach einem entsprechenden Produkt erzeugen können.

Nun gibt es verschiedene Typen von Konsumenten und das Marketing hat im Laufe der Zeit ausgeklügelte Marktsegmentierungen vorgenommen, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen (googeln sie mal nach Dinkies, Woopies Yumpies). Dabei kommt der Unterscheidung zwischen Mann und Frau jedoch immer noch grösste Bedeutung zu. So begegnen wir Werbung, die auf Männer und Werbung, die auf Frauen zugeschnitten ist. Die dabei eingesetzte Emotionalisierungs oder meinetwegen auch Manipulationstechnik, folgt unterschiedlichen Logiken.

Die Werbung für Männer zeigt uns oft erotische und attraktive Frauen, die dem Besitzer des Produktes XY verfallen sind. Als klassisches Beispiel dienen hier die Axe-Deodorants. In diesem Typ von Werbung erscheinen Männer in einer klassisch-promiskuitiven Rolle und die Frau wird als ein ihm unterworfenes Sex-Objekt dargestellt.

In Werbungen mit Frauen als Zielgruppe, werden jene mit einem künstlichen und unrealistischen Schönheitsideal konfrontiert, um der ihnen das Gefühl zu vermitteln, zu wenig schön und nicht attraktiv genug zu sein. Im selben Atemzug verkauft die Werbung ihnen die Illusion, dass sie sich ein Stück weit diesem Ideal annähern könne, wenn sie denn nur das Produkt XY kaufen würde (denken wir an Mascara, Anti-Falten-Crème, Shampoos, etc.). Frauen werden in dieser Form der Werbung ebenso auf eine «klassische» Rolle reduziert, in der Schönheit das A und O zu sein scheint.

Betrachten wir die Gemeinsamkeiten beider Prinzipien: in der Werbung für den Mann, wie in der Werbung für die Frau, werden in beiden Fällen klassische Rollenbilder propagiert. Auf symbolischer Ebene wird versucht, eine Norm zu errichten, die mit der impliziten Botschaft droht, dass abweichendes Verhalten gesellschaftlich sanktioniert werde («Du bist nur jemand, wenn du dich so und so verhältst»). Wenn Menschen diese Rollenbilder akzeptieren und verinnerlichen, werden sie für die Werbung manipulierbar. Denn so können die Werbemenschen fortan den Konsumenten weis machen, dass es zum Mannsein oder zum Frausein gehört, Produkt XY zu erwerben. Und die Menschen tun es tatsächlich.

Die Intervention des Feminismus

Wohl bemerkt werden Frauen von beiden Formen von Werbung erniedrigt: in der Werbung für Männer erscheinen sie als dümmliche Sex- und Lustobjekte und in der Werbung für Frauen müssen sie sich an einem unerreichbaren Schönheitsideal messen. Die Werbeindustrie zog deshalb die berechtigte Wut des Feminismus auf sich. Frauen begannen sich gegen die Darstellung ihresgleichen als Sexobjekte zu wehren und prangerten das krankhafte und künstliche Schönheitsideal an (googeln sie nach «Killing us softly»). Der Feminismus begnügte sich damit jedoch nicht. Ihm war sehr wohl klar, dass die Werbung sich der klassischen Rollenbilder zu Nutze macht; es machte deshalb für den Feminismus absolut Sinn, diese Rollenbilder zu attackieren und andererseits den gesellschaftlichen Pluralismus zu propagieren: jeder soll so sein, wie er oder sie will; es gibt kein richtig oder falsch («you are beautiful, no matter what they say»).

Die Verwirrung der Männer

Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass die feministische Kritik mittlerweile zum festen Bestandteil des öffentlichen Diskurses geworden ist. Wir finden feministische Argumente und die Kritik an den klassischen Rollenbildern (Kritik am «Machogehabe» und «unterwürfigen Frauen») in Magazinen, Tageszeitungen, Blogs und Fernsehsendungen. Und es ist daher wenig erstaunlich, dass auch junge und nicht mehr so junge Frauen diese Kritik und Wertvorstellungen wiederum übernommen haben.

Für Männer und vor allem für junge Männer, stellt diese Situation eine Herausforderung dar, denn sie leben, wie eingangs erwähnt, in einem Spannungsfeld von zweierlei Wertvorstellungen. Auf der einen Seite steht die Werbung, welche Männern ein klassisch-promiskuitives Rollenbild aufzuzwingen versucht und auf der anderen Seite, das pluralistisch-entsexualisierte Rollenbild der feministischen Kritik. Wie soll sich also ein Mann geben? Tritt ein Mann dominant und anzüglich auf, ist ihm Spott und Gelächter gewiss; ein solches Verhalten ist in vielen Kreisen so unangebracht, wie zu Tisch zu rülpsen oder zu furzen. Tritt ein Mann hingegen einfühlsam und selbstreflektiert auf und vermeidet jegliche sexuelle Avancen oder Anspielungen, ist ihm ein fester Platz in der «Friendzone» der Frauen gewiss (googeln sie nach «Schmerzensmänner»).

Wie also soll sich ein Mann geben? Woran soll er sich orientieren? Wie soll er sich verhalten, damit er für das andere Geschlecht attraktiv ist? Wie soll er sich zwischen lüsternem Dummkopf und weichgewaschenem Schmerzensmann positionieren?

Conclusio

Da bis auf die Wurst alles ein Ende hat, wird es hier an dieser Stelle langsam Zeit, zu einem Abschluss zu kommen. Ich habe mit meinem Artikel die These vertreten, dass der Kapitalismus auf Umwegen zur «Krise des Mannes» beiträgt. Er tut dies, indem er dem Mann einerseits mittels der Werbung ein klassisches-promiskuitives Rollenbild vermittelt und dabei jedoch im selben Augenblick die Opposition des Feminismus hervorruft. Dieser wiederum bekämpft das klassisch-promiskuitive Rollenbild und propagiert an seiner stelle das pluralistisch-entsexualisierte Rollenbild. Der heutige Mann steht zwischen diesen Polen: verwirrt, desorientiert und etwas verloren.

Zum Schluss nun noch dies: Ich bin gewiss weit davon entfernt, die Schwierigkeiten der Identitätsfindung, wie sie sich für Frauen darstellt, verharmlosen zu wollen oder letzten Endes gar den Mann als eigentliches Opfer dieser Entwicklungen sehen zu wollen. Nein, so ist es nun wirklich überhaupt nicht. Vielmehr lag es mir daran, die feministische Perspektive und ihre Kritik, um eine männliche Perspektive zu ergänzen. Beiden Perspektiven gemein ist schliesslich die Kritik an der emotionalisierten und manipulativen Werbung und in letzter Konsequenz die Kritik an der Logik des Kapitalismus.

Get a Life

“The culture of our world, right now, is crafted by little boys who only recall being stood up on their first date, and nothing they got after. They don’t remember the sand they kicked in other people’s eyes, only their own injuries. Our art is cynical and bad-ass and made by people who will not be happy until you join them in the church of ‘everything is fucked up, so throw up your hands.’ This is art as anesthesia. Our art is made in cities like New York by people who are running from other places. They feel themselves as misfits who were trapped in dead-end suburbs. They hated high school. Their parents did not understand. They are seeking a better world. And when they realize that the world is wholly a problem, that the whole problem is in them, they make television for other people who are also running, who take voyage in search of a perfect world, then rage at the price of the ticket.”

— Ta-Nehisi Coates, “How I Met Your Mother,” The Atlantic

Ich finde mich, bzw. den jüngeren Monsieur Croche, zu einem nicht unwesentlichen Teil in diesem Text wieder: einerseits als Opfer dieser Unkultur und andererseits als Produzent ebenjener. Nun, man kann obigen Text gewiss auf verschiedene Art und Weisen auslegen. Was soll schon mit «culture of our world» gemeint sein? Der Begriff beinhaltet Alles und Nichts. Ich asoziiere damit und mit der später im Text folgenden Ausführungen, TV-Serien wie etwa «Girls». Es geht um orientierungslose Mittzwanziger, die damit kämpfen, irgendwo einen Platz in dieser Welt zu finden. Gewiss, das Thema ist aktuell. Viele von uns hüpfen trotz abgeschlossenem Studiums von einem schlecht bezahlten Praktikum zum anderen oder finden nur befristete Anstellungen. Wir fühlen den Atem der Krise in unserem Nacken und uns ist klar, dass wir den Wohlstand unserer Eltern vermutlich nicht halten können. Und wir Männer sind insbesondere verwirrt, was unsere Rolle als Mann angeht: die Sache mit dem Ernährer und pater familias ist passé.

Was also wird aus dir, du sonderbarer, verzogener und in deiner eigenen Misere ertrinkender Taugenichts? Aber hab’ trost,

“We’re all kind of weird and twisted and drowning.”

— Haruki Murakami, “Norwegian Wood”

Literatur und Film spenden uns Trost. In den traurigen Helden des Alltags finden wir uns selbst wieder. «Es ist okay, du kannst nichts dafür», flüstern sie uns zu. Melancholisch setzen sie sich neben uns hin und seufzen «weisst du noch, als wir Kinder waren und keine Sorgen hatten?». Ja es war schön und übersichtlich und nun? Alles kompliziert. Und ungewiss. «Irgendwie ist einfach alles nicht ganz so, wie ich es mir damals immer vorgestellt hatte».

Nun, lasst uns einen Schritt zurück treten. Was geschieht hier? Besagte Kulturprodukte vermitteln uns die implizite – und gewiss tröstende Botschaft – dass wir alle ein wenig orientierungslos seien; wir alle ein wenig melancholisch seien und wir alle ein wenig beschädigt seien UND, dass das völlig okay sei, ja dass das sogar irgendwie ganz reizend sei. So finden die Antihelden in Buch und Fernsehen ihre Nachahmer. Monsieur Croche, ihr Gastgeber und bescheidener Alleinunterhalter auf diesem Blog, war einer von ihnen.

Ja es war so. Ich schrieb in meiner eitlen Melancholie traurige Texte und wälzte mich in Depressionen; dämmerte vor mich hin, brach Studiengänge ab, trank zu viel, beklagte die Welt und feierte all dies insgeheim.

Our art is made in cities like New York by people who are running from other places. They feel themselves as misfits who were trapped in dead-end suburbs. They hated high school. Their parents did not understand. They are seeking a better world. And when they realize that the world is wholly a problem, that the whole problem is in them, they make television for other people who are also running

War ich nicht ein genau solcher armseliger Kulturproduzent im Kleinformat, der besagte Botschaften reproduzierte und weiter gesellschaftsfähig machte? Ja ich war es. Ich tat genau das, was meiner Generation manchmal von älteren Generationen attribuiert wird: jammern und sich über die eigene Situation beklagen; meinen, Verantwortung übernehmen müsse man nicht.

Ja meine Generation: Wir Wunschkinder, wir Sonnenkinder. Unsere Eltern liebten uns – daran taten auch die immer zahlreicher werdenden Scheidungen keinen Abbruch – und sie gaben uns alles, was wir uns wünschten. Verantwortung übernehmen mussten wir nie. Machten wir Schwierigkeiten in der Schule, verteidigten uns unsere Eltern. Ja missfiel uns etwas, brauchten wir nur zu jammern und unsere Eltern kamen herbeigesprungen. Und nun windet uns plötzlich ein etwas rauher Wind entgegen, aber unsere Eltern können uns nicht mehr helfen. Reflexartig jammern wir zwar und bemitleiden uns selbst in unserer Situation, doch es hilft uns nichts. Weder können unsere Eltern die gespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessern, noch können sie unser gestörtes Verhältnis zum anderen Geschlecht flicken oder uns gar beibringen, wie man eine Beziehung vor dem Scheitern bewahrt – denn sie wissen es selbst am Wenigsten.

Nein, wir müssen mit dem Jammern aufhören und endlich Verantwortung für unser Leben übernehmen. Das Leben ist manchmal ein Kampf; ja es ist oft ein Kampf. Doch Selbstmitleid macht ihn kaum einfacher.

* * *

Man hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht, dass man meine «melancholischen Texte» vermisse. Gewiss, dies schmeichelt. Doch man muss verstehen: Melancholie bedeutet Stillstand – wenn überhaupt. Melancholie mag in geringen Dosen auf den Geist vitalisierend wirken; doch zu viel davon wirkt lähmend. Wer melancholisch ob verpasster Gelegenheiten ist – wie dies bei mir der Fall war – der wird, stillstehend, noch viele weitere Gelegenheiten verpassen, nur um diese verpassten Gelegenheiten zu einem späteren Zeitpunkt ebenso zu bejammern: ein Teufelskreis. In mir reifte deshalb die Einsicht, dass ich für mein Leben Verantwortung übernehmen und es ändern müsse – auch wenn dies alles Andere als einfach ist.